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Review: JustFlight Spitfire

Die Spitfire von Reginald Mitchell war das Englische Pendant zur P-51 "Mustang" der Amerikaner oder der BF-109 der Deutschen im 2. Weltkrieg. Ausgestattet mit unterschiedlichen, sehr starken Merlin und Griffon Motoren (bis zu 2400 PS), wurde sie bis zu 450 Meilen/Stunde (ca. 720 km/h) schnell. In den vielen Dienstjahren gab es mindestens 18 unterschiedliche Varianten von denen mindestens 13 durch Aeroplane Heaven für den FS umgesetzt wurden. Heute sieht man noch viele flugfähige Spitfires auf Flugtagen und beispielsweise beim Reno Air Race. Von JustFlight erschien dieses Produkt nun auch auf CD.
Geeignet ist das Paket nicht nur für den aktuellen FS2004, sondern auch für den FS2002, den CFS II und den CFS III. Allerdings sind nicht alle Varianten in allen Simulatorversionen verfügbar, Details dazu gibt es aber auf der Homepage. Los geht's also!

Kauf&Installation:
Die CD-Version der Spitfire gibt es per Bestellung bei justflight.com. Auch im gut sortierten Fachhandel sollte die Spitfire zu bekommen sein. Der Preis liegt bei 45€. Erstaunt war ich beim Auspacken, liefert JustFlight doch gleich zwei CDs für einen Flieger. Das lässt sich aber durch die vielen unterschiedlichen Simulatorversionen erklären, mit denen die Spitfire funktioniert - FS04-Benutzer brauchen die CD 2 beispielsweise gar nicht. Geliefert wird in einer DVD-Box, in der auch das ca. 60-seitige Handbuch liegt.
Nach Einlegen der CD öffnet sich automatisch ein Bildschirm von dem aus man die Spitfire direkt installieren oder erst einmal ein Blick in das Videohandbuch werfen kann.
Hat man sich für die Installation entschieden, kann man zuerst die Flugsimulatorversion und dann die gewünschten Fliegervarianten wählen. Die beiliegende Duxford-Szenerie kann ebenfalls von hier aus installiert werden. Der Ablauf ist problemlos, auch die Szenerie wird automatisch in die scenery.cfg eingetragen.
Insgesamt also in Ordnung, etwas nervig ist nur, dass man ständig dazu aufgefordert wird, sich Informationen zu weiteren JustFlight Produkten anzusehen.

Aussenmodell:
Ganz besonders beim Aussenmodell wird der enorme Umfang dieses Pakets deutlich: beinahe jede Bemalung hat eine eigene Modellvariante. Die unterscheiden sich in vielen Punkten, z.B. in der Anzahl der Propellerblätter, der Flügelform, der größe des Motorbereichs, den Details (wie Verstrebungsschnüre oder Sensorik) und in vielem mehr. All' diese Modelle sehen super aus, sogar auf kleinste Details wie die Ruderanlenkungen wurde gedacht und die Felgen, beispielsweise, wurden komplett in 3D designed. Kenner dieses Flugzeugmusters kritisieren in den Foren jedoch, dass viele dieser Modellvarianten nicht sonderlich akkurat umgesetzt seien. Da ich kein Kenner bin, kann ich das natürlich nicht genau beurteilen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich im Forum bei JustFlight informieren.
Der Detailreichtum der Texturen ist beeindruckend. Jede kleinste Niete kann man erkennen und das bei einer hervorragenden Gesamtqualität. Leider weisen die Texturen, abgesehen von ein paar Stellen mit abgeplatztem Lack, keinerlei Gebrauchsspuren auf. Sie sind also komplett sauber, als stünde der Flieger im Museum. Vergleicht man die Texturen jedoch mit Fotos der realen Vorbilder fällt auf, dass die Farben häufig nicht ganz stimmen. Viele Kommentare dazu gibt es ebenfalls im Forum bei JustFlight. Die Reflexionen und der dynamische Schein wurden massvoll eingesetzt.
Bei den Animationen ging Detailgetreue vor Flüssigkeit. Daher ruckeln die meisten Animationen etwas, wofür Aeroplane Heaven aber nichts kann. Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen: bei den moderneren Versionen wird das Heckfahrwerk mit eingezogen. Macht man dann einen Ruderausschlag, dringt das eingezogene Heckfahrwerk durch die Rumpfwand. Eventuell wird das später noch behoben. An sonsten muss der Simmer auf keinerlei Details verzichten, z.B. die animierte Fahrwerksanzeige auf der Flügeloberseite, etc...
Auch wenn man im FS2004 nicht wirklich schießen kann, wurde ein entsprechender Effekt eingefügt. Die Spit hat bis zu 8 Kanonen und feuert aus allen gleichzeitig, was super aussieht. Auf der Flügelunterseite sieht man die Hülsen heraus fallen und der Rumpf wird beim Ballern entsprechend beleuchtet.
Für den Laien macht das Modell einen sehr guten Eindruck: Alles passt zusammen. Die Modelle sind rund, die Texturen detailliert und die Effekte steigern den Flugspaß. Unterhält man sich aber mit Kennern des Fliegers, werden viele Nachlässigkeiten deutlich. Wie eng das gesehen wird, muss natürlich jeder selber entscheiden, volle Punktzahl gibt es aber nicht.


