NewsReviewsArtikelRubrikenAirlinersearchForumImpressum

Review: UK2000 Manchester Xtreme

England ist nicht London

Obschon die 14 Millionen Metropole an der Themse Dreh- und Angelpunkt des britischen Königreiches ist, kann London nicht als Synonym für England verwendet werden. Reine Theoretiker würden dies zwar so sehen, denn Manchester, UK’s Second City wie man in England so gerne sagt, folgt mit knapp einer halben Million Einwohner weit hinter der Weltmetropole im Süden des Landes. Auch flusi-technisch findet man das Herz zwar in und um London, aber auch das restliche Land hat einiges zu bieten. Manchester gilt als Zentrum für Handel, Kunst, Medien und Sport und ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Englands.

Mit dem Manchester International Airport kommt ein weiteres Werk aus der Feder von Gary Summons von UK2000 hinzu. Warum die Stadt im Nordwesten des Landes bisher eher stiefmütterlich behandelt, und eigentlich nicht wirklich ordentlich umgesetzt wurde, ist mir unbegreiflich. Immerhin nimmt Manchester (EGCC / MAN) aufgrund der Passagierzahlen hinter den drei Londoner Grossflughäfen den vierten Platz ein.

Die Kaufoptionen

Mit der Umsetzung des Airports geht UK2000 einen bewährten Weg. Nicht nur, dass man die übliche Demoversion bekommt, welche knapp 60MB gross ist und auf den Pisten einen rosaroten Würfel beheimatet. Dieses mal schenken sie dem User erneut eine Freeware
Version! Gerade jetzt, wo in den Foren die Diskussionen sehr laut geworden sind, Stichwort Softwarepiraterie, geht UK2000 den eingeschlagenen Weg weiter und gibt erneut eine "light" Version für den kritischen Kunden frei. Zunächst habe ich mir angesehen, was mir die kostenlose Version bietet, und ob die Payware Szenerie überhaupt nötig ist.

Die Freeware Version

Ich habe mir die Demo- und Freewareversion vorab heruntergeladen und installiert. Der Unterschied zwischen den Beiden ist allerdings beträchtlich: in der Demoversion werden Würfel auf den Pisten eingeblendet, der Rest des Airports jedoch wird komplett dargestellt. Ebenso die nähere Umgebung, Fahrzeugverkehr etc. sind ohne Abstriche gegenüber der Vollversion anzutreffen.
Die kostenlose Version wiederum hat zwar keinen Würfel auf der Piste, jedoch fehlt sonst mehr oder weniger alles andere: Keine Jetways, keine Fahrzeuge, nur die allernötigsten Bodenmarkierungen und keinerlei sonstiger Schnickschnack.
Die Demo Version ist für 24h freigeschaltet, die kostenlose Version hingegen unbegrenzt. Hat man sich beide Versionen angesehen bekommt man einen ausgezeichneten Überblick über die Features der Vollversion und kann einen guten Kaufentscheid fällen.

Zu finden sind die Dateien hier.

Kauf und Installation

Auf der Homepage von UK2000 bekommt man für £14,50 (ca. €16,80) die Downloadversion, für £18,50 (ca. €21,15) eine CD-ROM. Der Preis ist für den FS2004 und FSX identisch und erhält dabei die Installationsroutinen um den Flughafen auf beiden Generationen des Flugsimulators zu installieren. Gut gemacht!
Beim Kauf über den Hersteller selbst erfolgt die Bezahlung ausschliesslich mittels Paypal. Diese Zahlungsoption ist eine Tochterfirma von eBay, und die Beträge lassen sich mittels Kreditkarten (Master Card & Visa) oder Abbuchung begleichen.
Die anschliessende Installation mittels Installer ist äusserst simpel: Einfach den per E-Mail zugestellten Aktivierungscode im Installer eingegeben und schon wird Manchester im Flugsimulator installiert. Bei nächsten Start des FS erstrahlt EGCC nun im neuen Kleid.

Handbuch

Nach erfolgter Installation findet man im Startmenü ein ausschliesslich in Englisch gehaltenes Handbuch. Dieses ist elf Seiten lang und mit ein paar Bildern versehen, die einem die Besonderheiten der Szenerie und auf wenigen Zeilen jene des realen Flughafens aufzeigen.
Ebenso wird darauf verwiesen, dass die Szenerie mit AES erweitert werden kann. (Unsere Review dazu)
Oliver Pabst informierte uns, dass bei dieser Szenerie vor der Aktivierung von AES für EGCC das von UK2000 gelieferte Optionstool genutzt werden muss, um die Szenerie für AES kompatibel einzustellen. Ansonsten werden die Jetways doppelt dargestellt. Auch muss mindestens die Version 1.2 der Manchester-Szenerie installiert sein.
Dem Handbuch selbst sind keine Terminal Charts beigelegt. Jedoch findet man im Startmenü einen Link zum offiziellen Internetauftritt des britischen AIS. Dort lassen sich kostenlos Terminal Charts von EGCC finden, herunterladen und ausdrucken. Den direkten Weg zu dieser Seite findet man hier.
Ebenfalls bietet die Onlineflug-Plattform VATSIM einen Chartservice an. Dieser ist nach einer kostenlosen Registrierung unter folgendem Link zu finden.

