Review: pilotseye.tv DVD Frankfurt-Seattle
Früher war alles besser! Früher war alles noch einfacher und schöner!
Die heutige junge Generation kennt dieses Lied wohl zu genüge und tut sich teilweise schwer sich mit ihrem „Schicksal“ abzufinden. Denn etwas war früher wirklich besser:
Konnte man doch als Otto- Normalbürger auf einem Linienflug einen Besuch im Cockpit abstatten und so interessante Einblicke in die Welt der Piloten erhaschen. Heute ist dies nicht oder sehr erschwert möglicht und erfordert einen gefühlten Stapel an Formularen und Behördenkram bis es endlich nach vorne auf Sitz 0.5B geht.
Dieses Problem lässt sich nun seit einiger Zeit bequem durch die nun schon sechs pilotseye.tv Produktionen umgehen. Mit ihren abwechslungsreichen, interessanten und qualitativ hochstehenden Cockpitfilmen bringen sie das Cockpit zu uns nach Hause. Gerade richtig für die heutige Zeit.
Anno 2004 hatte TV-Produzent Thomas Aigner (45) (Interview: http://www.flugsimulation.com/reviews/includer.php?site=pilotseye) die Idee, die Faszination vom Fliegen aus der Sicht der Piloten als Film aufzulegen. Mit seiner Idee konnte er den Chefpiloten der deutschen Lufthansa begeistern, der ihn jedoch gleichzeitig vom langen und mühsamen Weg zur Genehmigung warnte. Schliesslich war die Idee sechs Kameras im Cockpit zu installieren, und die dazugehörige Technik benötigt ebenso ihren Platz. So stiess das Produktionsteam rasch auf erste Hürden: Im Flugzeug gibt es zwar 110 Volt, aber mit völlig unüblichen 400 Hertz. Bekanntlich gibt es für jedes Problem eine Lösung, und so liess Aigner kurzerhand einen Spezialtrafo bauen, der den Strom für die sechs High Definition-Kameras nutzbar macht. Es folgten unzählige Sitzungen mit den Fluggesellschaften und der Technik bis sämtliche Änderungen akzeptabel und passend waren. Die Genehmigung war da und so konnte die erste Produktion „München – San Francisco“ gemacht werden.
Nun rund fünf Jahre später können die veröffentlichten Produktionen schon nicht mehr an einer Hand abgezählt werden, und so landete gerade richtig zum Beginn der Herbstzeit das neuste Werk im Briefkasten der Redaktion. Auf diesem Flug erleben wir eine Lufthansa-Besatzung auf dem Weg von Frankfurt ins US-amerikanische Seattle und in die Produktionshallen von Boeing (Review zur Flugsimulatorszenerie von FlyTampa: http://www.flusiforum.de/reviews/includer.php?site=seattle).
Die Flugroute führt den Airbus A330 an Amsterdam vorbei zur Nordsee und weiter Richtung Shetlandinseln. Auf der weiteren Reise begleiten uns die bezaubernden Eislandschaften Grönlands und Kanadas, bis hin zum glitzernden Schnee der Rocky Mountains. Der Anflug auf Seattle ist auf Grund der geschlossenen Wolkendecke besonders schön, ragt doch nur der erloschene Vulkan Mount Rainier majestätisch aus den Wolken.
Die dreiköpfige Besatzung um den stellvertretenden Lufthansa-Testpiloten Frank Lunemann besucht in der Mitte des Silberlings die Produktionsstätte von Boeing und werden dort durch den leitenden Cheftestpiloten durch die heiligen Hallen geführt. Anschliessend geht es ins „Museum of Flight“, wo die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft. Einer Zeitreise gleich sind hier die wichtigsten Akteure von aviatischer Bedeutung zusammengeführt worden.
Auf dem Rückflug nach Deutschland können weitere Einblicke in den Beruf des Piloten und der Fliegerei erhascht werden.
Die Kameras sind mit Spezialsaugknöpfen oder besonderem Kleber befestigt, ein dreiköpfiges Team fliegt mit und bringt nach dem Flug 1,5 Terrabytes Videodaten mit nach Hause. In rund 30 Tagen Bildschnitt, sieben Tagen Vertonung und weiteren zehn Tagen Authoring, also das Programmieren der Daten für die DVD und Menüs, entsteht dann, was die Redaktion heute in den Händen hält. Für jeweils €29,90 können die DVD- oder die Blue-Ray-Version anschliessend im Fachhandel oder den gängigen Internetshops erworben werden.
Wie gewohnt ist die Bild- und Audioqualität hoch und liefert nicht nur brilliante Einblicke, sondern auch klaren Ton aus dem Cockpit. So kann man den Piloten beim Abarbeiten von Checklisten, dem Funken oder einem Smalltalk unter Kollegen zuhören. Das Ganze ist wie immer mit englischen Untertiteln unterlegt. In den gut 90 Minuten liefert uns die neuste Produktion von pilotseye.tv eine weitere Steigerung gegenüber ihren bereits starken Vorgänger. Besonders die Flügelkameras vermochten zu begeistern, und die eingeblendeten Karten liefern weitere Informationen für den Zuschauer.
Das nicht immer alles Gold ist was glänzt leuchtet ein, so auch hier: Weiterhin werden bei Aussenaufnahmen nicht nur die korrekte Maschine (Registrierung) gezeigt, sondern zum Teil schlicht und einfach der falsche Flugzeugtyp. Denn wenn anstatt eines A330 ein A321 beim Start gezeigt wird, so führt dies schon zum leichten Schmunzeln oder Kopfschütteln bei fachkundigem Publikum. Jedoch ist dies auch schon fast die einzige Kritik, die geübt werden kann. Einen kleinen Wunsch hätten wir aber noch: Es wäre schön, wenn man in künftigen Produktionen die Ereignisse in der Peripherie noch etwas mehr aufgreifen könnte und so etwa einen Einblick in die Verpflegungsproduktion, Flugplanung, Briefings oder in den Walk-around haben könnte. Vielleicht sogar in ein ACC (Area Control Center)?
Mit „Frankfurt - Seattle“ erhält man die sechste Ausgabe von pilotseye.tv, die nicht mehr nur pures Fliegen zeigt, sondern auch neue Ideen aufgreift. Wie immer von bester Qualität und in guter Länge. Man kann beruhigt zugreifen!






Sales Wick für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 20.10.2009 | Counter: 2655 Besucher
| Cool, der Kapitän ist zufällig Pate von meinem Kurs. Er hat zar einige Aufgaben im Konzern,aber dass er Testpilot ist war mir neu. lg |