NewsReviewsArtikelRubrikenAirlinersearchForumImpressum

Review: Freeware Junkers Ju52/3

Bild

Die „Tante Ju“ oder die Junkers Ju52/3

Die deutsche Firma Junkers plante zum Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein einmotoriges Transportflugzeug für Buschpiloten, also für Gegenden mit geringer Infrastruktur. Es sollte dort große Frachtmengen oder Passagiere befördern können, wo kaum Straßen waren, und dies mit dem geringst möglichen Wartungsaufwand. Kaum hatte dies das Reichswehrministerium (RWM) spitzgekriegt, meldete es Interesse an dem Projekt an, und so wurden die Maschinen von Beginn an auch für militärische Zwecke geplant. Das lässt vermuten, dass die charakteristischen drei Propeller auf Druck des RWM eingebaut wurden, aber auch die Lufthansa bat darum, und so lies man den zunächst favorisierten Plan einer Einmot fallen und baute die Version mit drei Motoren.
Nachdem die Serienproduktion 1932 angelaufen war, wurde die Ju52 schnell in der ganzen Welt heimisch – besonders in Afrika, Südamerika und Asien. In Europa kam bald die Konkurrenz mit der DC-2 und –3 aus den USA auf den Markt, die noch billiger im Betrieb waren als die Ju52.
Spätestens 1934 kamen die meisten Bestellungen aus militärischen Bereichen, und die Ju52 wurde bei der Luftwaffe das Standardflugzeug für den Transport von Gütern, Luftlandetruppen oder als Behelfsbomber.
Fakt ist, dass von knapp 5000 Bestellungen, 4500 Flugzeuge an das Militär gingen.
Die letzten Ju52 wurden 1998(!) in der Schweizer Luftwaffe ausgemustert, aber bis heute fliegen noch viele „Tanten“ – die Lufthansa besitzt immer noch eine für Museumsflüge (D-CDLH, früher D-AQUI).

Download und Installation:

Downloadlink: http://library.avsim.net/download.php?DLID=117786
Manuallink: http://flusi.info/files/Readme&Manual_Ju52_V.2.pdf
Die „Tante Ju“ von O. Fischer existiert seit 2004, die hier beschriebene Version seit Weihnachten 2005. Sie gibt es zwar eigentlich nur für den FS2004, allerdings funktioniert sie mit kleinen Einschränkungen auch im FSX.
Der Download kann via Avsim getätigt werden und gestaltet sich wie gewohnt problemlos. Allerdings braucht es schon seine Zeit um die 35 Megabyte vom chronisch überlasteten Avsim-Server zu ziehen.
Entpackt man die Datei, so wird man erst mal von einer .exe Datei freudig überrascht, die dem Benutzer zwei Sprachen zur Installation anbietet (Deutsch und Englisch). Das einzige was man somit noch machen muss, ist den Installationspfad anzugeben, und prompt hat man Die Ju52 zur Verfügung, sowie ein kleines Manual in Form eines pdf-Dokumentes.

Lesefutter:

Das vier Seiten „starke“ Manual, das eher als Readme zu verstehen ist, wurde in zwei Sprachen verfasst. Darin beschrieben ist die Entwicklungsgeschichte der Junkers Ju52/3, ihrer technischen Daten, und als letztes wird jedes Instrument, jeder Hebel, jeder Schalter im Cockpit benannt.
Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Handbuch, das separat heruntergeladen werden kann, in dem allerdings nur die Neuerrungen von Version 2 beschrieben werden. Alles andere ist mit dem Handbuch identisch, das mit dem Flieger heruntergeladen wird.

Außenmodell, Texturen und Animationen:

