Review: Saitek Pro Flight Headset

Steuerhorn, Pedale, Schubhebel, vielleicht noch ein Switch Panel, ach, was gibt es nicht alles für wunderbare Hardware, die unser Portemonnaie federleicht werden lassen, unserem Schreibtischcockpit ein wenig mehr Realismus verleihen und unseren lieben nahestehenden Flugsimulatorbanausen (Partner, Oma, Mitbewohner) ein ordentliches Kopfschütteln entlocken. Wer all diese tollen Errungenschaften der FS-Hardwareschmieden schon sein Eigen nennen darf, der spielt vielleicht schon mit dem Gedanken ein ausgemustertes 737 Cockpit vom nächsten Flugzeugfriedhof in den heimischen Hobbyraum zu befördern, um den vom Kaninchenkäfig blockierten Platz endlich sinnvoll nutzen zu können. Aber mal langsam, noch gibt es Raum zur Verbesserung auf dem Gebiet der kleineren, handlicheren Hardware. Und wenn man nicht alleine wohnt und keine 100 Quadratmeter mit verrosteten Rumpffragmenten beschlagnahmen kann, dann sollte man kleinere Brötchen backen und vielleicht mal einen Gedanken daran verschwenden, ob es nicht mal wieder Zeit ist für ein Headset, das die Ruhestörung bei nächtlichen Stallwarnungen auf ein Minimum reduziert.
Also schauen wir uns heute mal das Saitek Pro Flight Headset an und versuchen herauszufinden, ob es seinem professionellen Namen gerecht wird.
Kaufen, aber wo?
Zum Beispiel bei Amazon. Zum Preis von nicht unbedingt wirtschaftskrisetauglichen 85 Euro erhält man das Schmuckstück, das im transparenten Plastikmantel ausgeliefert wird, der sich nur durch rabiates Zerschneiden entfernen lässt. Fünf Minuten habe ich dafür gebraucht, Minuten in denen ich zwei Zentimeter vom Objekt der Begierde entfernt war aber es nicht zu Fassen bekam. Warum in der Welt machen das die Hersteller so? Saitek ist da ja nicht allein auf weiter Flur, beinahe jeder Headsethersteller präsentiert seine Kreationen mit dieser Kindersicherung. Mag sein, dass die bessere Produktpräsentation hierbei den Ausschlag gegeben hat, aber eine simple Schachtel auszupacken wäre schlichtweg einfacher gewesen.
Sobald die Auspackhürde überwunden ist, lässt sich das Headset über die normale 3,5mm Klinkenbuchse mit dem PC verbinden. Das mitgelieferte Kabel hätte jedoch ein wenig länger sein dürfen.
Ein Satz noch zum Support: sollten je technische Probleme mit Produkten aus dem Hause Saitek auftreten, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht nur die Korrespondenz mit dem Hersteller unproblematisch ist, sondern auch das Bereitstellen eines Ersatzgerätes schnell und verlässlich von statten geht. Außerdem steht auf der Homepage von Saitek ein Forum zur Verfügung, das nach der Registrierung eine sehr hilfreiche Wissensdatenbank bietet: http://www.saitekforum.com/index.php

Wie fasst es sich an?
Das Headset ist ein gewaltiges Stück Kopfbedeckung. Was auch immer für Materialien dahinterstecken, sie wirken bombensicher. Auf dem Kopf fühlt es sich an wie die Hälfte eines Soldatenhelmes, es wirkt hochgradig stabil. Wenn mich der lebensfrohe nordostasiatische IVAO-Controller beim nächsten Überlandflug wieder zum Konsumieren von Cocktails animiert, dann wird das Headset meinen Sturz vom Pilotensitz mit Sicherheit überleben. Ich bitte um Verständnis, solche Tests sind nicht planbar und in letzter Zeit leider nicht reproduzierbar gewesen. Aber es tut gut zu wissen, dass man für alle Fälle ein potentes Stück Sicherheitsschutz über den Kopf gespannt hat. Und es schmiegt sich bemerkenswert gut an meinen Schädel an, der elastische Bügel dürfte sich jeder Kopfgröße problemlos anpassen. Einziger Minuspunkt: bei so viel Kopfbedeckung wäre es wünschenswert gewesen, den Schweißdrüsen durch atmungsaktives Material ein wenig Luft zu gönnen. Zuviel verlangt? Mag sein, schließlich ist es jederzeit möglich unter Einsatz von mindestens zwei Händen das Gerät wieder abzunehmen. Mit einer geht das nämlich nicht so gut, denn der etwas zu globig ausgefallene Mikrofonbügel könnte sich bei ungeschickter Handhabung schnell mit dem Gesicht verheddern.

