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Review: Aerosoft: Leipzig/Halle

 


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"Der Interkontinentalflughafen für Mitteldeutschland"

Es ist ein paar Jahre her, als ich dieses große Schild beim Passieren des Schkeuditzer Autobahnkreuzes visavis des Leipziger Flughafens das erste Mal erspähte. Ein spontanes Kichern war nicht zu unterdrücken. Während diese wenig bescheidene Selbstdarstellung zuerst vermuten ließe, LEJ wäre das Tor zur Welt, mit Verbindungen in alle Himmelsrichtungen auf fernen Kontinenten, so zeigt die Realität ein komplett anderes Bild. Spätestens nachdem das Experiment von TUIfly, von Leipzig aus Billigflüge nach ganz Europa anzubieten, kläglich gescheitert ist und die meisten Routen bereits wenige Monate nach deren Eröffnung wieder eingestellt wurden, hat sich gezeigt, dass das Potential für Passagierflüge aus Westsachsen über die Grenzen Deutschlands hinaus sehr begrenzt ist. Von den Charterketten gen Süden abgesehen, stehen neben innerdeutschen Linienverbindungen lediglich Paris und Wien im Flugplan. Wie ungewöhnlich, dass die sonst so flughafenfeindlichen Deutschen dennoch großes Entwicklungspotential für den Airport gesehen haben und LEJ heute zu den modernsten der Republik gehört. Zwei 3600m lange, nagelneue Pisten, deren Achsabstand Parallelbetrieb zulässt, zwei moderne Terminals und ein ICE-Bahnhof. Das Resultat des Ausbaus sind niedliche 2,7 Millionen Passagiere und 50.000 Flugbewegungen pro Jahr. Zum Vergleich, Stuttgart muss mit einer einzigen Piste jährlich mehr als dreimal so viele Flugzeuge und zehn Millionen Passagiere abfertigen. Und einer zweiten Bahn in STR wurde erst kürzlich die Absage erteilt.
Aber es gibt über Leipzig Halle auch Erfreuliches zu berichten. Der Paketdienst DHL sowie die Lufthansa Cargo Tochter Aerologic hauchen der Ruhe etwas Leben ein und haben ihre Europadrehkreuze am Flughafen eingerichtet. Man hätte es kaum für möglich gehalten, von nun an gibt es in der Tat interkontinentale Routen ab Mitteldeutschland. Zwar später als gepriesen und nicht auf dem Passagiersektor, aber Licht am Ende der Bahn ist dadurch definitiv zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass die Unsummen an Fördergeldern und Subventionen den Menschen in der Region letzten Endes zu Gute kommen.

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Cleared to Download

Als letzte Flughafenszenerie der Neuauflage von German Airports 2 steht Leipzig Halle nun bei Aerosoft für knapp 18 Euro zum Download bereit. Gewohnt unkompliziert geht sowohl der Kauf per Kreditkarte als auch die vollautomatische Installation von Statten. Man braucht lediglich den Key zur Hand zu haben, den man nach der Bestellung erhalten hat. Zur Szeneriebibliothek werden die drei Einträge für den Flughafen, die Landklassen und für AES-light selbständig hinzugefügt. Letzteres ist für die dynamischen Objekte innerhalb und außerhalb des Flughafengeländes verantwortlich.
Darüber hinaus kommt das Addon mit einer zweisprachigen PDF-Dokumentation daher, neben den üblichen Hintergrundinfos und Anwendungshinweisen sind auch Charts enthalten.

Nu ei verbibsch, gugg emol

...oder zu Deutsch - "Jetzt schauen sie sich das mal an, ich habe eine überraschende Entdeckung gemacht."

