Review: Aerosoft Seahawk

Die Seahawk ist ein mittelgroßer Hubschrauber, der von der Navy zu den
unterschiedlichsten Aufgaben eingesetzt wird. Besonders wichtig sind die Suche
nach U-Booten, Search and Rescue sowie Transportaufgaben. Nicht zu übersehen ist
die große Verwandtschaft zur bekannten UH-60 "Blackhawk", die ein wichtiges
Rückgrat der US Army bildet.
Aerosoft erkannte einen großen Bedarf für ein realistisches Hubschrauberaddon im
FS9 und machte sich sogleich an die Arbeit. Dazu gibt es ein paar
Hubschrauberträger der Wasp-Klasse, die besonders für Truppenlandeoperationen
benutzt werden. Was dabei herausgekommen ist? Lest einfach weiter!

Das Deck des Hubschrauberträgers - die geparkte Seahawk gehört
dabei zur Szenerie
Kauf & Installation:
Kauf und Installation über den Simmarket
gestalten sich einfach. Der Download beträgt ca. 45 MB, auch ein Update ist
inzwischen verfügbar. In diesen 45 MB sind aber die weiteren Flugzeugträger,
die über die ganze Welt verteilt wurden, noch nicht enthalten, sie können Separat
auf den Accountseiten herunter geladen werden. Die Installation selbst verläuft
problemlos, nach wenigen Minuten ist die Seahawk einsatzbereit, der Installationsrechner
muss jedoch mit dem Internet verbunden sein. Seit einiger Zeit ist auch eine
CD-Version des Add Ons verfügbar. Diese kostet gleich mikrige 4 Cent mehr
als die Download-Version, nämlich genau 29.99€
Es ist somit jedem Leser selber überlassen, ob er diesen minimalen Aufpreis
bezahlen will oder lieber auf die rasch verfügbare Downloadversion zurückgreift.
Zur direkten Produktseite des Herstellers geht es hier
lang.

Das Modell der Seahawk:
Bereits beim Erscheinen der ersten Screenshots wurde klar: das Modell der
Seahawk ist besonders detailliert. Genau dieser Eindruck bestätigte sich auch.
In der Übersicht gibt das Modell ein gutes Bild ab: alle Teile passen gut
zusammen und es gibt keine Ecken oder Kanten. Bei genauerem Hinsehen fallen dann
viele kleine Details auf, beispielsweise der Öffnungsmechanismus der Tür oder
die Rotorköpfe.
Die Animationen sind ebenfalls sehr schön und zahlreich. Erstmals ist der
Anstellwinkel der Rotorblätter auch bei laufenden Triebwerken zu sehen. Über
eine Konsole im Instrumentenbrett kann man die Rotorblätter zusammenfalten, das
ist einigermaßen flüssig und sieht sehr gut aus.
Eine ganze Menge unterschiedliche Bemalungen bringt das Paket mit und alle
Texturen sehen recht gut aus. Einzelne Nieten und andere Details sind problemlos
erkennbar, auch bei näherem Hinsehen verpixeln sie kaum. Effekte wie dynamischer
Schein und Reflexionen wurden einigermaßen angemessen eingesetzt, für einen
militärischen Heli glänzt die Seahawk etwas zu stark und ist nicht schmutzig
genug.
Insgesamt befindet sich das Modell auf einem hohen Niveau.

Der Träger
Um eine Basis für Flüge mit der Seahawk zu bieten, hat man einen Träger der
Wasp-Klasse mit umgesetzt. Standartmässig befindet sich einer vor San Francisco,
weitere in Hamburg, Miami, New York, etc... können auf den Accountseiten
heruntergeladen werden. Mit jedem Träger ist eine kleine Aufgabe verbunden, in
Hamburg muss man beispielsweise bei schlechtem Wetter einige Kästen Bier von
einer Bohrinsel holen.
Das Modell des Trägers ist genial: noch nie habe ich eine dermaßen detailgetreue
Umsetzung eines Schiffes im FS gesehen, es fehlen nur noch die 3D Personen und
schon wäre die Illusion perfekt. Jede Kleinigkeit des Schiffsdesigns, z.B.
Geländer, Rettungsinseln, Spannseile, etc. wurden mit viel Aufmerksamkeit
umgesetzt. Das Deck wird dabei von allerhand Fahrzeugen und auch Seahawks
bevölkert, die ebenfalls sehr genau umgesetzt wurden.
Die Texturen sind, zumindest direkt auf Deck, extrem detailliert und kommen fast
an die Auflösung der Seahawk heran. An Stellen, die nicht so gut zu sehen sind,
wurde die Auflösung etwas reduziert um die Performance zu schonen.
Auch animationsmässig ist auf dem Träger einiges los: einige Radarschüsseln
drehen sich schön flüssig, die Fahnen wehen im Wind und Rauch kommt aus den Schornsteinen. Fehlt nur noch,
dass sich das ganze Schiff bewegt, das ist aber vermutlich nicht möglich.
Nachts gehen allerhand Lichter an und verbreiten eine schöne Atmosphäre, leider
bilden die Texturen nachts relativ große Karos aus (siehe Screenshot).
Insgesamt bietet der Träger eine schöne Erweiterung zur Seahawk.