Wie klingt es und wie klinge ich?
Cleared for take off, links und rechts von mir heulen die Pratt and Whitney Triebwerke auf, und es läuft mir kalt den Rücken herunter, ich habe genau aufgepasst. Geschmeidig vermischt sich Lotto King Karls "Fliegen" mit dem bassgefüllten Ton des virtuellen Antriebs. Beides zusammen klingt gut, aber auch nur das eine oder das andere kann sich wunderbar hören lassen. Es macht wirklich Spaß die Klangqualität zu genießen. Der Stereosound ist klar, und auch bei gehörschädigender Lautstärke fängt das gute Stück nicht an zu scheppern.
Und was passiert wenn in den Mikrobügel reingesprochen wird und andere zuhören? Nun, IVAO-Flüge haben bewiesen: unter Verwendung des Saitek Pro Flight Headsets konnte man mich nicht nur verstehen, nein, man attestierte mir, dass man mich sogar richtig gut verstanden hat.

Besonderheiten
In großen Lettern steht es auf der Verpackung geschrieben: passive Rauschunterdrückung! Nun, wie sich herausstellte verbirgt sich dahinter weder ein Zaubertrick noch eine neuartige technische Errungenschaft sondern lediglich ein Paar enge Ohrwärmer. Dadurch, dass die Kopfhörer die Ohren zuverlässig abdichten, können weniger Schallwellen zum Trommelfell wandern. Gut verpackt kommen einem die Hörorgane vor, und der Test beweist: Frau Fischer von den Zeugen Jehovas musste Sturmklingeln bevor ich bemerkte, dass es nicht mein Tinnitus ist, der da zu hören war.
Die zwei weiteren Besonderheiten möchte ich hier natürlich nicht übergehen: zum einen ist das Headset mit einer integrierten Lautstärkeregelung ausgestattet, die sich genau am Design gängiger Pilotenheadsets orientiert. Per Drehknopf an der Seite des linken Ohrhörers kann die Lautstärke einfach justiert werden.
Nun, und zum Anderen gibt es einen großen roten Knopf auf der Rückseite des Mikrobügels, den man immer dann drücken sollte, bevor man über einen Lotsen in einem anderen Land schimpft, der Deutsch versteht. Auch das wurde getestet, Konsequenzen sind für mich keine eingetreten, daher bekommt Saitek von mir in diesem Punkt beinahe die volle Punktzahl! Nur beinahe, weil beim Loslassen des Knopfes ein lautes Knackgeräusch auszumachen ist, das nicht unbedingt hätte sein müssen. Manch echtes Funkgerät mag ähnliche Laute von sich geben, aber ein wenig störend ist dies dennoch.

Fazit
Das Beste und das Wichtigste zuerst: der Klang ist prima! Satte Bässe, klare Höhen, sowohl für den FS als auch für das Lauschen der Musikbibliothek ist das Headset wunderbar zu gebrauchen. Nur können das auch andere Geräte. Manche sogar noch mehr. Für die Hälfte des Anschaffungspreises erhält man ein Headset mit eigenem Soundchip. Nur kommt dieses dann vielleicht nicht im chicen Pilotendesign daher. Hier punktet Saitek nämlich am meisten. Alles andere ist Technik, die es auch für weniger Geld gibt. Ohrwärmer inklusive. Summa summarum lässt sich sagen, dass das Saitek Headset etwas für Puristen ist, die es nicht ausstehen können ihre ordinäre World of Warcraft Gamer-Kopfhörer mit in den Flugsimulator zu nehmen. Falschmachen kann man mit dem Headset nichts, aber man muss es sich erst einmal verdienen.
Manuel Heinz für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 11.08.2009 | Counter: 2508 Besucher
| Hallo CasaLuna, zum miteinander Kommunizieren würde ich Skype empfehlen. Das ist einfach einzurichten, und die Sprachqualität ist sehr gut. Der rote Knopf leuchtet nicht, er ist nur "rot" :) Gruß Manuel |
| Sorry, noch eine Frage. Leuchtet der rote Knopf an dem Mikro oder ist er "einfach" nur rot. Auf Bildern sieht er teilweise leuchtend aus. |
| Hallo Herr Heinz, mir scheint, das ich endlich eine Person gefunden habe, die sich mit dem oben beschriebenen Kopfhörer auskennt. Wenn man den FSX im Multiplayer-Modus spielt, kann man sich dann mit anderen Mitspielern unterhalten? Wir sind scheinbar zu blöd dafür. Können Sie uns bitte einen Tipp geben? Vielen Dank!! |
| durch die Gummi-Ohrmuscheln, schwitzt man wie ein Tier und das nicht nur im Sommer. Auch das "Abdichten" ist beim gemeinsamen Fliegen etwas hinderlich, da man sich nicht versteht. |
| Klasse Review, wie aus dem Leben. Habe mir dieses Headset gleich zugelegt, klasse Design und tolle Verarbeitung, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann. Gruß Serpico |
| Also ich bleibe wieder bei meinen Sennheiser HD 25-1 II :D Aber als DJ sind meine Ansprüche da auch anders^^ |