Review: New Orleans Louis Armstrong Int’l. Airport

Einleitung
Blues auf der Bourbon Street, Football im Superdome, Mardi Gras im French Quarter. Eine bunte Mischung aus heiteren Ereignissen kommt einem in den Sinn, wenn man an die Stadt am Mississippi Delta denkt. Doch was steckt hinter der Fassade dieser Stadt im Bundesstaat Louisiana? Mit ihren 470 000 Einwohnern zählt sie zwar eher zu den amerikanischen Kleinstädten, aber nicht zuletzt die verkehrsgünstige Lage am Golf von Mexiko hat dazu geführt, dass New Orleans bedeutend für Handel und Industrie geworden ist.
Einst spielte der Export von Baumwolle und Zucker eine große Rolle, deren Ernte in den dunklen Jahren der Stadtgeschichte Mitte des 19. Jahrhunderts von Sklaven durchgeführt wurde. Die legendären Schaufelraddampfer, die einst die Waren von den Plantagen in den Hafen von New Orleans transportierten, laden heutzutage Touristen zu Fahrten auf dem Mississippi ein. Die Wirtschaft New Orleans hängt mittlerweile in hohem Maße von den großen Erdölvorkommen ab, die dafür sorgen, dass die petrochemische Industrie stetig wächst.
Seit der Gründung New Orleans im Jahre 1718 sind knapp drei Jahrhunderte vergangen, in denen sich auf Grund des Sklavenhandels mit Afrika sowie durch Einwanderer aus Frankreich (Cajuns) und Spanien (Kreolen) eine multikulturelle Gesellschaft entwickelt hat. Diesen „culture mix“ einmal mitzuerleben, lohnt sich in jedem Fall, und eine Reise nach New Orleans fängt meist auf dem Louis Armstrong International Airport an, der vor allem unmittelbar nach der Hurricane Katastrophe vergangenen Jahres für Hilfsflüge eine große Rolle spielte. Was der Flughafen zu bieten hat und wie er von Imagine Simulation für den Flugsimulator umgesetzt wurde, werden wir uns nun genauer ansehen.

Kauf und Installation
Gleich zu Beginn möchte ich darauf hinweisen, dass die Szenerie nicht nur mit dem FS2004, sondern auch mit dem FS2002 kompatibel ist!
Erwerben kann man die Bits und Bytes zum Beispiel direkt beim Herausgeber, also auf der Homepage von Imagine Sim. Mit 21 Dollar oder knapp 18 Euro fällt sie preislich gesehen ins Mittelfeld von Payware-Szenerien. Die Internetseite des Entwicklers ist übersichtlich gestaltet und lädt zum Herunterladen von Demovideos ein, die das Kaufinteresse steigern sollen. Hat man sich zum Kauf durchgerungen, lädt man die 24 MB große Installationsdatei herunter, führt das Programm aus und gibt dann die Zahlungsinformationen ein. Die Installation verläuft völlig unproblematisch, und das Anmelden der Szenerie erfolgt automatisch. Über das Flughafenauswahlmenü im Flugsimulator findet man die Szenerie einfach durch die Eingabe der ICAO – Kennung KMSY.



Handbuch
Ist der Flughafen einmal installiert, kann man sich das PDF-Handbuch zu Gemüte führen.
Die 14 Seiten englischer Text enthalten geschichtliche Informationen über den Flughafen, Anweisungen zur besten PC – und Flugsimulator – Konfiguration sowie Erklärungen zur Verwendung der animierten Fluggastbrücken. Charts, die dem fremden Piloten den Anflug erleichtern könnten sucht man allerdings vergebens, leider ist nur das Flughafen-Layout im Handbuch abgedruckt.
Erste Eindrücke
Schauen wir uns den Flughafen mal aus nächster Nähe an. Zuerst sei angemerkt, dass die Flugsimulator – Standardszenerie vom Louis Armstrong Airport absolut mager ausfällt. So mager, dass es sich nicht lohnt es hier zu zeigen. Bis auf Standardgebäude „ohne alles“ ist dort nichts zu finden. Dies im Hinterkopf, werfen wir einen ersten Blick auf das Flughafenareal. Es fällt gleich auf, hier wurde ganze Arbeit geleistet. Man weiß auf Grund der Detailfülle, die sofort ins Auge sticht, gar nicht, wo man die Besichtigung anfangen soll. Die Terminalgebäude legen eine deutlich anziehende Ausstrahlung an den Tag, sie wurden fehlerfrei umgesetzt. Weder Form – noch Texturfehler kann ich entdecken.



