Review: Freeware Texan
Von der T-6 – im Commonwealth auch Harvard genannt – fertigte North American Aviation von 1939 bis 1944 über 15.000 Stück, weshalb auch heute noch viele Maschinen in flugfähigem Zustand sind. Dabei wurde der 600 PS starke Trainer in über 30 Ländern eingesetzt, sogar die Wehrmacht nutzte erbeutete französische T-6 für Jagfliegerschulen und Stuka-Vorschulen.
Es gab eine Vielzahl an Versionen; Warwick Carter und sein Team – bekannt geworden durch ihre hervorragende P-51D Mustang für den FS9 – haben den Oldie nun für den FSX in der Version T-6G herausgebracht. Den 24 MB grossen Download findet man auf flightsim.com (fsds_t-6.zip) oder mittlerweile auch auf AVSIM: fsds_t6_ver1.1.zip
Tim Scharnhop hat die mitgelieferten Texturen mit dem Paintkit zusammengeführt, diese Austauschtexturen enthalten viel mehr Details als die mitgelieferten Bemalungen: t6texmod.zip
Technische Daten: (Marineversion SNJ-5)
Triebwerk Ein 550 PS Pratt & Whitney R-1340-AN-1 Sternmotor
Leergewicht 4.158 lbs
Maximales Startgewicht 5.300 lbs
Spannweite 12.81 m
Höhe 3.57 m
Höchstgeschwindigkeit 205 mph
Dienstgipfelhöhe 21.500 Fuss
Reichweite 750 Meilen
Quelle: warbirdalley.com
Installation, Dokumentation
Die manuelle Installation gestaltet sich einfach, lediglich der Aircraftordner und drei Effectdateien müssen verschoben werden. Ein Handbuch an sich gibt es nicht, in der Readme-Datei findet sich jedoch ein Abschnitt über die Besonderheiten des Pratt & Whitney Sternmotors. Besonders die Anlassprozedur muss strikte eingehalten werden, doch mehr dazu später. Die Checkliste ohne Notfallprozeduren reicht für den normalen Flug völlig aus und ist soweit vollständig. Grobe Verbrauchswerte für den Reiseflug findet man ebenfalls.
Aussenmodell
Wie oben schon angesprochen empfehle ich die Installation der Austauschtexturen. Dabei müssen nur die beiden Ordner texture.1 und texture.2 in den Aircraftordner der Texan kopiert werden, fertig.


Vorher-Nachher: Der Vergleich zeigt es, die Austauschtexturen lassen das Modell wesentlich realistischer aussehen. Danke, Tim!
Der Vergleich mit Bildern der realen Texan zeigt, dass hier die FSDS-Künstler jede Kleinigkeit liebevoll herausgearbeitet haben. Der Fahrwerkschacht, der monströse Neunzylinder-Sternmotor oder Details wie das Pitotrohr und die Ösen zum Befestigen von Gewichten – bei jedem Walk-Around bemerkt man wieder andere Details. Eine intelligente Lösung für weitere Animationen ist das Minipanel, das sich über Shift+1 aufrufen lässt: Ein Fanghaken für Flugzeugträgerlandungen, bei gezogener Parkbremse können auch noch Radschuhe und die Pitotrohr-Abdeckung angezeigt und der Pilot zum verschwinden gebracht werden.



Details über Details, wohin man schaut. Mit einem Kameraprogramm lässt sich das Aussenmodell am besten bewundern, mit ein wenig Geduld tut’s der Control-Shift-Enter-Affengriff natürlich auch.
An den Texturen gibt es wenig zu bemängeln, einziger Kritikpunkt sind die Gebrauchsspuren: Die Maschine scheint soeben aus der Waschanlage gekommen zu sein, selbst die Rumpfpartie direkt hinter dem Auspuff kommt blütenweiss daher.

Ohne Worte…
Cockpit und Systeme
Ein 2D-Cockpit an sich gibt es nicht, lediglich minipanels zur Steuerung der Animationen und Funkgeräte sind vorhanden. Deshalb flugs ins VC gewechselt...
„Mein“ Arbeitsplatz – sowohl der hintere wie auch der vordere Sitz – machen einen guten ersten Eindruck, der Warnhinweis „FLIGHT SIMMING IS A HEALTH HAZARD“ lässt mich schmunzeln. Die Instrumente bewegen sich flüssig und die Ausstattung mag durchaus der Realität entsprechen, so findet sich neben dem Sprechfunk auch noch ein ADF-Empfänger für einfache Radionavigation. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus praktisch ist die Logik zur Bedienung des Magnetschalters: Ein Klick mit der linken Maustaste dreht den Schalter eine Position in Richtung BOTH, mit einem Rechtsklick springt er in Richtung OFF. Genau gleich funktionieren auch der Tankwahlschalter und die Höhenmesserkalibrierung, wobei dies bei letzterer nicht gerade alltagstauglich ist. Treibstoff- und Fahrwerkswarnleuchten können getestet werden, und bei einem eventuellen Motorausfall kann man mittels einer Handpumpe den Hydraulikdruck für Fahrwerk und Klappen oben halten.

Vielleicht ein bisschen dunkel, aber sonst sehr hübsch gemacht. Zwischen den grünen Trimmrädern befindet sich die Wobble Pump, mit welcher beim
Anlassen der Treibstoffdruck manuell hergestellt wird.

