Review: Mike Poschs Pyro

Die Fliegerei; sie würde heute vielleicht noch gar nicht existieren oder hätte sich in den letzten 100 Jahren niemals so rasant entwickelt, wenn dahinter nicht die Träume von uns Menschen gestanden hätten.
Und auch wenn heute immer noch dutzende Visionen geträumt werden: Sie dienen doch ehrlich gesagt nicht mehr in erster Linie einem Traum, sondern sind viel mehr ein Mittel, um in unserer hektischen und profitorientierten Wirtschaft mitzuhalten. Gerade in der Airlinerbranche herrscht ein hart umkämpfter Markt, der kaum mehr zu „Cockpitträumereien“ oder Pioniersgefühlen über den Wolken animiert.
Der Flight Simulator (zugegebenermassen einer Simulation natürlich auch nicht übel zu nehmen…) orientiert sich praktisch ausnahmslos an diesem real vorherrschenden Business. Ich will aber damit aber auch nicht alles schlecht reden, gerade die VFR-Fliegerei hat wohl fast immer noch den selben Charme wie zu Beginn der Motorfliegerei.
Wir bewegen uns bekanntlich beim Simulator in einer virtuellen Welt. In einer Welt, die wir bestimmen können! Es besteht also ein unheimlich grosses Potenzial, das nicht ausgeschöpft wird. Seien es nun mögliche Entwicklungen für zukünftige Luftgeräte oder einfach nur Fabelkonstruktionen zum Spass.
So oder so ähnlich will der Produkteinleitungstext des „Pyro“ aus dem Hause Pixel Cowboys (EUR 17.99 bei simmarket.com) im real orientierten Simmer wieder den Drang nach mehr Fantasie und Kinderträumen für den Flugsimulator wecken.
Mutig wie ich bin ( ;-) ), lasse ich mich also für Euch Leser/innen und flugsimulation.com auf einen Testflug mit diesem Fabelheli ein, der ausschliesslich für den FSX fliegt. Die Wetterbedingungen sind gut, meine Laune eigentlich auch und so trete ich gespannt aufs Flugplatzvorfeld, wo auf mich bzw. uns dieses skurrile Fluggerät wartet.
Modell, Animationen & Texturen
Zuallererst unterziehen wir den Pyro einem Outsidecheck. Die Formgebung ist sehr ergonomisch. Dank der Nase und der Heckflosse gleicht der Pyro mit etwas Fantasie sogar einem Schwertfisch. Bei der Heckflosse sind zudem Rückschlüsse auf bestehende Modelle der Wirklichkeit zu machen. So kommt einem doch der Hersteller Eurocopter in den Sinn, der das Fenstron-Heck patentiert hat.
Das Modell ist sehr sauber gestaltet, weist aber bis auf drei Luftdruckfühler und eine Antenne auch keine besonderen Details auf. Dafür wurde das Einziehfahrwerk detailliert umgesetzt und makellos animiert. Ebenfalls kann man die Haupt-, Notfall- und Gepäcktür einzeln bedienen.
Der sehr schön gestaltete Pilot ist bis auf seine Steuergliedmassen leider nicht animiert. Die Rotoranimation umfasst Nick- und Rollbewegungen.
Sollte uns während des Fluges eine Schlechtwetterfront begegnen, sind wir mit einem bedienbaren Frontscheibenwischer bestens gerüstet! Er ist aber mehr als Spielerei zu verstehen, als dass er Einfluss auf die Sichtverhältnisse hätte.

Die Aussentexturen ergänzen das Modell um Nieten und Lüftungsschlitze, was gut wirkt. Die Texturen nutzen indes auch alle Effektmöglichkeiten des FSX und so zeigt sich der Rumpf hochglänzend wie frisch gewaschen, ja fast etwas zu „nass“.

