Review: Feelthere ERJ-145 Pilot in Command

Vorwort
Der Entwurf des 45/48sitzigen ERJ-145 (damals noch EMB-145) wurde zum ersten Mal
im Juni 1989 auf der Pariser Luftfahrtschau angekündigt. Grundlage für dieses
neue Muster war der 1979 entwickelte Turboprop EMB-120 ‚Brasilia’. Um die
Entwicklungskosten gering zu halten, sollte das neue Flugzeug sogar zu 75% mit
der Brasilia übereinstimmen.
Allerdings warf diese Konfiguration erhebliche Mängel auf, sodass der gesamte
Entwurf 1991 überarbeitet werden musste. Bis zum eigentlichen Jungfernflug am
11. August 1995 wurden zahlreiche Änderungen an dem ERJ vorgenommen: Die
Triebwerke wurden von den Flügelunterseiten an das Heck der Maschine verlegt und
auch der ursprüngliche, trapezförmige Tragwerksentwurf musste modifiziert
werden.
Im Februar 1993 gab EMBRAER die Programmpartner PARKER HANNIFIN (USA) und GAMESA
(Spanien) bekannt, die sich unter anderem um die Kontroll- und Tragflächen,
Triebwerkszellen und um Teile der Bordsysteme kümmern sollten.
Auch heute noch, fast 10 Jahre nach dem Jungfernflug 1995, ist der ERJ eines der
modernsten Regionalflugzeuge: Das Cockpit der Maschine beinhaltet modernste
Avionik - samt FMC - und computergesteuerte beziehungsweise –überwachte Systeme
wie z. B. FADEC (System zur Überwachung und automatischen Anpassung von
Triebwerksparametern), sodass sie – meiner Meinung nach – durchaus mit modernen
Konkurrenten wie beispielsweise dem Airbus A318 mithalten kann.
Vor kurzem veröffentlichte dann die Softwareschmiede FEELTHERE (www.feelthere.com)
eine überarbeitete Version ihres Vorgängerproduktes ERJ-145SE (welcher lediglich
ein Außenmodell und ein Soundset enthielt): den ERJ-145 Pilot in Command.
Ob dieses Produkt einen genau so fortschrittlichen Eindruck macht wie das reale
Vorbild, wird in diesem Testbericht geklärt werden.
ERJ-145 in der Realität
Technische Daten:
| Typ | 45/48-sitziger Regionaljet |
| Länge | 29,87 m |
| Höhe | 6,75 m |
| Spannweite | 20,04 m |
| Tragflügelfläche | 51,19 m² |
| Triebwerke | 2 Allison AE3007 Mantelstromtriebwerke mit je 3.195kp Schub |
| Höchstgeschwindigkeit | 830 km/h |
| Dienstgipfelhöhe | 11.280 m |
| Reichweite | 2.650 km |
| Leergewicht | 11.084 kg |
Bilder:
http://www.airliners.net/open.file/741975/L/
http://www.airliners.net/open.file/734366/L/
http://www.airliners.net/open.file/472407/L/
Videos:
http://www.flightlevel350.com/picwindow.php?cat=78&pic=11933
http://www.flightlevel350.com/picwindow.php?cat=122&pic=1319
Kauf, Installation & Sonstiges
Die ERJ ist in zwei Versionen verfügbar: als Download und als CD-Version von WILCO (www.wilcopub.com).
Bestellen kann man den Flieger aber natürlich auch unter
www.feelthere.com; dort
kostet die reine Download-Version 35 US Dollar – dies ist in der Tat ziemlich
viel für all diejenigen, die in den Genuss dieses Reginaljets kommen möchten!