Das „echte“ Manchester

Gelegen im nordenglischen Metropolitan County Greater Manchester war der Flughafen von Manchester früher auch unter dem Namen Ringway bekannt. Er lautet auf den IATA-Code MAN und ist bei ICAO unter EGCC registriert. Von hier werden weltweit 180 Destinationen von über 95 Fluggesellschaften bedient. Auf dem Flughafengelände finden sich zwei Start- und Landebahnen und drei Terminals. In vergangenen Tagen diente er als Ausweichflughafen für die Concorde. Eines der ausgemusterten Concorde-Flugzeuge der British Airways ist seit 2003 hier ausgestellt. Das Stadtzentrum ist mit der Bahn innerhalb von 16 Minuten zu erreichen.

Das „virtuelle“ Manchester

Von aussen nähern wir uns dem neuen Werk. Als erstes fällt auf, dass die Einbindung der Szenerie in die Umgebung nur teilweise gut gelungen ist. Derweil sie im FS9 als schwach bezeichnet werden darf, überzeugt jene im FSX durchaus. Im Handbuch informiert der Entwickler über den Missstand, dass aufgrund einer FS-Gegebenheit leider jegliches Autogen im Flughafenbereich ausgeblendet würde. Dies wurde jedoch durch die Platzierung einzelner Objekte kompensiert.

Gerade im Bereich hinter den Terminals, wo sich auch ein Parkhaus befindet, hätte man die Gebäude oder die Fototapeten des Bodens besser aufeinander abstimmen können.
Bleiben wir gleich beim Parkhaus: Hier fahren ständig Fahrzeuge hinein und wieder heraus. Komisch nur, dass leider kein einziges Auto dort parkt.

Ebenso wenige tun dies im Freigelände. Dies ist doch sehr schade, verleihen solche Details dem Flair eines Flughafens das gewisse Etwas. Der animierte Linksverkehr ist gut, jedoch etwas ungenau umgesetzt: fahren doch die Fahrzeuge nicht selten in der Wiese statt auf der Strasse. Jedoch ist die Anbindung der Strassen an die Umgebung durchaus gelungen. In Verbindung mit Ultimate Terrain X Europe von Flight 1 konnten nur wenige Fehler entdeckt werden. So fahren etwa die Fahrzeuge durch eine Reihensiedlung in der Anflugsschneise der Pisten 23L/R.

Im östlichen Bereich des Flughafens treffen wir auf die Schienenanbindung des Flughafens. Diese erscheint aus dem Nichts und führt direkt zum Flughafenbahnhof. Allerdings finden wir eine umgesetzte Fahrleitung, jedoch keine Züge, die verkehren.

Ärgerlich ist dies deshalb, weil man im Anflug auf die Piste 23R die Bahntrasse direkt überfliegt. Dass dies auch umsetzbar gewesen wäre zeigen uns andere Werke.

Widmen wir uns nun jedoch der Luftseite des Flughafens. Denn hier gibt es erfreuliches zu berichten: Die Gebäude selbst sind ausgezeichnet modelliert und texturiert, im Vorfeldbereich mit deutlich mehr Details. Besonders angetan hat es mir der Wartepunkt „J1“ an der Piste 23R. Blickt man hier links aus dem Cockpitfenster, so sieht man das Bistro "The Airport" mit Gastgarten, der anscheinend sehr gut genutzt wird. Ein traumhafter Treffpunkt für Spotter, denen auch in kulinarischer Hinsicht nichts abgehen dürfte. Hier wurden zahlreiche 2D Menschen ebenso wie an anderen Stellen des Flughafens platziert. Auf dem Vorfeld verkehren einige Flughafenfahrzeuge. Einigen würde ein Fahrsicherheitstraining sicherlich gut tun, kurven sie doch um die Flugzeuge als ginge es um Leben und Tod. Positiv ist jedoch, dass hier ausschliesslich eigens dafür erstellte Objekte eingesetzt werden und nicht wie bei zahlreichen anderen Szenerien jene des Flugsimulators.

