Review: Saitek Pro Flight System
Die wohl schwierigste Aufgabe eines jeden Computerspiels ist es, dem Benutzer ein realistisches Gefühl für die Steuerung zu geben. Eine beliebige Taste auf der Tastatur zu drücken ist eben etwas ganz Anderes als einen Kippschalter auf einem großen Instrumentenbrett zu betätigen.
Besonders heikel ist dies bei der Flugsimulation, immerhin geht es um eine Dimension mehr als bei den meisten anderen Computerspielen. Also braucht der Simmer ein spezielles Eingabegerät. Bei den meisten Piloten steht ein Joystick auf dem Tisch, der universell für jedes Fluggerät eingesetzt wird. Ganz realistisch ist das aber nicht, immerhin werden die meisten motorgetriebenen Flächenflugzeuge mit einem Steuerhorn gesteuert.
Die Entwicklung dieses Geräts liegt schon etwas zurück. Damals waren alle Flugzeuge mit Steuerknüppeln ausgestattet und das Fliegen war noch Wenigen vorbehalten. Es wurden also massentaugliche Flugzeuge entwickelt, deren Steuerung der eines Autos gleichen sollte. Es wurden sogar Flugzeuge entwickelt, die als Auto und als Flugzeug verwendet werden konnten. Um Autofahrern den Umstieg zu erleichtern, wurde das Steuerhorn entwickelt, ein Lenkrad mit einer zweiten Achse für das Höhenruder. Im Laufe der Zeit etablierte sich diese Art der Steuerung.
Schon länger gibt es ein Steuerhorn mit Schubhebeln von CH Products für den PC.
Nun brachte Saitek eine komplette Produktpalette für die Steuerung von virtuellen Flugzeugen auf den Markt, dabei sind auch ein Steuerhorn und ein Schubregler mit drei Hebeln für Gas, Gemisch und Propellerdrehzahl.

Saitek vertreibt seine Produkte über den Computerfachhandel. Dort kostet das Paket etwa 150€. Wer ein wenig Geld sparen möchte, kann das Pro Flight Yoke System auch online kaufen. Da die Box recht gross ist, sollte jedoch auf eventuell hohe Versandkosten geachtet werden.
Das Anschließen ist einfach. Der Schubregler wird an das Steuerhorn angeschlossen, das wiederum mit einem USB-Stecker ausgestattet ist. Vor dem Anschließen sollte man die CD einlegen und die Treiber installieren, eine Programmiersoftware ist ebenfalls dabei, dazu aber später mehr.
Um das Steuerhorn benutzen zu können, muss es am Tisch festgeschraubt sein. Das geht einfach und ohne Werkzeug, nur für das erstmalige Montieren des Schubreglers an seiner Klemmvorrichtung braucht man einen Kreuzschlitz-Schraubenzieher. In zwei Positionen kann er am Tisch befestigt werden, entweder oben auf dem Tisch oder wahlweise vor dem Tisch (siehe Fotos). Die Befestigung ist sehr robust und hält beide Komponenten sehr gut am Tisch fest. Störende Spuren oder gar Beschädigungen werden durch Abstandhalter aus Gummi verhindert. Ein kleiner Nachteil ist allerdings, dass diese bei starker Befestigung am Tisch haften bleiben können, sodass man sie manchmal mit sanfter Gewalt wieder lösen muss. Beschädigungen traten dadurch bei uns aber trotz häufigen Ab- und Anschrauben nicht auf. Insgesamt ist die Befestigung gut gelungen.

Es wird Zeit, das Äußere zu begutachten. Beide Komponenten sind aus schwarzem Kunststoff gefertigt, die Verarbeitung ist hochwertig. Auf dem Gehäuse des Steuerhorns wurde eine eloxierte Aluminiumplatte montiert, die diesen Eindruck verstärkt. In der Mitte des Yokes ist eine Siebensegmentanzeige eingebaut, die als Uhr und Stoppuhr funktioniert. Die Schalter zur Bedienung sind direkt unterhalb des Displays angebracht. Alle weiteren Bedienknöpfe befinden sich oben am Yoke, sodass man sie, ohne die Hände vom Steuer nehmen zu müssen, bedienen kann.