Die Flughafenszenerie von Leipzig Halle scheint einiges in petto zu haben. Das Lesen der Featureliste auf der Produktseite lässt den hungrigen Pilotenmund wässrig werden, und natürlich ist die Erwartungshaltung unseres Reviewteams nach den stimmigen Umsetzungen der anderen GAP2 Szenerien groß. Wie sieht es also in der Praxis aus? Von bis zu 2000 dynamischen Fahrzeugen auf den umliegenden Autobahnen ist die Rede, und so nähern wir uns als virtuelle Autofahrer dem Flughafenareal, dessen Einbindung in die Umgebung gut gelungen ist und bei Bedarf sogar an Ultimate Terrain angepasst werden kann. Auf der A14 herrscht ungemein reges Treiben um uns herum, Busse und LKWs auf dem rechten, die Raser auf dem linken Fahrstreifen. Während die akkurate Beschilderung die Flughafenausfahrt und das Autobahnkreuz ankündigt, rauschen auf den parallelen Bahngleisen Regionalexpresszüge und ein ICE vorbei. An den Stromabnehmern sind sogar kleine Blitze auszumachen. Nach einem kurzen Halt am Bahnhof, wo mit passend sächsischem Dialekt die Durchsage "Vorsicht bei der Einfahrt des Zuges" zu hören ist, wird unser Fahrzeug für die Flughafenbegutachtung auf dem Parkplatz abgestellt, der mit zahlreichen Bäumen und Autos geschmückt wurde. Letztere geben sogar Aufschluss darüber welche Automarken und Typen sich hinter den 3D-Modellen verbergen. Es fällt allerdings auf, dass die Parkplatztextur, ebenso wie jene der Autobahnen und Zufahrtsstraßen, die allesamt Teil der fotorealistischen flughafenumspannenden Bodentextur sind, ziemlich unscharf wirken. Bekanntlich kommen solch Fotoböden nur aus einer Höhe von einigen 1000 Fuß in ihrer vollen Schärfe zur Geltung, aber um alle Animationen hautnah mitzuerleben, bewegt man sich gerne in geringer Höhe über dieser Szenerie fort. Somit kommt man nicht umher, die verschwommenen Texturen der Straßenzüge hinzunehmen während man den Autos und Zügen hinterherschaut. Dass es jedoch hätte besser gemacht werden können zeigen die scharfen Vorfeld-, Runway- und Taxiwaytexturen sowie die darauf sauber abgebildeten Markierungen und Beschriftungen. Offensichtlich beschränkte man sich im Bezug auf detaillierte Bodentexturen auf die Bereiche, die man als virtueller Pilot und nicht als virtueller Autofahrer zu Gesicht bekommt. Aber Vorwurf Fehlanzeige, es ist ja kein Fahr- sondern ein Flugsimulator Addon.

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Ein Augenschmaus sind die Gebäudetexturen; sie sind allesamt unabhängig von der Betrachtungsentfernung gestochen scharf und zeigen, dass qualitativ hochwertiges Bildmaterial verwendet wurde. Auch über deren Aktualität kann man staunen, sämtliche Werbeplakate, die manche Fassaden und die Jetways zieren, findet man genauso auch in der Realität vor. Das lange Zentralterminal, welches sich vom Bahnhof im Norden bis zum Abfertigungsterminal erstreckt, wurde in all seiner Detailfülle wiedergegeben, und die ungewöhnliche Röhrenarchitekur mit der bulligen Glasfassade lässt keine Wünsche offen. Die Texturen des angrenzenden mächtigen Parkhauses wirken so realistisch, dass man den Eindruck hat in jedes Parkdeck hineinblicken zu können. Der alte quadratische Tower, der sich nicht zuletzt auf Grund seiner rot-grauen Farbgebung zu den markanteren Bauwerken auf dem Gelände zählen darf, wurde von den Fenstern über die Feuertreppe bis hin zum Dachzaun und der Antenne tadellos kreiert. Das an das Vorfeld angrenzende Abfertigungsterminal mit den großflächigen Fensterfassaden steht den anderen Gebäuden in nichts nach und verdient die Beschreibung "as real as it gets". Auch hier sind keine gezeichneten comicartigen Texturen zu entdecken, man fühlt sich förmlich vom Realismus angezogen und würde das Heranzoomen gerne mit einem "Rüberbeamen" ersetzen.
Auch wenn die Fluggastbrücken von hoher Designkunst zeugen, so sind sie mal wieder nur statisch und können lediglich unter Verwendung von AES und zweier Credits zum Leben erweckt werden. Ein Dockingsystem als Einparkhilfe findet sich jedoch an jedem Gate wieder. Schön, dass auch auf dem Vorfeld die Fahrzeuganimationen nicht zu kurz gekommen sind. Die Servicearmada düst jedoch nicht einfach wie von der Tarantel gestochen kreuz und quer sondern nimmt sogar Rücksicht auf das eigene Flugzeug. Die Fahrzeuge halten tatsächlich an sobald man in deren Nähe kommt. Leider funktioniert dieses Feature beim AI-Traffic nicht, hier kann es nachwievor zu imaginären Zusammenstößen kommen.
Um von der Nordbahn die A14 überqueren zu können stehen für die Flugzeuge zwei Rollbrücken im Osten und Westen zur Verfügung. Diese mit dem eigenen Flieger erfolgreich überqueren zu können ohne auf die viel befahrene Autobahn darunter hindurchzufallen ist ein echtes Schmankerl der Szenerie. Lediglich Schade, dass auch diese Funktion aus programmiertechnischen Gründen dem AI-Traffic vorenthalten ist und die Afcad-Datei demzufolge fast den gesamten Traffic auf die Südbahn leitet.
Weitere erwähnenswerte Szeneriebestandteile sind der im Jahr 2000 eröffnete neue Tower und die angrenzende Siedlung neben der Autobahn bzw. in der Mitte beider Pisten, sowie der neue Triebwerksprobelaufhangar und das Porsche-Werk im Westen des Areals. All diese Objekte sind ebenfalls sorgfältig designt und texturiert worden.
Natürlich wurde auch das neue DHL-Logistikgebiet im Süden integriert. Abgesehen vom Umschlagzentrum und einem geräumigen Hangar sind hier sämtliche statische Bodenfahrzeuge sowie Frachtflugzeuge anzutreffen. Bei Letzteren wurde ein guter Kompromiss zwischen akzeptierbarer Optik und frameschonender Low-Polygon-Modellierung gefunden.