Soweit sieht es also aussen nach einem vertrauenswürdigen Prototypen aus, wagen wir uns also ins…
Cockpit
Das Cockpit ist schlank gehalten mit einer sehr guten Übersicht auf die Instrumente und nach aussen. Die Modellierung wie auch die Texturierung überzeugen mich sehr. Das Modell wirkt real, obschon keine Fotoaufnahmen eines Originals verwendet werden konnten. Die Knöpfe sind bis auf die Sicherungsschalter der Elektronik animiert und funktionstüchtig. Die Sicherungen scheinen also reine Dekoration zu sein. Die Rotorbremse funktionierte leider im Test auch nicht so ganz wie sie sollte.
Die Instrumente sind allerdings grösstenteils vom Standard Robinson R22 und Bell Jet Ranger übernommen worden, bis auf kleinere Anpassungen der Beleuchtung. Dies ist aber auch nicht unbedingt zu verurteilen, da man an dieser Stelle ja das Rad nicht oder nur kaum neu erfinden kann.

Mick Posch hat traditionsbewusst auch noch ein 2D-Panel beigefügt. Dieses vermag zu gefallen, auch wenn leider die Anzeige des Fahrwerkshebels falsch ist (permanent „gear down“). Die Anzeigen sind zwar sehr scharf, aber teils fast etwas zu klein geraten.

Obschon der Pyro keinerlei Vorgaben in Punkto Systemtiefgang im Cockpit hat, wurde auf ausführliche Procedures wert gelegt, die aber technisch auch nachvollziehbar sind. Das Hantieren mit der beigelegten Checkliste ist also gewissermassen verbindlich.
Praktischerweise gibt es aber alternativ für den Abschaltvorgang einen „Master Shutdown“ Knopf, der den Heli schnell und korrekt still legt (siehe Panelbild rechts unten).
Die Gemischverstellung im Cockpit lässt indes vermuten, dass es sich beim Pyro über einen einmotorigen Kolbenheli handelt. Der Sound kann diese Annahme leider weder bestätigen noch widerlegen, wie später noch zu lesen ist.
Flugeigenschaften
Der Heli ist nun aufgestartet und für ein erstes Mal abflugbereit! Gespannt hebe ich ihn in die Schwebe, ein paar Meter über dem Boden. Der Heli gibt schnell zu verstehen, dass er eine sehr agile Art hat, die man mit einer bereits etwas geübten Reaktion behutsam bändigen muss. Wer den Heli etwas lockerer möchte, dem sei empfohlen, die Realismuseinstellungen entgegen den Vorgaben des Entwicklers nicht auf 100% zu belassen. Die Herausforderung macht mir aber durchaus Spass, und durch diesen stetigen Balanceakt ist eine gewisse Parallele zum echten Helikopterfliegen vorhanden.
Mit einem vorsichtigen Steilstart fliege ich vom Startplatz weg und merke immer mehr die kreative Ader des Designers. 100 kts … 180 kts … 240 kts … 280 kts. Mit dem Pyro ist es tatsächlich möglich, relativ bequem eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Knoten zu erreichen. Jegliche, bisher geglaubte Grenzen der Flugeigenschaften eines Helikopters werden hier also durchbrochen.