Der Schubregler ist vollständig aus Kunststoff, was den guten Eindruck aber nicht trübt. Auch hier sind insgesamt 6 Schalter angebracht. Die 3 Hebel lassen sich über eine leichte Raste in einen Reverse-Modus ziehen.
Der erste Eindruck ist also durchweg positiv, es wird Zeit, die zahlreichen Funktionen im Simulator auszuprobieren.
Zuerst einmal muss dem FS beigebracht werden, welcher Knopf welche Funktion steuern soll. Dazu gibt es drei Möglichkeiten, auf die ich kurz eingehen möchte.
1.) Zuweisung über die "Zuordnungen" im FS9
Diese Möglichkeit ist sicherlich die einfachste, aber auch die unflexibelste. Ist das Steuerhorn angeschlossen, lassen sich die Zuweisungen direkt über das Menü "Steuerung" zuweisen. Für jeden Knopf kann genau eine Funktion definiert werden, dabei können die Möglichkeiten des Steuerhorns nicht ganz ausgeschöpft werden. Es verfügt nämlich über eine Modusauswahl, die eine Dreifachbelegung der Tasten erlaubt. Außerdem können nicht alle möglichen Funktionen über das FS-Menü definiert werden. Insgesamt ist dies also die schlechteste Möglichkeit.
2.) Zuweisung über die Saitek-Software
Wie bereits erwähnt, liefert der Hersteller eine Programmiersoftware mit. Mit ihrer Hilfe können jedem Knopfdruck bestimmte Tastenkombinationen (z.B. STRG+F1) zugewiesen werden. Sogar ganze Abläufe, so genannte Makros, können programmiert werden, dann werden beliebig viele Tasten in definierten Zeitabständen gedrückt. Die Möglichkeiten sind sehr umfangreich, auch die Dreifachbelegung funktioniert natürlich. Leider kann man die Achsen nicht über dieses Tool zuweisen und das FS-Fenster muss aktiv sein, damit die Zuordnungen funktionieren.
3.) Zuweisung über FSUIPC
Wer die Vollversion dieses Moduls für den Flugsimulator besitzt, hat die meisten Möglichkeiten bei der Tastenzuweisung. Hier können die Achsen und Knöpfe für jedes Flugzeug separat zugeordnet werden und es stehen alle möglichen Funktionen der einzelnen Flugzeuge zur Wahl. Auch die Kalibrierung der einzelnen Achsen kann mittels FSUIPC sehr genau erfolgen. Der Kauf von FSUIPC lohnt sich auf jeden Fall für Besitzer des Saitek Pro Flight Systems.
Etwas Arbeit ist die Zuweisung der vielen Tasten schon, danach steht dem uneingeschränkten Vergnügen fast nichts mehr im Wege. Eine Sache gibt es allerdings noch und ich hoffe sehr, dass Saitek mit Hochdruck daran arbeitet. Die derzeit auf dem Markt vorhandenen Exemplare des Systems haben zwei Fehler. In unregelmäßigen Abständen werden automatisch irgendwelche Tasten gedrückt. Es kann also schon einmal passieren, dass das Fahrwerk kurz vor dem Aufsetzen automatisch einfährt.
Ist das Steuerhorn bei Start des Rechners angeschlossen, stimmt die Nullstellung mancher Achsen nicht. Das Problem kann man durch herausziehen und wieder hineinstecken des USB-Steckers beheben.