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Sunset Saxony

Nachdem die Sonne untergegangen ist, gehen in LEJ überall die Lichter an. Sicher, das war zu erwarten, aber die Art und Weise, wie der Airport beleuchtet ist, ist erneut ein großer Pluspunkt der Szenerie. Während die Nachttexturen der Gebäude das Licht einzelner Fenster ins Freie scheinen lassen, so tauchen die Vorfeldstrahler den Boden mit weichen Lichtkegeln in ein angenehmes, gelbliches Licht, das die richtige Intensität besitzt, um ankommende FS-Piloten nicht zu blenden. Die Scheinwerfer des dynamischen Verkehrs sind ebenso sichtbar wie die beleuchteten Taxiwayschilder. Auch die vielen Schriftzüge erstrahlen nachts in sauberem hellen Glanz und runden das Gesamtbild des Flughafens nach Einbruch der Dunkelheit prima ab. Die nächtlichen Glastexturen der Terminalgebäude wirken transparent, und vermitteln somit auch nachts das Gefühl, in die Gebäude hineinsehen zu können.
Die Befeuerung der Pisten und Taxiways ist keine plumpe Ansammlung von Lichtpunkten, sondern in Form von kleinen Objekten detailliert umgesetzt worden.

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Approaching Minimums

Lässt es sich in Leipzig nun gefahrlos landen oder sollte lieber durchgestartet werden und zu anderen Addonszenerien ausgewichen werden? "Continue" heißt hierbei der klare Ausruf des Reviewteams. LEJ sollte schon allein wegen der innovativen Features wie des intelligenten dynamischen Verkehrs, des kommentierten Zugverkehrs, der berollbaren Brücken und der genialen Gebäudetexturen in keiner Sammlung fehlen. Toll ist außerdem die Tatsache, dass man es Dank des Einsatzes von Mipmaps fertiggebracht hat, einen Fotoboden zu krieren, der sogar ohne Antialiasing kaum flackert. Die Performance braucht kein eigenes Kapitel, sie ist stets im grünen Bereich. Wenn die Straßentexturen von besserer Qualität wären hätte man deutlich hörbar an der zehn Sterne Tür angeklopft, aber auch so hat sich diese Szenerie einen Award for Innovation verdient.

Bewertung:


Facts & Figures Aerosoft Leipzig/Halle  
     
Hersteller: Aerosoft Minibild
Preis: 17,95€
Veröffentlichungsdatum: 25.06.2008
Systemanforderungen gemäss Hersteller: - Microsoft Flugsimulator 2004 (Version 9.1)
- Pentium 2,6 GHz oder schneller
- 512 MB Arbeitsspeicher
- 3D Grafikkarte mit min.128 MB (256 MB empfohlen)
- Download-Größe: 130 MB
- Installations-Größe: 490 MB
Link zur Produktseite: Aerosoft Leipzig/Halle
FS-Version(en): FS2004
   
Pro Contra  
     
+ Klasse Animationen
+ Hoher Detailgrad
+ Interessante Realisation der Rollwegbrücken
+ Verwendung von hochaufgelösten Fototexturen
- Ein langweiliger Flughafen (kann die Szenerie nichts für, könnte jedoch den Langzeitspielspass trüben)
(-) Mehr saisonale Unterschiede
 
     
Kriterium Kommentar
Bewertung
     
Kauf, Installation und Einbindung Problemlose Installation und automatische Einbindung
Handbuch/Beilagen Zweisprachiges Handbuch inkl. Charts
Szeneriedesign/Innovationen Solides Szeneriedesign gepaart mit klasse Innovationen (Verkehr)
Animationen Sehr umfangreiche Animationen inkl. AES-light
Performance Rasche Ladezeiten bei Sichtwechsel und gute Performance
Spassbewertung/Langzeitmotivation Für angehende Frachtpiloten oder Leipzig-Puristen eine gute Wahl
Texturen fotorealistisch und hoch aufgelöst
     
Gesamtbewertung  
     
Auszeichnungen    
Einen eher langweiligen Flughafen sehr interessant umgesetzt!  
 

 

 

Manuel Heinz und Sales Wick für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 13.07.2008 | Counter: 9288 Besucher

 

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