Die Texturen auf dem Deck pixeln stark
Das Panel:
In diesem Addon hat Aerosoft zwei Varianten der Seahawk miteinander
verbunden: die SH-60 und die SH-70. Prinzipiell stammt das Modell von der SH-60
und das Panel von der SH-70, sie verfügt nämlich über ein Glasscockpit mit 4
großen Bildschirmen. Genau diese Bildschirme beherrschen das simulierte Cockpit
vollkommen und können bei Bedarf sehr stark vergrößert werden. Besonders das PFD
verfügt über zahlreiche Funktionen: alle Informationen sind auf einen Blick zu
sehen und viele Parameter können schnell und einfach hier geändert werden. Der
Kompass verfügt über einen Hover-Modus, in dem die Höhe und die Geschwindigkeit
beim Schweben schnell und einfach abgelesen werden können. Das MFD wird
hauptsächlich zur Navigation verwendet und hat daher den Home-Modus. In diesem
Modus werden Kurs und Entfernung zu allen mitgelieferten und sonstigen Trägern
im FS angezeigt, über eine Configdatei kann man auch eigene Punkte hinzufügen.
Leider ist mit keinem der beiden Systeme eine Flugplanung mit Wegpunkten
möglich (FS Flugpläne können aber geladen werden), bei diesem Preis wäre das aber wünschenswert gewesen.
Das Hintergrundbild sieht sehr gut aus und ist weitestgehend fotorealistisch,
zumindest mal auf dem Mainpanel. Das Overheadpanel besticht nicht gerade durch
qualitativ hochwertige Texturen und ist schwer ablesbar.
Auch sonst ist auf dem Overheadpanel nicht viel los. Die meisten Schalter sind
Dummys, andere (z.B. der APU-Schalter) bewirken zwar ein Geräusch und eine
Anzeige auf den Displays, haben darüber hinaus aber keine Bedeutung für die
Abläufe: Im Handbuch wird zwar geschrieben, dass die laufende APU Voraussetzung
für einen Triebwerksstart wäre, tatsächlich fährt das Triebwerk aber auch
einfach so hoch, nicht einmal der Starter muss betätigt werden.
Auf der Central Console ist schon mehr los: hier befindet sich das AFCS
(Automatic Flight Control System). Es handelt sich dabei um eine Art Autopiloten
für Hubschrauber, der diverse Flugmanöver durchführen kann. Dabei sind
Bewegungen um alle Achsen einstellbar. Da dieses System aber sehr von den
Ressourcen des jeweiligen Flugsimulator-PCs abhängig ist, gibt es bei schlechtem
Wetter oder mieser Performance größere Probleme mit dem Halten der eingestellten
Werte, an sich ist das System aber genial.
An sonsten gibt es noch zwei kleine FMCs, die aber nur diverse Werte anzeigen
können, auch die Einstellung der Frequenzen ist über dieses System möglich.
Nachts wird das Instrumentenbrett in ein militärtypisches grünes Licht getaucht.
Meines Erachtens nach ist es ein wenig zu intensiv, an sonsten sieht es aber gut
aus.
Insgesamt hinterlässt das Instrumentenbrett einen geteilten Eindruck: einerseits
wurden die Systeme mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, andererseits sind die
Beschränkungen des FS, was große Helikopter angeht, offenbar: viele Schalter
sind Dummys oder haben keine richtige Funktion. Dennoch ist und bleibt dieses
Instrumentenbrett das Beste für Helis im FS9 bisher.