Nachdem der Geldtransfer dann erfolgt ist, muss man einen circa 40 MB großen
Base-Installer herunterladen. Die Installation des ERJ ist extrem einfach,
sozusagen – pardon - idiotensicher: Man muss lediglich den Anweisungen auf dem
Bildschirm folgen!
Löblicherweise wird weder ein Registriercode noch das Vorhandensein eines
Internetanschlusses vorausgesetzt; man kann das Produkt also so oft
installieren, wie man möchte – und zwar ohne in irgendeiner Form daran gehindert
zu werden!
Nach einer erfolgreichen Installation kann man die Maschine im FS9 unter Embraer
- feelThere auswählen.
ACHTUNG: Um sicherzugehen, dass man die neuste Version auf seinem Rechner
installiert hat, sollte man sich alle drei (!) Service Packs von der
Feelthere-Homepage herunterladen!
Umfang
Im Paket enthalten sind vier verschiedene Modellvarianten des
ERJ-145-Regionaljets (2D Panel / 2D-Panel & Wingviews / 2D-Panel, Wingviews &
virtuelles Cockpit / 2D-Panel, virtuelles Cockpit & virtuelle Kabine), die sich
jeweils in der Hausbemalung des Softwareschmiede fliegen lassen, ein
hochrealistisches Cockpit mit akkurater Systemsimulation (beispielsweise Flight
Management Computer – im Folgenden nur noch FMC genannt), ein voll bedienbares
virtuelles Cockpit, eine virtuelle Kabine, ein eigenes Soundpaket, eine präzise
umgesetzte Flugdynamik, ein Programm zum Bearbeiten der Flugzeug- und
Cockpitkonfiguration sowie eine ausführliche Dokumentation.
Feelthere bietet zwar einen stolzen Preis, aber dafür auch ein Komplettpaket mit
allen erdenklichen Raffinessen & Features. Wie ausgereift diese nun wirklich
sind, werde ich in diesem Testbericht zu erklären suchen.
Tip: Zusätzliche Bemalungen findet man auf der Homepage und auf
www.regional-jets.de!
Außenmodell
Wie es von Feelthere nicht anders zu erwarten war, so hat man auch bei der ERJ
hervorragende Arbeit hinsichtlich des Außenmodells geliefert! Zwar ist es nicht
überdetailliert, macht aber dennoch einen hochrealistischen Eindruck: So stimmt
die Form der Simulatornachbildung beispielsweise zu einhundert Prozent mit der
Realität überein. Auch Ecken und Kanten findet man selten; lediglich die
Triebwerke fallen ein wenig aus der Reihe, da man hier wohl nicht so genau
gearbeitet hat. Dies ist zwar keine Katastrophe, jedoch wäre es schön gewesen,
wenn man die „Liebe zum Detail“ kontinuierlich beibehalten hätte.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die ziemlich unglückliche Modellierung hinter dem
Einstieg; hier scheint etwas leider nicht zusammenzupassen, da man bei genauerem
Hinsehen einen mikroskopisch kleinen, aber dennoch sichtbaren Schlitz beobachten
kann.
Ansonsten gibt es aber nichts zu bemängeln: Antennen, Messrohe und auch
Vortex-Generatoren – alles ist da, wo es auch in der Realität zu finden ist!