Sollte man ein solches Exemplar erwischen, gibt es kostenlos Ersatz. Wer darauf nicht warten möchte und eine registrierte Kopie von FSUIPC besitzt, kann diese dazu bringen, die falschen Signale herauszufiltern. (http://www.saitekforum.com/forumdisplay.php?f=149) Eine langfristige Lösung stellt dies aber nicht dar und so müssen Yokes, die davon betroffen sind, umgetauscht werden. Ab Dezember steht eine neue Serie zur Verfügung, die fehlerfrei sein soll.
Nun wird es aber Zeit, den Flugsimulator zu starten! Generell lassen sich Schubhebel und Steuerhorn für die meisten Flieger nutzen. Nur Helikopter und alle möglichen Kampfflugzeuge sollten lieber mit einem Joystick gesteuert werden. Die drei Hebel des Schubreglers lassen alle möglichen Kombinationen zu, beispielsweise 2 Motoren und Bremsklappen, 3 Motoren oder ein Motor mit Propellerdrehzahl und Gemischregulierung. Zieht man die Hebel über eine Raste über die Leerlaufposition hinaus, kommt man in den Umkehrschubbereich. Dieser Bereich ist leider keine Achse, sondern ein einfacher "Knopf", sodass die Bremsleistung nicht gesteuert werden kann.
Der Weg der Schubhebel von 0 auf 100% ist sehr lang und so lassen sich die Leistungen der Triebwerke sehr genau einstellen. Das ist besonders bei Turboprops praktisch. Die Vorteile liegen aber auch bei kleinen Propellerflugzeugen auf der Hand, endlich kann man die Leistung inklusive Drehzahl und Gemisch genau einstellen und so einen realistischen Betrieb simulieren. Die Hebel liegen gut in der Hand, leider liegen aber keine Ersatzgriffstücke bei. Durch ihre unterschiedliche Größe ist es nämlich schwierig, auf mehreren Motoren genau dasselbe Powersetting einzustellen. Der Widerstand beim Verschieben ist genau richtig und vermittelt einen realistischen Eindruck.
Das Steuerhorn hat zwei Achsen und einen 8-Wege-Schalter für die Sichtumschaltung sowie weitere Knöpfe für die Bremse, die Bedienung der Stoppuhr und drei Kippschalter für unterschiedliche Trimm-Funktionen. Natürlich sind all diese Schalter beliebig zuweisbar. Zusätzlich gibt es noch einen Modus-Umschalter, mit dem man die drei Betriebsmodi durchschalten kann. In jedem Modus kann man für die Tasten andere Funktionen zuordnen.

Die eingebaute Uhr mit Stopp-Funktion ist eine Besonderheit dieses Produkts. Endlich hat man einen direkten Zugriff auf das vielleicht wichtigste Instrument eines Instrumentenfliegers. Über eine Taste kann man zwischen der Uhr (die immer die aktuelle Systemzeit anzeigt) und der Stoppuhr hin und her schalten. Das Display ist hintergrundbeleuchtet und so auch im nächtlichen Cockpit hervorragend ablesbar. Leider muss man die Hand aber vom Steuer nehmen, um die Uhr bedienen zu können. Ein weiterer Knopf direkt oben am Steuerhorn wäre wünschenswert gewesen. Dennoch eine tolle Funktion!
Wie fühlt sich das Fliegen mit diesem Steuerhorn an? Mit konventionellen Joysticks fällt es oft schwer, präzise zu fliegen. Der Grund ist der kurze Steuerweg. Genau hier ist das Saitek-Steuerhorn anders. Durch seine Größe sind die Steuerwege lang und auch minimale Korrekturbewegungen lassen sich ausführen. Besonders wirkungsvoll ist dies bei der Höhenruderachse, die nun endlich präzises Ausleveln und Fliegen bestimmter Steigraten zulässt. Leider kann die Höhenruderachse trotz Silikonschmierung hin und wieder einmal etwas "hakeln", besonders wenn man versucht, sehr geringe Ausschlagänderungen durchzuführen. Wer damit Probleme hat, kann die Achse mit etwas Silikonpaste schmieren. Die Dämpfung ist progressiv, die Steuekraft wird also immer größer, je größer der gewünschte Ausschlag ist. Das fühlt sich sehr realistisch an.