Alle Gates sind mit Fluggastbrücken und Beschriftungen ausgestattet. Schon aus der Ferne erkennt man, dass an Vorfeldfahrzeugen und – geräten nicht gegeizt wurde. Prima gelöst wurde zudem die Anordnung der Objekte. Sie stehen nicht in Reih und Glied auf dem Vorfeld, sondern wurden ungeordnet und unaufgeräumt verteilt; man könnte es geordnetes Chaos nennen, so wie man es in Wirklichkeit auf Flughäfen vorfindet. Öl – und Schmutzspuren auf den Parkpositionen tragen zur realistischen Darstellung bei.


Im Hintergrund grenzen die Parkhäuser an die Terminalgebäude. Die Texturen sind schlicht gehalten, und die Gebäude verfügen bis auf Lichtmasten kaum Details. Etwas unschön sind die Autotexturen auf den Dächern, doch es trägt natürlich der Framerate bei, nicht jedes einzelne parkende Auto als Modell darzustellen.
Der Kontrollturm sticht lediglich wegen seiner Größe ins Auge, er wirkt etwas karg. Dass dies allerdings der Realität entspricht und somit vollkommen in Ordnung ist kann man den wenigen im Internet verfügbaren Fotos entnehmen.


Ein Blick links oder rechts an den Flughafengebäuden vorbei zeigt, dass Designer Cal Levin auch an Zufahrtsstraßen samt zugehöriger Beschilderung gedacht hat. Nur sollte man sich nicht auf die Wegbeschreibung verlassen, sie gibt so einige Rätsel auf. Aber wer ist schon mit dem Auto im Flugsimulator unterwegs? Sollte man dieses Abenteuer dennoch wagen, so wird man feststellen, dass der gesamte Flughafen lückenlos eingezäunt ist und alle Fahrzeuge Schranken passieren müssen, um auf das Flughafengelände zu gelangen. Checkpoints, die mit Sicherheitspersonal und Überwachungskameras ausgestattet sind, findet man beim Fracht – und General Aviation Terminal.



Werfen wir nun einen Blick auf die Rollwege und Landebahnen. Die farbliche Übereinstimmung mit dem Original erfreut, ganz besonders beeindruckend ist die Anflug – und Begrenzungsbefeuerung. Die Rollwegmarkierungen sind allerdings ein bisschen zu eckig geraten, jedoch sind sie stets sauber verlegt worden, sie überschneiden sich nicht und fehlen an keiner Stelle. Zuerst war ich verwundert, dass die Rollwegmarkierungen, die zum Line-Up führen, nicht in der Mitte der Landebahn enden, sondern links neben der Mittellinie. Nach einigen Nachforschungen habe ich herausgefunden, dass dies in vollem Maße der Realität entspricht, schließlich sollen sie sich nicht mit der Mittellinienmarkierung auf der Runway überschneiden.


Texturen
Zur grafischen Gestaltung von KMSY lässt sich sagen, dass die Qualität der Texturen durchaus hoch ausfällt. Fototexturen suchen wir beim Untergrund oder den meisten Gebäuden jedoch vergebens. Es sei darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, im Anzeige - Einstellungsmenü des Flusis den Regler für die maximale Strukturgröße auf „sehr groß“ zu stellen. Andernfalls verwischen die Texturen vor allem auf den statischen Flugzeugen. Ist die Einstellung richtig gesetzt, kann man Beschriftungen in all ihrer Schärfe lesen und Gullis auf dem Betonboden erkennen.



Animationen und AFCAD
Schön, dass Imagine Sim ein korrekt funktionierendes Docking Guidance System integriert hat, welches die am Gate ankommenden Flugzeuge durch eine elektronische Anzeigetafel auf die richtige Position einweist. Es funktioniert tadellos und sieht gut aus.

Ist man am Gate angekommen und hat die Parkbremse gesetzt, kann man auf dem NAV2 Funkgerät die Frequenz 111.00 rasten, um die Fluggastbrücken automatisch an das Flugzeug heranfahren zu lassen. Ob das klappt ist bei solchen Funktionen immer spannend. Bei meinem Versuch zeigt sich, dass sich die Brücken dem Rumpf flüssig nähern und sauber direkt an der Flugzeugtür andocken. Allerdings erkennen die Fluggastbrücken die Größe des Flugzeugtyps am Gate nicht automatisch, und um ein falsches Andocken des Brücken zu vermeiden, kann man dem Handbuch die Information entnehmen, welches Gate für welchen Flieger geeignet ist.