Die rechte Konsole mit allen wichtigen Schaltern.
Besonderen Wert wurde auf die Simulation des Motors gelegt, schon der sehr genau nachempfundene Anlassvorgang hat seine Tücken. Bei übermässiger Einspritzung besteht die Gefahr, dass der Motor ersäuft. Dies macht sich mit einem hässlichen dunkelgrauen Qualmen bemerkbar. Im Flug müssen die Zylinderkopftemperatur und der Ansaugdruck im Auge behalten werden, sonst zieht der fliegende Texaner bald eine Rauchfahne hinter sich her und der Motor gibt beunruhigende Geräusche von sich, kombiniert mit einem Leistungsabfall. Eine weitere Spezialität ist die Spornradverriegelung, beim Kurven muss der Stick ganz vorn sein, sonst endet der Flug schon neben dem Rollweg.

Telluride Ground, we have a problem: Die Checklisten wollen eingehalten werden, sonst…
Schaut man sich die Aircraft.cfg an, so findet sich beim Treibstoff folgender Abschnitt:
[fuel]
fuel_type =1
number_of_tank_selectors =1
electric_pump =0
LeftMain = 0.0, -3.665, -1.700, 35.200, 0.000
Center2 = 0.0, -3.665, -1.700, 20.000, 0.000
RightMain = 0.0, 3.665, -1.700, 55.200, 0.000
fuel_dump_rate=0.02000
anemometer_pump=0
manual_pump=0
engine_driven_pump=1
Eine Nachfrage bei Warwick ergab, dass der linke Tank in LeftMain und Center2 aufgeteilt wurde, da das FSX Treibstoffmanagement nicht zu 100% korrekt arbeitet. Diese Aufteilung war nötig, weil der Tank LeftMain automatisch den Reservetank „angezapft“ hätte, wenn dieser als Aux oder Tip Tank definiert gewesen wäre. Sprich beim Betanken muss rechts immer so viel Treibstoff vorhanden sein wie in Links und Reserve zusammen! Leider kann man die Texan nur bei Tageslicht fliegen - in der Nacht bleibt das Cockpit dunkel.
Sounds
Beim Fliegen empfiehlt es sich, die Boxen voll aufzudrehen, auf dass die Tischlatte vibrieren möge. Ein eventueller Streit mit der Angetrauten oder Mutter muss dabei in Kauf genommen werden, denn das Dargebotene ist es allemal wert. Sei es das gemütliche Blubbern im Leerlauf oder das satte Dröhnen beim Take-Off, was der (leider unbekannte) Soundmagier da hingezaubert hat, ist erste Klasse! Ein Vergleich mit Videos der realen Texan ergibt eine hohe Übereinstimmung.
Was auffällt, ist der Übergang vom Leerlauf zu höheren Drehzahlen. Hier macht sich aus meiner Sicht der Lärm der Luftschraube zu abrupt bemerkbar.

Power pur: Der Umgang mit dem Gashebel verlangt Fingerspitzengefühl, insbesondere beim Start kann der Motor leicht overboosted werden.
Flugdynamiken
Das Flugverhalten gefällt mir sehr gut und erscheint realistisch. Mit einer gewissen Trägheit und trotzdem wendig ist die Maschine sehr gut durch alle Fluglagen steuerbar. Einfache Kunstflugfiguren wie Rolle, Looping oder Turn macht die Maschine anstandslos mit. Das Trudelverhalten – sowohl bei Power-On-Stalls wie auch im Leerlauf – gefällt mir. Die in der Checkliste angegebenen Geschwindigkeiten stimmen auch in der Praxis, mit Variationen bei unterschiedlicher Beladung.

Performance
Auf meinem nicht gerade FSX-prädestinierten Rechner (Dual Core 2.61 GHz, 2.00 GB RAM mit NVIDIA GeForce 8600GT) fällt die Bildwiederholungsrate selten unter 20 FPS (Flugzeug alle Regler rechts, Szenerie ca. 50%). Nur zu Beginn des Fluges fallen die teilweise recht langen Ladezeiten der Texturen auf.
Hier ein Verlgeich mit der Standard C172:
(Zuerst VC, dann Aussenansicht)
C172: 36 resp.35 fps
T-6: 20 resp. 28 fps
Hierbei ist noch zu sagen, dass die Messung über autogenarmem Gebiet durchgeführt wurden (Telluride KTEX, mit Fotoszenerie von blueskyscenery.com)
Fazit
Die T-6 ist definitiv einer der besten Freeware-Warbirds für den FSX. Mit einer Systemsimulation, die in Richtung Accu-Sim geht, einem hervorragenden 3D-Modell sowie tollen Sounds spielt die Texan in der oberen Liga mit. Weiter so, Warwick!








Felix Neracher für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 28.04.2010 | Counter: 2240 Besucher
| Das Mekka für jeden T6-Fan ist die Website www.eichhorn-air.de. Und das Beste: Wenn du 150 Euronen investierst macht Walter oder Toni den Flug deines Lebens mit dir! Gruß aus EDDF |
| Gutes Review, eines sehr schönen Fliegers, der augenscheinlich sehr gut umgesetzt wurde. Leider halt für den FSX :-D Bleib ich also auch weiterhin meiner Carenado Mentor treu. |