Die Bodenmarkierungen und Schilder sind akkurat platziert und gut lesbar. Bestens gelungen sind Garry Summons die Bodentexturen, die sehr realistisch wirken. Sie zeugen von einer gewissen Abnutzung, und in Kombination mit den 3D Grasrändern kommt ein gewisser Tiefeneffekt zur Geltung. Zahlreiche Details können entlang der Luftseite jedoch erst bei näherer Betrachtung ausgemacht werden: Zu finden sind etwa eine modellierte Anflugbefeuerung, ILS Sender (Localizer und Glideslope), Transmissometer für die Messung der Runway Visual Range (Pistensichtweite) und die PAPI Lichter, um nur einige Highlights zu erwähnen. Als Innovation kann sicherlich die Umsetzung eines bestimmten Einparksystems bezeichnet werden. Hierbei kann an einzelnen Gates und Parkpositionen mittels Spiegel erkannt werden wie weit man noch zu rollen hat bis man an der richtigen Position steht. Dies funktioniert nicht schlecht. Jedoch wird nicht das eigene Flugzeug gespiegelt dargestellt, sondern mittels Bildern gearbeitet. So kann das Einparkieren zu einer leichten Ruckelaktion verkommen.

Die restlichen Parkpositionen sind mit dem auf britischen Flughäfen weitverbreiteten AGNIS-PAPA ausgestattet. Vereinzelt kommen auch Marshaller zum Einsatz, die einen korrekt einweisen.
Sobald die Bremsklötze dann unterlegt sind kann die Bodencrew ihre Arbeit aufnehmen. Hier bietet uns Gary Summons erneut etwas, das nicht in jedem Werk enthalten ist: animierte Fluggastbrücken. Nutz man also AES nicht, muss man dennoch nicht auf angedockte Jetties verzichten. Dieses Feature funktioniert im FS9 mittels NAV-Frequenzen. Wie genau jedoch angedockt wird ist einerseits abhängig von den Parkkünsten des virtuellen Piloten und anderseits von der Referenzposition des Cockpits. So kommt es je nach Modell zu etwas anderen Ergebnissen. Hier ist etwas Toleranz und ausprobieren gefragt. Im FSX hingegen greift der Entwickler auf das programm-interne Feature zurück.

Im Frachtbereich fehlt das Flair hingegen komplett. Ein leb- und liebloses Cargogebäude ohne irgendwelche LKWs an den zahlreichen rückseitigen Rampen. Das Weglassen solcher Details tut mir, als bekennender Frachtpilot, schon fast im Herzen weh! Schade, denn hier hätte man wirklich mehr machen können.

Dass es in England auch einmal schneit, überwiegend in den Wintermonaten, ist dem Szeneriedesigner vermutlich entgangen. Saftiges Grün soweit das Auge reicht. Der Jahreszeitenwechsel zum weissen Kleid ist in Manchester schlichtweg nicht existent.

Manchester bei Nacht

Nachts ist das Vorfeld sehr gut ausgeleuchtet. Nicht zu hell, nicht zu dunkel. Die Lichtmasten sind schön modelliert und tragen zum positiven Gesamtbild des Detailreichtums bei.

Der leere Hangar gefällt mir beleuchtungsmässig am besten.
Nachts ist die Beschilderung und Beleuchtung der Rollwege und Pisten ebenso gelungen wie zu Tageslicht.
Was mich ein wenig verwundert sind die Fahrzeuge. Ein kleiner Lieferwagen fährt doch tatsächlich ohne Scheinwerfer auf dem Vorfeld herum, während bei allen parkenden LKWs und Bussen die Scheinwerfer leuchten: verkehrte Welt!

Performance, AFCAD und weitere technische Details

Die verwendete Designtechnik von Gary Summons lässt den internationalen Flughafen selbst mit viel AI-Traffic flüssig erscheinen. Hier wurde wirklich gut gearbeitet und ein passender Mittelweg zwischen Optik und Leistung gefunden. Kleine Detailobjekte erscheinen erst aus kurzer Distanz derweil man hingegen im Anflug bereits alle wichtigen und vor allem markanten Objekte im Blickfeld hat. So kann man selbst mit einem ressourcen-hungrigen Flugzeug nach EGCC fliegen und dabei auf einen flüssigen Flugablauf zählen. Gut gemacht!
Das beigelegte AFCAD File lässt den AI-Traffic an der richtigen Stelle stehen und rollen. Wer’s weniger mit dem animierten Flugverkehr hat, findet bei Manchester Xtreme eine passende Alternative. Mittels eines externen Konfigurationstool lässt sich die Szenerie individuell einstellen. So besteht etwa die Option statische Flugzeuge zu plazieren. Dies ist sicherlich eine gute Variante für Kunden mit einem schwächeren Computersystem. Hier lässt sich auch die Service-Armada oder die Anpassung an AES selektieren.