Das erste, was dem virtuellem Piloten auffällt, wenn er das Flugzeug aufruft, ist, dass ihm fünf historische Bemalungen geliefert werden:
• British European Airways (G-AHOF)
• Lord Charles Somerset der South African Airways (ZS-AFB)
• Lufthansa (D-ABIK)
• Willhelm Cuno der Lufthansa (D-ASIS)
• Lufthansa – XI Olympiade (D-ALYL)
(Auf Avsim.com gibt es noch einige Liveries mehr zum Download)
Die Proportionen des Außenmodells sind stimmig, wie man es von Bildern her kennt. Die drei Motoren sind keineswegs zu klein, nur die Propeller scheinen ein wenig zu filigran. Die Antriebsaggregate wurden sehr realistisch umgesetzt, man kann die Sternmotoren problemlos wiedererkennen, und durch das winzige BMW Logo ist auch das Fabrikat sofort klar. Selbiges gilt für die Propeller, auf denen jeweils ein Junkers Logo platziert wurde. Die Auspuffrohre sind genauso modelliert wie Staurrohreinlässe und einiges mehr. Die Landescheinwerfer wurden ebenfalls nachgebildet und fahren beim Anschalten aus und beim Ausschalten wieder in den Flügel ein; dementsprechend „wandert“ das Licht in der Nacht über den Boden. Die Klappen fahren darüber hinaus sehr harmonisch aus.
Die beiden Piloten bewegen die Hände wenn man die Steuerungen bewegt - durch das gläserne Dach der Ju52 kann man sehen wie der FO den Schubhebel bewegt. Bedient man die Pedale, dann drehen beide Piloten den Kopf in die entsprechende Richtung. Und auch so manch anderes Bedienelement des Flugdecks wurde in der Außenansicht umgesetzt, zum Beispiel die Gemischregler.
Bei der Landung sieht man wunderbar, wie das Flugzeug auf der Federung des Fahrwerks kurz schaukelt. Für mich ist dies eine ganz neue Erfahrung.
Wir haben es mit einem wunderbaren Außenmodell zu tun, lediglich die Texturen sind beim Heranzoomen schnell unscharf – schade.
Die Fenster der Kabine sind wunderbar durchsichtig und geben den Blick auf die Kabine frei.

Bild

Beleuchtung:

Nachts wird die Kabine wie auch das Cockpit sehr hübsch beleuchtet, die Farben wirken nicht grell aber auch nicht blass, genau richtig. Schaltet man die Beleuchtung ein, sieht man wie in der Kabine der Reihe nach die Lampen angehen. Jedoch kann man nachts Lücken im Modell erkennen, zwischen Flugdeck und Kabine.

Bild

Bild

Virtuelles Cockpit & Kabine:

Das virtuelle Cockpit ist sehr scharf texturiert, und die Texturen stimmen auch in der Farbe. Hier und da sind auch Rostspuren zu sehen, die Tante Ju ist eben nicht mehr die Jüngste. Die Gauges sind hier wunderbar anzusehen, jedoch ist deren Ablauf etwas ruckelig, was das Fliegen nicht gerade erleichtert. Doch es dreht und bewegt sich alles im Cockpit, auch die Tür vom Cockpit zur Kabine lässt sich öffnen. Ich kenne kaum ein vergleichbar gutes VC – ob im Freeware- oder im Paywarebereich. Die Kabine mit ihren Sitzen, Gepäckfächern und Feuerlöschern wurde sehr schön modelliert, wenn auch die Texturen bezüglich Schärfe etwas abfallen.

Bild

Bild

2D-Panel und Systemtiefe:

Das Panel wurde auf einer normalen Bitmap erstellt und sieht ordentlich aus, man kann Gebrauchsspuren sowie Rostspuren entdecken, und es verfügt über einige Unterpanele, wie GPS, Funk usw. Ich finde es sind jedoch zu wenige, um alles ordentlich darstellen zu können. Zu oft musste ich im VC auf den Sitz des zweiten Offiziers wechseln um dort die Pumpen zu bedienen. Die Zünder sind gar nicht im 2D Panel enthalten, man kann sie nur im 3D Cockpit bedienen.
Die Instrumente wurden, wie es damals üblich war, alle in metrischen Angaben beschriftet – Höhe in Kilometer, Geschwindigkeit in Kilometer pro Stunde. Es ist schon lustig wenn man auf den Altimeter sieht und erst mal denkt man wäre nur auf 1000 Fuß (ich habe einen mords Schrecken bekommen), aber 1932 hatte sich das System von heute noch nicht durchgesetzt – also: realistisch. Sonst ist von Systemtiefe nicht viel zu spüren, was bei einer solchen Maschine wahrscheinlich sogar der Realität entspricht. Sie wurde sehr einfach gehalten. Es werden Dinge simuliert wie automatische Zünder, Magnete und die Einspritzpumpen.