Hier kann man zwei Panelvarianten sehr gut vergleichen

2D Panel:
Zu jeder Modellvariante gibt es auch ein spezielles Panel. Vergleicht man die beiden Screenshots, fallen große Unterschiede auf. Das fängt bei einzelnen unterschiedlichen Instrumenten an und hört bei der Form der Cockpitfenster auf. Die Instrumente wurden alle speziell für dieses Addon erstellt und sind sehr flüssig animiert und gut ablesbar. Die Hintergrundbilder wirken meiner Meinung nach zu comichaft und könnten fotorealistisch sein, Zugang zu diversen Spitfires bestand ja. Etwas störend sind auch die SimIcons, sie hätten dem Layout der Spit angepasst werden können.
Viel mehr gibt es zum Panel nicht zu sagen, da die Funktionen ja relativ spartanisch sind. Das Panel gefällt mir gut, nur die Hintergrundbilder könnten fotorealistisch sein.

3D Panel:
Bei der RealAir Spitfire konnten wir das 3D Panel sehr loben, bei der JustFlight Spit ist das nicht ganz so einfach möglich. Die Instrumente sind genau so gut ablesbar wie im 2D Panel, dafür bewegen sie sich aber mit so großer Verzögerung, dass man mit der Anzeige kaum etwas anfangen kann. Die Modellierung lässt viele Details wie Ruderstangen, Spanten, etc. gut erkennen. Die Texturen könnten etwas höher aufgelöst sein, Schriftzüge abseits der Instrumente sind völlig unlesbar. Insgesamt also OK, das RealAir Niveau wird aber bei Weitem nicht erreicht. Für schnelle Kampfszenen ist das 3D Cockpit zu langsam, normalerweise reicht es aber aus.

Geräusche:
Zwar hatte das Aerolane Heaven Team Zugang zu realen Spitfires, leider sind nicht alle flugfähig. Dennoch hat es das Team geschafft, sehr schöne Geräusche zu kreieren. Da die Spitfire mehrere Motorenversionen hatte (7 sind umgesetzt) enthält das Paket auch mehrere Geräuschvarianten. Bei dem Sound eines Fliegers spielt ja nicht nur der Motor eine Rolle, sondern besonders auch der Propeller. Vom 2-Blatt- bis zum 6-Blatt-Gegenäufig-rotierenden-Doppelpropeller ist alles dabei. 4 Geräuschvarianten bringt das Paket mit.
Der Klang ist super. Die großen Merlinmotoren schnurren wie Katzen und haben einen super Sound. Geht man mit der Drehzahl hoch, erzeugen die großen Propeller einen enormen Geräuschpegel. Soweit ich das also beurteilen kann, klingt die Spitfire realistisch. Die Qualität der Geräusche ist in jedem Fall hervorragend.

Flugdynamik:
Die Spitfire hat Power, und davon nicht zu wenig. Die letzten Baureihen hatten bis zu 2400 PS. Genau das ist auch das Beherrschende in der Flugdynamik. Lässt man den Motor hochdrehen, gibt es einen gewaltigen Drehimpuls, der mit vollem Seitenruderausschlag korrigiert werden muss, wenn man nicht getrimmt hat. Der Riesige 5-Blatt-Propeller wandelt diese Kraft dann aber auch schnell in Vortrieb um und nach wenigen Metern ist man bereits in der Luft. Es ist sogar möglich, trotz Strömungsabriss weiter zu steigen und das mit bis zu 1000 ft/min. Liegt Strömung an, klettert die Spit noch deutlich schneller, mit bis zu 4500 Fuß/Minute. Laut Hersteller soll sie sehr gute Kunstflugeigenschaften haben und schön trudeln. Beides stimmt im Prinzip. Der Kunstflug benötigt aber viel Übung und das Trudeln sieht nicht besonders schön aus, da der Flieger völlig unerklärliche Bewegungen durchführt. RealAir hat diesen Bereich besser hinbekommen.
Ist man in der Luft, fliegt sie sich wie ein Fighter, das Drehmoment spielt keine große Rolle mehr und man kann wunderbar herumheizen.
Die Landung gestaltet sich schwierig. Die Klappen haben zwar eine enorme Auftriebssteigerung zur Folge, man kann aber im Anflug kaum etwas sehen. Daher empfiehlt es sich zu slippen, was mit etwas Übung auch gut funktioniert. Beim Aufsetzen sollte man die Leistung bis zum Ende nicht ganz weg nehmen, dann setzt sie sich wunderbar hin.
Ob die Flugdynamik realistisch ist, kann ich natürlich nicht genau sagen, auf jedem Fall bietet sie eine schöne Mischung aus Anspruch und Spaß.