Kompatibilität zu Drittprodukten

Nebst der getesteten Szenerie ist auch das bereits erwähnte Ultimate Terrain X Europe von Flight1 installiert. Dieses Add-On liefert akkurate Daten für Strassen, Schienen, Gewässer und Landclass. Das Zusammenspiel mit Manchester Xtreme kann als durchaus positiv bezeichnet werden. Der Strassenverkehr geht nahtlos vom einen zum anderen Werk über. Kleinere Ungereimtheiten wie Brücken im Bereich der Flughafenszenerie platziert durch Ultimate Terrain sehen deplaziert aus.
Ebenfalls überprüft haben wir die Kompatibilität zu Pilot’s FS Global 2010. Das globale Höhennetz bietet dabei im Zusammenspiel mit Gary Summons Werk keinen Anlass zu Mängeln.

Fazit

Bei meiner Anfangsrecherche hatte ich mich über den niedrigen Preis gefreut. Eine Szenerie für unter €17 als Downloadversion ist heutzutage eine Seltenheit. Auch die Wahlmöglichkeit sich eine Demoversion, und/oder Freewareversion auf den heimischen Rechner zu holen und anschliessend einen Kaufentscheid zu fällen, fand ich sehr nett. Je mehr ich mich am und um den Flughafen umgesehen habe, umso mehr schlich sich eine latente Enttäuschung ein.
Gary Summons liefert uns mit Manchester Xtreme ein zwiespältiges Produkt ab: einerseits sind hier die zahlreichen Details und vereinzelten Innovationen zu erwähnen, andererseits gibt es auch einige Negativpunkte.
Der Tiefpunkt ist definitiv die fehlende Umsetzung der Jahreszeiten. Lieber ein paar Euro mehr ausgeben, dafür bekommt man einen netten Winter, einen Zug und vor allem eine lebendige Szenerie. Für Fans der britischen Inseln und Airline-Piloten mit Zielen in Europa kann der Kauf mit den genannten Einschränkungen jedoch empfohlen werden. Um ein Must-have handelt es sich hier jedoch sicherlich nicht.

Bewertung

Facts & Figures UK2000 Manchester Xtreme  
     
Hersteller: UK2000 Minibild
Preis: 16,80€ (Download) 21,15€ (CD)
Veröffentlichungsdatum: 30.01.2010
Systemanforderungen gemäss Hersteller: 2.2Ghz CPU. 1GB RAM, 65MB Installed, XP or Higher, 256MB Graphics
FS2004 FSX (RT, SP1, SP2 and Acceleration)
Link zur Produktseite: UK2000 Manchester Xtreme
FS-Version(en): FSX, FS2004
   
Pro Contra  
     
+ Demo/Freeware-Version helfen bei Kaufentscheid
+ Informatives Handbuch
+ Solides Szeneriedesign
+ Servicefahrzeuge auf dem Vorfeld
+ Geringer Einfluss auf Performance
- Einbindung in die Umgebung (FS9)
- Umgebungsgestaltung teilweise etwas unvollständig
- Keine Wintertexturen
- Abgelegene Bereiche auf dem Flughafen wirken leblos
 
     
Kriterium Kommentar
Bewertung
     
Kauf, Installation und Einbindung Zu einem fairen Preis erhält man eine Version für beide FS mit problemloser Installation und Einbindung
Handbuch/Beilagen Handbuch deckt Szenerie-technische Details ab, ein Link zu Charts ist enthalten. Konfigurationstool lässt gewünschte Optionen installieren
Szeneriedesign/Innovationen Solide Arbeit mit besseren Ergebnissen im FSX, unterschiedliche Parkhilfen umgesetzt
Texturen Realistische Bodentexturen mit soliden Gebäude- und Objekttexturen
Animationen Strassenverkehr im Umfeld, animierte Fluggastbrücken und Service Armada
Performance Akzeptabler Einfluss auf die Performance, selbst mit hohem AI Traffic keine Diashow
Spassbewertung/Langzeitmotivation Als Alternativdestination in England zu gebrauchen
     
Gesamtbewertung  
     
Auszeichnungen    
keine  
 

 

 

Christian Ebner und Sales Wick für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 01.07.2010 | Counter: 1157 Besucher


Kommentare
Zu dieser Review gibt es noch keine Kommentare.

 

Kommentar schreiben
Name:*
E-Mail:*
Kommentar:*
Max. 1000 Zeichen
Bitte abtippen:*


Die eMailadresse wird nur intern verwertet und nicht an Dritte weitergegeben!

Vereinbarung über die Nutzung des Kommtarbereichs:
Mit dem Abschicken seines Kommentars aktzeptiert der Autor, keine Inhalte mit illegalen Inhalten zu posten, speziell auch nicht mit solchen, die auf File-Sharing von Payware hinweisen. Solche Kommentare könnten auch den Herstellern gemeldet werden. Die IP-Adresse des Posters wird in der Datenbank gespeichert.