So weit so gut, schade ist jedoch, dass ich jetzt über keine weiteren Animationen berichten kann. Dynamische Szenerie im Sinne von herumdüsenden Vorfeldfahrzeugen sucht man vergebens, allerdings kommt dies der Framerate zu Gute.
Die AFCAD – Datei, die dem künstlichen Verkehr die Wege über das Flughafengelände zeigt, funktioniert größtenteils fehlerfrei, nur an wenigen Stellen halten sich die Flieger nicht ganz an die Taxiwaymarkierungen.

Midnight in New Orleans
Nach einer mehrstündigen Besichtigungspause im Flughafencafé ist mittlerweile die Nacht über KMSY hereingebrochen und was mir nun zu Augen kommt lässt mich staunen. Die Umsetzung der Terminalgebäude und des Vorfeldes bei Dunkelheit ist äußerst gut gelungen, wirkt sehr realistisch und sorgt für ein chilliges Sommerabendambiente. Sorry, aber diese Ausdrucksweise wanderte mir beim Anblick der Bilder irgendwie in den Sinn. Die Scheinwerfer tauchen das Vorfeld in ein gleichmäßiges, gelbliches Licht, das es auch dem nachtblindesten Piloten ermöglichen sollte, sich zurecht zu finden. An Nachttexturen auf den Gebäuden wurde nicht gespart, Runway – und Taxiwaybeleuchtung wurden verbessert. Den richtigen Weg über die Landebahnen und Rollwege findet man dadurch auch bei schlechten Lichtverhältnissen.




Performance
Da der Louis Armstrong Airport nicht übermäßig groß ist, sackte die Framerate bei meiner Erkundungstour nie so sehr ab, dass ein Überflug zur Diashow verkommen wäre. Bei schönem Wetter sind die Frameraten bei einem Anflug mit der Microsoft 737 kaum schlechter als die Standardumsetzung. Wütet jedoch ein Gewitter über dem Airport und hat man den AI-Verkehr eingeschaltet, wird die Performance erwartungsgemäß in die Knie gezwungen, erreicht werden aber immernoch 14 Frames pro Sekunde auf einem Durchschnittsrechner. Erfreulich ist die Tatsache, dass zweitrangige, framefressende Vorfeldobjekte beim Anflug nicht erscheinen und somit eine flüssige Landung ermöglichen.
Fazit
Das Fehlen dynamischer Objekte sowie die Verwendung simpler Autotexturen auf dem Parkhausdach tragen zur guten Performance bei, schmälern allerdings den positiven Gesamteindruck ein wenig. Der Flughafen New Orleans löst zwar auf den aller ersten Blick keinen Wow – Effekt aus, aber bei langsamen Überflügen und gemütlichen Spaziergängen auf dem Vorfeld akklimatisierte ich mich schnell und fand großen Gefallen an dieser Imagine Sim – Umsetzung. In der Realität ist KMSY kein allzu spektakulärer Airport was die Architektur der Gebäude sowie das Ambiente auf dem Gelände betrifft, aber die detailreiche, liebevolle Umsetzung macht New Orleans zu einem schmackhaften Ziel für den nächsten Flusi – Amerikatrip. Das Preis-Leistungsverhältnis halte ich für angemessen, da der Flughafen qualitativ im oberen Mittelfeld der Payware-Szenerien angesiedelt ist. Ein bisschen Südstaatenflair hat Imagine Sim eingefangen, und welcher Flusi – Pilot kann schon der Versuchung widerstehen, diesen geschichtsträchtigen Airport am Mississippi – Delta einmal anzusteuern?
New Orleans erreicht im Flugsimulation.com Test 8 von 10 möglichen Sternen!
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Zur Detaillierten Bewertung
Pro:
- detailgetreue Umsetzung des Flughafenareals
- fehlerfreies Design der Gebäude und Objekte
- Docking Guidance System
- animierte Fluggastbrücken
- tolle Nachtbeleuchtung
Contra:
- keine Innovationen im Szeneriedesign
- keine dynamischen Vorfeldfahrzeuge
- schlechte Autotexturen auf den Parkhäusern
- keine Anflugkarten
- eckige Rollwegmarkierungen
Weitere Infos und Kauf bei www.imaginesim.com

Manuel Heinz für flugsimulation.com | Veröffentlicht am 03.03.2006 |
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