Die deutlichen Steuerkräfte lassen den virtuellen Piloten ein viel besseres Gefühl für das Flugzeug entwickeln und schon nach wenigen Stunden möchte man nie wieder ohne dieses Steuerhorn fliegen. Es ist einfach cool, einen grossen Schubhebel und ein Steuerhorn in der Hand zu halten. Übrigens macht das Fliegen mit Links kaum Schwierigkeiten, auch hier stellt sich nach wenigen Stunden ein Trainingseffekt ein.
Viele Flugsimulanten besitzen momentan das CH Steuerhorn und überlegen sich vielleicht, auf das Saitekprodukt umzusteigen. Es kostet (in Deutschland) weniger und verspricht mehr. Diese Versprechen werden gehalten. Schon die Materialverarbeitung ist bei Saitek hochwertiger. So ist der Schaft des Yokes aus Metall und hat deutlich bessere Gleiteigenschaften als der des CH-Produktes. Der Achsausschlag, besonders der des Querruders, ist nicht so groß wie bei CH, dafür wird er aber präziser gemessen.
Der wohl größte Unterschied ist die Schubhebeleinheit. Sind die 3 Hebel bei CH noch klein und oben auf dem Yoke angebracht, verfügt das Saitekprodukt über eine separate Einheit mit drei grossen Hebeln sowie weiteren Knöpfen.
Auch die Befestigung ist unterschiedlich. So war das CH-Yoke nicht richtig fest und rutschte bei turbulentem Fliegen auf dem Tisch hin und her, nicht so das Saitekyoke, es sitzt absolut fest.
Ein Nachteil des neuen Yokes ist allerdings, dass das USB-Kabel bei Verwendung eines Desktop-PCs zu kurz ist. Man muss also ein Verlängerungskabel verwenden oder das Yoke an einen USB-Hub anschliessen.
Insgesamt ist das Saitekprodukt also preiswerter und besser.

Zusammenfassend stellt sich nun die Frage, ob sich der Umstieg von einem Joystick auf dieses Steuerhorn lohnt. Bei der Beantwortung dieser Frage spielt es eine Rolle, welche Vorlieben man im Flugsimulator hat. Wer jeden Tag mit vielen unterschiedlichen Luftfahrzeugen (Airliner, Kampfjets, Allgemeine Luftfahrt, Helikopter) unterwegs ist, sollte bei seinem Joystick bleiben. Er ist vielseitiger und damit universell einsetzbar. Die Schubhebeleinheit stellt aber eine gute Ergänzung zum bereits vorhandenen Joystick dar.
Wer aber mit Cessnas, Businessjets und Airlinern unterwegs ist und dabei noch gerne präzise fliegt und ein möglichst realistisches Fluggefühl anstrebt, sollte den Kauf des Saitek Steuerhorns in Erwägung ziehen.
Es ist gut verarbeitet und vermittelt ein gutes Gefühl für das Flugzeug. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt sich damit viel präziser steuern. Saitek hat ein hervorragendes Produkt geschaffen, das erstaunlich preiswert ist.
An dieser Stelle sei aber noch ein Wort der Warnung angebracht. Die erste Charge, die teilweise noch immer in den Lagern der Händler liegt, ist teilweise mit den weiter oben beschriebenen Fehlern behaftet, die das Flugvergnügen beträchtlich einschränken können. Noch vor Weihnachten soll eine neue Charge ohne diese Fehler verfügbar sein. Man sollte sich also unbedingt bei seinem Händler informieren, wie lange das Produkt bereits im Lager liegt. Wer versehentlich ein fehlerhaftes Yoke erworben hat, bekommt direkt bei Saitek kostenlos Ersatz.
Jorin Bonney für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 07.12.2007 | Counter: 9324 Besucher
| Guter Review. Bin am überlegen ob icg ihn mir Kaufe |