Das Instrumentenbrett im Schwebemodus. Mit der Übersicht unten
links ruft man die Unterpanels auf.
Das 3D Panel:
Im virtuellen Innenraum wird wieder deutlich, was schon für das Aussenmodell
gilt: die Modellierung ist hervorragend. Kleinste Details wurden aufmerksam
ungesetzt und mit schönen Texturen überzogen. Die Ablesbarkeit der Instrumente
ist jedoch ein Problem. Da man, um die Übersicht zu behalten, mindestens auf 75%
Zoom gehen muss, ist kaum noch etwas zu erkennen, besonders nicht auf der Center
Console. Soweit möglich, lohnt es aber dennoch, die SH-60 aus dem 3D Cockpit zu fliegen.

Die Anzeigen auf dem Center Panel sind kaum lesbar.

Geräusche:
Die Geräusche hinterlassen ein geteiltes Bild: im Innenraum klingen sie sehr
realistisch, außen fehlen aber die "Knattergeräusche" der Rotorblätter, das
Pfeifen der Turbinen ist hier beinahe ausschließlich zu hören. Dennoch gehen die
Geräusche insgesamt in die richtige Richtung.

Flugdynamik:
Die Flugdynamik ist, durch die Möglichkeiten des FS beim Simulieren von
größeren, mehrmotorigen Helikoptern, sehr beschränkt. Fliegbar ist die SH-60
nur, wenn die Realitätsregler nicht ganz rechts stehen. Wie genau ein Helikopter
fliegen sollte, kann ich natürlich nicht genau beurteilen, ein paar Dinge stören
jedoch:
Hier ist insbesondere die Simulation der Motoren anzuführen: es ist möglich, die
Seahawk plötzlich mit Vollgas hoch zu reißen ohne, dass die Drehzahl sinkt. Auch
der Motorenstart ist sehr unrealistisch, da die Turbinen sofort nach anreichern
des Gemisches hochfahren und die eingebaute APU beispielsweise nur zum Spaß da
zu sein scheint.
Die Möglichkeiten des FS sind beschränkt und so sind die Flugdynamik und die
Systemsimulation der SH-60 eher inakkurat.

Performance:
Schon bei Erscheinen der ersten Informationen zur Seahawk wurde darauf
hingewiesen, dass ein sehr schnelles System nötig sein. Empfohlen wird ein
3GHZ-Prozessor mit 512 MB RAM und 128 MB Grafikkarte. Der Heli selbst stellt
aber gar nicht so extreme Anforderungen, auch auf unserem Testsystem war er
problemlos fliegbar. Das Schiff ist extrem anspruchsvoll, man kann aber
durch Umbennungen bestimmter bgl-Dateien und Einstellungen bei der
Grafikqualität einiges heraus holen. Details, wie immer, in der Bewertung.
Handbuch und Sonstiges:
Das Handbuch ist übersichtlich gehalten und gut verständlich. In kurzen
Abschnitten wird die Bedienung der Seahawk erklärt, auch eine kleine
Heliflugschule und Checklisten sind dabei. Man kann es auf den Shopseiten
kostenlos herunterladen.
Zusatztools sind nicht dabei.

Nachts wird das Panel in ein intensives, grünes Licht getaucht.
Fazit:
Aerosoft wollte eine realistische Hubschraubersimulation schaffen, wurde
aber durch die Möglichkeiten des FS schnell etwas ausgebremst. Zwar kann man das
Aerosoft nicht zum Vorwurf machen, es wird aber auch die User nicht davon
abhalten, möglicherweise etwas enttäuscht zu sein. Die Komponenten des Addons
sind allesamt sehr schön gelungen: Modell, Texturen, Animationen, Panel und
alles Andere sind qualitativ auf höchstem Niveau. Dennoch wird immer wieder
deutlich, dass der FS9 kein Helisimulator ist.
So wurde die Seahawk zur besten Heliumsetzung für den FS bisher, Perfektion kann
aber erst erreicht werden, wenn am FS grundlegend etwas geändert wird. 9 von 10
Sternen.
Bewertung:
Pro:
- schöne Modelle
- gute Texturen
- schönes Panel mit vielen Funktionen
- Hubschrauberträger dabei
Kontra:
- Flugdynamik durch Möglichkeiten des FS9 beschränkt
- 35€ sind recht viel Geld
Download-Version (Aerosoft.de) >> 29.95€
CD-Version (Aerosoft.de) >> 29.99€
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