Duxford Szenerie:
Als Gimmick bringt das Paket eine Szenerie des bekannten Militärflugplatzes Duxford mit. Auf der fotorealistischen Bodentextur stehen zahlreiche Hangars und Kasernengebäude. Am Rand des Platzes finden sich außerdem Verteidigungsanlagen. Insgesamt sind alles recht gut aus, allerdings war der Flugplatz auf unserem System praktisch unanfliegbar, denn ständig kam es zur Kollision mit unsichtbaren Objekten, die sich sogar zu bewegen scheinen. Eine entsprechende Supportanfrage ist gestellt. Die Performance ist sehr gut.
Als Gimmick ist der Platz in Ordnung.

Performance:
Trotz des detaillierten Aussenmodells und der hoch aufgelösten Außentexturen ist die Performance sehr gut. Auch im Inneren gibt es keinerlei Einbußen, Details in der Bewertung.

Handbuch und Video Tutorial:
Die Spitfire bringt ein neuartiges Feature mit: ein Videohandbuch. In mehreren Videoclips werden die einzelnen Flugphasen anschaulich erklärt. Sehr angenehm, da man auf das Lesen das Handbuchs so praktisch verzichten kann. Die Aufmachung der Clips ist im Wochenschaustil gehalten, die Grafikqualität könnte dennoch etwas besser sein. Möchte man die Videos nämlich im Vollbildmodus anschauen, hat man doch Schwierigkeiten alles zu erkennen. Inhaltlich kann dieses Feature jedoch überzeugen.
Das Handbuch unterscheidet sich von den üblichen Hochglanzprodukten deutlich. Dieses Mal ist es im Originalstil der 40er Jahre gehalten und nicht nur das: auch der Inhalt ist zur Hälfte ein Abdruck des Originalhandbuchs der Engländer. Die andere Hälfte besteht aus den Beschreibungen der einzelnen Modelle sowie Hinweise zur Installation, Problembehebung und Erklärung des FS-Instrumentenbretts. Außerdem wird auch erklärt, wie man die Spitfire fliegen muss.
Das Handbuch hat mir sehr gut gefallen, die Aufmachung erlaubt einen Rückblick in die Zeiten der Wardbirds.

Fazit:
Ein dermaßen umfangreiches Paket wurde selten gesehen. Das Paket besteht aus extrem viele Modellvarianten mit eigenen Geräuschen und Instrumentenbrettern. Mein erster Eindruck war begeistert: die Modelle sahen super aus, die Texturen waren detailliert und das Panel wies ebenfalls keine Fehler auf. Bei genauerem Hinsehen jedoch stechen kleinere Fehler ins Auge, beispielsweise die Farben der Texturen und kleinere Ungenauigkeiten bei den unterschiedlichen Modellen. Wie problematisch man das sieht, muss der Käufer natürlich selber entscheiden. Kritisiert werden muss auf jedem Fall das 3D Panel. Für einen Fighter sind die Instrumente viel zu langsam, das Erscheinungsbild könnte etwas harmonischer sein.
Es bleibt also zu sagen, dass das Paket insgesamt einen guten Eindruck hinterlässt, Kenner des Fliegers und FS-Piloten mit hohen Ansprüchen werden jedoch einige Ansätze zur Kritik finden. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist aber in Ordnung. 9 von 10 Sternen für viel Flugspaß mit kleinen Fehlern.


Detaillierte Bewertung

Pro:
- detaillierte Modelle
- qualitativ hochwertige Texturen
- viele Geräuschvarianten
- schönes Handbuch & Video Tutorial
- schöne Animationen
- Flugdynamik macht Spaß
- Performance

Kontra:
- kleinere Fehler bei den Modellen (was die Umsetzung des Originals angeht) und Farbfehler bei den Texturen
- Instrumente im 3D Cockpit sind zu langsam


Review zum Konkurrenzprodukt von RealAir: Klick!

Mehr Infos und kauf bei www.justflight.com


Jorin Bonney für flugsimulation.com | Jorin im Impressum

 

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