Nach einer wilden Raserei durch enge Täler werde ich immer übermütiger, stelle aber zugleich fest, dass allzu feste oder unharmonische Steuerbewegungen den Heli sofort aufbäumen lassen und ihn entweder zum Stillstand oder sogar zum Überschlag bringen. Der Heli hat nämlich eine Steigleistung von unglaublichen 15'000 ft/min, ein relativ direkte Hauptrotorsteuerung, und auch der Fenstron-Heckrotor hat eine ordentliche Kraft.
Auf sicherer Höhe wage ich dann meine ersten eiförmigen Loopings, die mit dem Pyro praktisch mühelos möglich sind. Bereits etwas anspruchsvoller werden Fassrollen, wo vor allem eine hohe Geschwindigkeit und Übung im Bewegungsablauf zählen. Hammerheadturns, Immelmänner, Pullup back (Rückwärtsflug bei grossen Geschwindigkeiten ohne Probleme) und so weiter lassen sich mit ein wenig Fingerspitzengefühl vollbringen. Im Notfall lässt sich mit dem Pyro auch eine Autorotation mit genügender Leistungsreserve durchführen. Zur Visualisierung der eigenen Akrokünste lässt sich auch noch ein Rauchstreifen einschalten, der auch sehr gut zur Kontrolle der Flugbahn dient.
Die Flugeigenschaften des Pyros sind also da, um voller Fantasie zwischendurch zu deutsch „die Sau raus zu lassen“! Aufgrund der uns bewussten Grenzen bei den Naturgesetzen ist aber klar, dass dies wohl heute und morgen eine reine Fiktion der virtuellen FS-Welt bleiben wird. Die vorlaufende Blattspitze würde bei 300 Knoten Fahrt zusammen mit der Geschwindigkeit der Rotordrehung die Schallmauer klar durchbrechen, während das rücklaufende Rotorblatt durch den Fahrtwind Anströmung von hinten bekäme, was zum totalen Auftriebsverlust führen würde. Der Heli könnte also nicht mehr horizontal gehalten werden. Die Steigleistungen und auch die Leistung des real eher schwachen Fenstron-Heckrotors ist ebenso masslos übertrieben und würde selbst bei so einem Fliegengewicht nicht funktionieren.
Der Entwickler betont aber bewusst, dass er mit dieser Entwicklung unabhängig der Möglichkeiten in der Realität die Konfiguration auf reine Spassflüge ausgelegt hat.
Sound
Beim Sound wurde es meiner Meinung nach ein wenig zu bunt mit der Fantasie. Von der Motorisierung ist leider weder beim Start, im Flug, noch beim Abschalten ein dominantes Geräusch zu hören. Und wenn man dann mal etwas hört, dann tönt es schon mehr nach einer Kreissäge als nach einem Kolbenmotor. Es ist ja natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass es sich innerhalb der Fantasie von Mick Posch um einen sehr leistungsstarken aber geräuscharmen Motor handelt.
Das Knattergeräusch des Vierblattrotors macht hingegen einer Bell UH-1D „Huey“ Konkurrenz, die mit dem Zweiblattrotor auch als „Teppichklopfer“ bekannt ist. Der Geräuschrhythmus ist also äusserst unglaubwürdig und auch der markant klingende Fenstron-Heckrotor ist nicht hörbar. Allfällige Klickgeräusche von Schaltern und Türen im Cockpit sowie die Geräusche von Batterie oder Treibstoffpumpe fehlen leider ebenfalls.