Animationen
Eigentlich bräuchte man an dieser Stelle nur zu erwähnen, dass die Animationen
auf dem neuesten Stand der Technik sind. Der Vollständigkeit halber möchte ich
diese Aussage dennoch etwas präzisieren: Der ERJ verfügt über animierte
Steuerflächen (Quer-, Höhen- & Seitenruder), Landeklappen, Spoiler (Speedbrakes),
Fahrwerksklappen, Reifen, Triebwerksschaufeln, Schubumkehrklappen und einen
ausfahrbaren Einstieg.

Texturen
Die Texturen befinden sich auf demselben Niveau wie schon das Außenmodell und
die Animationen. Sie sind zwar gut, aber nicht wirklich weltbewegend und somit
auch kein echtes Highlight. Der Begriff „solide“ trifft die Qualität der
Bemalungen recht gut – sie sind zwar nicht überdetailliert und werden bei
starkem Heranzoomen leicht unscharf, vermitteln aber durch den geschickten
Einsatz von Licht- und Schatteneffekten eine sehr große Realitätsnähe!
Die Nachttexturen sind allerdings kein Highlight; nun gut, in der tiefsten Nacht
sieht man nicht besonders viel – trotzdem hätte man hier ein wenig besser
arbeiten können! Besonders schade finde ich, dass weder das De-Icing-Light noch
das Logo-Light mit den entsprechenden Switches im Cockpit gekoppelt sind (diese
sind lediglich Dummies).
Aber wie heißt es noch so schön? Perfekt ist eben nichts. Natürlich sind die
Nachttexturen nicht wirklich schlecht – aber wie gesagt, wirklich innovativ
beziehungsweise auffallend gut sind sie nicht.
2D-Panel
Widmen wir uns nun dem Herzstück des Produktes: dem Cockpit.
Schon beim ersten „Betreten“ beziehungsweise Laden der Maschine stellt man
erfreulicherweise fest, dass hier eine hervorragende Arbeit von Seiten
Feeltheres geleistet worden zu sein scheint. Sämtliche Hintergrundbitmaps – so
steht es jedenfalls auf der Homepage – wurden aus tausenden von Bildern zu einem
hochqualitativen Ganzen zusammengefügt. Der Photorealismus hat allerdings auch
seinen Preis: Nicht immer sind Beschriftungen gut lesbar – vor allem im Bereicht
des Overhead-Panels musste man in einigen Fällen schon zweimal hinsehen! Nun
kann es auch daran liegen, dass ich „nur“ einen 17-Zoll-Monitor besitze; jedoch
wäre es natürlich schön gewesen, wenn auch solche User eine reelle Möglichkeit
hätten, Cockpitbeschriftungen beim ersten Ansehen entziffern zu können. Aber wie
gesagt, mit einem scharfen Blick und einiger Kenntnis der Maschine fällt dieser
Punkt dann nicht mehr so stark ins Gewicht.


Das Mainpanel des ERJ kann wahrlich als „Glass-Cockpit“ bezeichnet werden: Drei
von Insgesamt fünf Bildschirmen (zwei weitere befänden sich auf dem F/O-Panel)
prägen das Bild. Sogar die Standby Instrumente wurden in digitalisierter Form
implementiert! Die einzigen analogen Anzeigen sind doch tatsächlich der
Standby-Compass und die Uhr ;). Besonders hervorzuheben seien hier noch die RMU
(Radio Management Unit), die sozusagen vollkommen den üblichen „Radio-Stack“
ersetzt, und das mittlere MFD (Multi Function Display), welches nicht nur als ND
(Navigation Display) dient, sondern auch – wie der Name schon sagt – je nach
Wunsch des Piloten verschiedene Status-Pages anzeigen kann.
Oberhalb des Mainpanels, auf den sogenannten „Glareshield“, befinden sich zum
einen verschiedene Einstellmöglichkeiten für die Displays, Switches für die
Cockpitbeleuchtung (hier kann man zwischen zwei Varianten wählen!) und – das
Wichtigste – der Autopilot.
Dieser unterscheidet sich vollkommen von den simplen Umsetzungen der
Standard-Maschinen und bietet gleichzeitig noch sehr viel Komplexität, sodass
ein ausführliches Studium der Dokumentation vor allem für einen „Umsteiger“ von
allerhöchster Priorität sein wird! Genauere Informationen über die
Funktionsweise des Autopiloten finden sich im Test der Flugeigenschaften!
Nun gut, das ERJ-145-Cockpit besteht natürlich nicht nur aus dem Mainpanel; über
eine kleine Icon-Liste am unteren Rand des Cockpits oder über die altbewährte
Tastenkombination SHIFT + X erhält man Zugang zu weiteren Subpanels.

Sehen wir uns also nun einmal das Overhead-Panel an: Dieses ist in der Tat sehr
komplex und verlangt – so man den ERJ denn möglichst realitätsnah fliegen möchte
– ein ausführliches Studium des Handbuchs.
Leider habe ich an dieser Stelle mehrere Dummy-Switches gefunden: So wurden
beispielsweise die Fire-Shutoff-Swichtes oder manche Lichtschalter nur
aufgezeichnet, sofern man dies in einem photorealistischen Cockpit so nennen
darf.