Flugeigenschaften:

Durch das Spornrad kann die Ju52 nicht normal gelenkt werden, dies geschieht mit Differentialbremsen - ein durchaus bekanntes System. Wie bei allen Spornradflugzeugen kann der (virtuelle) Pilot nur schlecht nach vorn sehen, was allerdings ein wenig durch das lichte Flugdeck erleichtert wird.

Bild

Man merkt in der Luft sofort, dass die Ju52 ein altes Flugzeug ist. Sie ist nicht schnell, erreicht gerade einmal circa 250km/h, und durch die langen und breiten Flügel hat sie einen großen Kurvenradius (ohne das Seiteruder zu benutzen ist dem Flugzeug die Querlage geradezu egal), und wenn sie in den Kurven nicht schnell genug ist, dann rutscht sie regelrecht herunter. Allerdings ist die Höhensteuerung sehr empfindlich, und die Klappen bewirken eine kurze Start- und Landestrecke (STOL).
Wenn man bedenkt wie alt die Maschine ist und wie die Flügel gebaut sind, dann habe ich das Gefühl, dass die Flugdynamiken passend umgesetzt wurden.

Sound:

Leider durfte ich noch keiner echten Ju52 lauschen, doch in Anbetracht der vielen Videos im Internet erscheint mir der Sound nur eins: realistisch. Das Brummen der Sternmotoren ist einfach ein Festmahl für Liebhaber der Bayerischen Motorenwerke. In der 3D-Welt des Fliegers hört man es auch bisweilen klappern, und beim Landen das Fahrwerk quietschen. Die Klappen haben ebenfalls einen knarrenden Sound geschenkt bekommen. Man könnte vielleicht bei hohen Geschwindigkeiten ein Pfeifen vom starren Fahrwerk vermissen, aber das wäre kleinlich.

Performance:

Ich glaube das sollte ich jemand anders überlassen, aber auf meinem Rechner mit Baujahr Urknall (1,6Ghz Prozessor, 1Gb Ram) habe ich nur im Virtuellen Cockpit Frame-Einbrüche zu beklagen gehabt. In der Außenansicht, in der Kabine und im 2D-Cockpit hatte ich meine gelockten 20FpS, im virtuellen Cockpit dagegen hatte ich nur 15. Insgesamt also ein sehr framerate-freundliches Flugzeug.

Fazit:

Oliver Fischer hat uns hier mit einer wahren Freewareperle beschenkt. Die kleinen Makel gehen in all der Pracht unter. Durch das nur magere Handbuch ist es allerdings schwer einen langen Flug zu unternehmen – man sollte versuchen, sich im Internet zusätzliche Informationen zusammen zu suchen. Aber für alle Piloten, die Szenerien nur auf die Schnelle per Sichtflug erkunden wollen, ist die Ju52 eine tolle Alternative.

Bild

Pro und Contra:

+ Außenmodell
+ viele Details
+ Sound
+ Virtuelles Cockpit
+ Beleuchtung
+ Animationen
+ Sound
+ Performance

- Handbuch
- Texturen
- Gauges im VC

 

 

David Kusserow für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 11.03.2009 | Counter: 6289 Besucher

Kommentare
von Humphrey Jones
geschrieben am 07.02.2010 um 15:39:06
Die beste JU52 mit sehr vielen Details. Die käuflichen Versionen bieten nicht so viele Features, wie dieses Freimodell. Spitze.
Da macht das fliegen im Cockpit dreimal so viel Spaß
von CeHaeN
geschrieben am 12.03.2009 um 11:55:26
Diesen Eindrücken schließe ich mich an. Altmetallfans bekommen hier ein tolles Stück Freeware für ihren Hangar und andere Schreibtischpiloten könnten damit auch ihre Freude haben.

 

Kommentar schreiben
Name:*
E-Mail:*
Kommentar:*
Max. 1000 Zeichen
Bitte abtippen:*


Die eMailadresse wird nur intern verwertet und nicht an Dritte weitergegeben!

Vereinbarung über die Nutzung des Kommtarbereichs:
Mit dem Abschicken seines Kommentars aktzeptiert der Autor, keine Inhalte mit illegalen Inhalten zu posten, speziell auch nicht mit solchen, die auf File-Sharing von Payware hinweisen. Solche Kommentare könnten auch den Herstellern gemeldet werden. Die IP-Adresse des Posters wird in der Datenbank gespeichert.