Performance
Positiv zeigt sich mir der Pyro hingegen wieder bei der Performance. Diese ist im FSX äusserst freundlich gehalten und das Addon belastet das System sicherlich nicht mehr als der Standard Jet Ranger.
Beigemüse
Dem Pyro-Besitzer wird ein englischsprachiges Manual von fünf Seiten ausgeliefert. Dieses erklärt kurz die Hintergründe des Addons, Empfehlungen für das Verhalten gegenüber den fliegerischen Eigenschaften und Tipps zur Einstellung der FSX-Sichtmodi. Die ebenfalls enthaltene vier-seitige Checklist ist eine gute Hilfe im Cockpit.
Für die Bastler unter uns gibt es ein sehr professionelles „Paintkit“, womit man mit entsprechender Grafiksoftware (Adobe Photoshop) praktisch jede Niete individuell bemalen kann.

Debriefing
Mick Posch, der auch beruflich als renommierter Designer arbeitet und bereits Freeware-Helimodelle (z.B. FSX Piasecki H-21C) released hat, ist ein ansprechendes Modell mit ebenso gelungenem Interieur geglückt. Lediglich im Cockpit sind ein paar kleine Mängel passiert. Vor allem ist es aber der Sound, der unpassend geraten ist.
Die sonderbaren Flugeigenschaften sind hingegen wieder ein Argument für den Heli.
Jemand der bisher die Möglichkeit vermisst hat, mit einem Heli im FS ähnlich rasante Kapriolen wie mit einer MBB BO 105 zu machen, wird sogar über längere Zeit seinen Spass haben.
Ich muss zugeben, die Simulation von bestehenden Fluggeräten nach wie vor zu bevorzugen. Dies ist doch wohl bei den meisten von uns auch der Hintergrund, vor dem sie den FS als Hobby betreiben.
Ich habe die Motivation, diesen Heli wieder einmal aus dem Hangar zu holen aber insbesondere darin, dass mir das Baukonzept dieses Kleinhelis ganz gut gefällt, er herausfordernd bei der Steuerung ist und gerade bei Erkundungstouren neuer Szenerien die optimale Grösse hat. Es sind also weniger die Akroeigenschaften, die mich zukünftig zwischendurch locken werden, obwohl sicher mal der eine oder andere Looping sein muss!
Der Heli ist nur bedingt für Simmer zu empfehlen, die bisher keine Erfahrung mit Helis sammeln konnten, da das Verhalten auch beim Normalflug, wie oben geschildert, sehr überspitzt ist.
Realismusfanatiker werden mit dem Heli wohl kaum auf lange Zeit glücklich, sofern sie in ihm keinen Ausgleich suchen.
Wer sich aber vom Addon ein wenig angesprochen und plötzlich seinen Pioniergeist wieder auflodern fühlt, dem ist sicher die kostenlose Demoversion zu empfehlen. Diese beinhaltet das Modell, wenn auch nur mit den Standard-Flugeigenschaften des Jet Rangers. Wer dann Lust auf mehr hat, besucht simmarket.com!

Bewertung
| Facts & Figures | Mike Poschs Pyro | |
| Hersteller: | ![]() |
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| Preis: | 17,99 | |
| Veröffentlichungsdatum: | 06.04.2008 | |
| Systemanforderungen gemäss Hersteller: | - | |
| Link zur Produktseite: | Mike Poschs Pyro | |
| FS-Version(en): | FSX | |
| Pro | Contra | |
| Modell & Texturen Virtuelles Cockpit Nicht alltägliche Flugeigenschaften (akrotauglich) |
-Sound -Bugs im 2D-Panel |
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| Kriterium | Kommentar | Bewertung |
| Kauf, Installation und Einbindung | Vergleichsweise angemessener Preis, problemlose/automatische Installation und Einbindung |
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| Handbuch/Beilagen | Kurzes Manual mit Beschrieb zum Flugverhalten. Checkliste zum Ausdruck und für's Kniebrett | ![]() |
| Außenmodell, Texturen und Animationen | Makellos gestaltetes Aussenmodell mit detaillierten Texturen und einigen Animationen |
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| 2D-Panel | Sehr gute Übersicht. Fehlende Unterpanels und kleinere Detailfehler | ![]() |
| Virtuelles Cockpit / Cabin | Sehr echtaussehendes Cockpit mit schönem Ambiente bei Nacht |
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| Flugeigenschaften | Anspruchsvoll: Sehr agil mit fiktiven Kunstflugeigenschaften | ![]() |
| Sound | Unpassendes Rotorgeräusch, Motorsound fast undefinierbar (Kreissäge?!) |
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| Performance | Im Rahmen der üblichen Beanspruchung (wie Microsoft Jet Ranger) | ![]() |
| Spaßbewertung/Langzeitmotivation | Ein gut gebauter Heli für zwischendurch und Langstreckenflüge |
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| Innovativität | Sehr ausgefallene Flugeigenschaften und ein kreatives Modell | ![]() |
| Gesamtbewertung | ![]() |
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| Auszeichnungen | ||
| keine | ||
Adrian Durrer für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 20.12.2008 | Counter: 3264 Besucher
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