Herzstück des ERJ-Cockpits ist natürlich der FMC (Flight Management Computer).
Im Gegensatz zu Feeltheres Vorgängerprodukt, dem CRJ, wurde dieser FMC – so weit
ich das als „Nicht-ERJ-Pilot“ dank der Hilfe einiger Real-Piloten beurteilen
kann - einigermaßen vollständig umgesetzt.
Auch hier gilt natürlich wieder im Bezug auf die Dokumentation: Wer liest ist
schlau. Wer viel liest ist schlauer. Und wer dann noch mehr liest, der kann dann
sogar dem FMC umgehen ;).

Werfen wir nun einen Blick auf die „Mittelkonsole“ des ERJ: Da die oben erwähnte
RMU vieles vereinfacht, ist diese natürlich recht „sparsam“ beziehungsweise
klein ausgefallen. Dies ist aber natürlich auch in der Realität so!
In der Mitte der Mittelkonsole befinden sich die zwei Schubhebel, welche zwei
kleine Besonderheiten aufweisen: Es gibt zum einen keine „Einige-Cutoff“-Position,
denn der gesamte Start- und auch Shutdown-Vorgang wird von FADEC (Full Authority
Digital Electronic Control) überwacht und kann somit durch das Betätigen eines
einzigen Schalters (natürlich pro Triebwerk ;) getätigt werden. Das manchmal
etwas lästige Betätigen der Fuel Levers entfällt dadurch vollkommen.
Dann gäbe es da noch den so genannten „Gust Lock“, der vor dem Takeoff unbedingt
entriegelt werden muss! Dieser verhindert beim Rollen, dass die Schubhebel durch
eine Unachtsamkeit der Piloten versehentlich zu weit nach vorne geschoben werden
und garantiert dadurch ein sicheres Rollen.
Direkt unter den Schubhebeln befinden sich die Einstellmöglichkeiten für das
Thrust-Rating, die Überwachung der Stall-Protection und die Parkbremse.
Natürlich sind auch die Landeklappen- und Spoilerhebel vollkommen bedienbar;
allerdings sei noch erwähnt, dass man den Speed-Brake-Lever während des Anfluges
nicht wie gewohnt in die ARMED-Position schieben kann. Dies ist auch gar nicht
notwendig, da die Systemlogik des ERJ die Spoiler nach dem Aufsetzen automatisch
ausfährt. Wir sehen also, dass wir es mit einem sehr eindrucksvollen Fall von
künstlicher Intelligenz zu tun haben!
Airbus-Piloten werden sich mit Sicherheit auch über den mit TO CONFIG
CHECK-beschrifteten Knopf freuen, mit dem man die Flugzeugkonfiguration vor dem
Start noch einmal überprüfen kann/muss.

Als letztes gäbe es da noch das Pressurization Panel; der Name ist allerdings
selbsterklärend, sodass ich an dieser Stelle nicht allzu viele Worte verlieren
möchte!
Auch die Soundkulisse des Panels ist wirklich gut gelungen! Ob es sich hierbei
nun um das Hochfahren der APU, das Surren der Avionik oder um akustische, auf
Missstände hinweisende Warnsignale handelt; dieses Cockpit lässt wirklich nichts
zu wünschen übrig!
Zusammenfassend kann ich eigentlich nur eines sagen: Die Umsetzung dieses
Cockpits kann sich wirklich sehen lassen! Nicht nur der Look, sondern auch die
Komplexität und die Systemtiefe sind eine Herausforderung beziehungsweise
Abwechslung für jeden virtuellen Piloten! Natürlich gibt es hier und da eine
kleine Unstimmigkeit, aber nobody is perfect!
Zum Abschluss dieser Sektion hier noch ein paar Impressionen der eindrucksvollen
Nachtbeleuchtung:


Virtuelles Cockpit
Das virtuelle Cockpit der Maschine sieht auf den ersten Blick recht passabel und
angenehm aus – zudem ist es vollständig bedienbar, was für „2D-Muffel“ wohl von
großer Bedeutung sein dürfte. Alle fünf Displays des Mainpanels lassen sich
übrigens per Mausklick vergrößert darstellen!
Jedoch finden sich an vielen Stellen recht unscharfe Texturen – vor allem die
Textur des Circuit-Breaker-Panels sieht verwaschen aus und möchte nicht so
richtig ins Bild passen; ebenso „unschön“ ist das verwackelte und wellig
aussehende Overhead-Panel. Die schlechte Auflösung der Texturen schlägt sich
natürlich sofort auf die Ablesbarkeit von Beschriftungen und auch einigen
Instrumenten nieder, was das Fliegen aus der 3D-Perspektive ziemlich umständlich
machen dürfte!
Was ich auch noch vermisse ist etwa ein Cockpit-Flood-Light, denn die
eigentliche Nachtbeleuchtung ist für meinen Geschmack etwas zu schwach geraten.



Virtuelle Kabine
Wer einen starken Rechner hat oder sich mit mehr oder weniger schlechten
Bildwiederholraten zufrieden geben kann, sollte ruhig einmal einen Blick in die
virtuelle Kabine des 50sitzigen Regionaljets werfen, denn diese sieht –
erfreulicherweise – sehr realistisch aus und erreicht durchaus die Qualität der
in der PMDG 737 enthaltenen virtuellen Passagierkabine. Zwar wird, wie ich oben
schon geschrieben habe, die Performance durch das Vorhandensein einer solchen
Passagierkabine relativ stark beeinflusst; jedoch hat man ja die Wahl zwischen
vier verschiedenen Außenmodellvarianten, was Feelthere löblicherweise hoch
angerechnet werden muss!

Sound
Wenn ich das richtig verstanden habe, so handelt es sich bei dem mitgelieferten
Soundpaket um eine aufgebesserte Version des Sounds von Aaron Swindle. Sämtliche
Cockpitgeräusche wurden im realen Flugzeug aufgenommen und digitalisiert in die
Simulatornachbildung implementiert. Was sich hier nach Qualität anhört, kommt im
FS auch als pure Qualität an: Die Geräuschkulisse vermittelt dem virtuellen
Piloten sowohl in der Außenansicht als auch im Cockpit ein sehr realitätsnahes
Gefühl. Vom Rauschen der Triebwerke über die APU bis hin zur Klimaanlage: Hier
vermisst man nichts!
Was mich jedoch ein klein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass die Startup-
& Shutdown-Geräusche der Triebwerke aus Freeware-Paketen zu stammen scheinen und
somit nicht den typischen Klang einer Allison AE3007-Startsequenz vermitteln,
sondern eher die eines JT8-D-Triebwerkes.
Flugeigenschaften
Aber was wäre schon eine Flugzeugnachbildung ohne anständige Flugeigenschaften?
Genau, es wäre schlicht und einfach sein Geld nicht wert. Um es aber vorweg zu
nehmen: Dies ist bei Feeltheres ERJ-145 ganz und gar nicht der Fall!
Schon beim Rollen spürt man, dass hier genau gearbeitet worden sein muss: Die
Maschine rollte mit relativ wenig Schub los und lässt sich angenehm am Boden
steuern. Allerdings merkt man bei höheren Rollgeschwindigkeiten, dass das Force
Feedback ein wenig zu stark eingestellt zu sein scheint; aber dies ist ja
wahrlich kein Weltuntergang.
Der Takeoff verläuft relativ einfach: Man bringt die Schubhebel ganz nach vorne
(FADEC hält den Schub automatisch auf dem errechneten Level) und hält zuerst die
Richtung mit dem Seitenruder, wobei man hier erhebliches Feingefühl mitbringen
muss, da dieses sehr schnell anspringt und der ERJ sonst leicht von der Runway
abzubringen ist. Die Beschleunigung ist übrigens extrem, sodass man sehr schnell
80 Knoten beziehungsweise V1 erreicht hat.
Wenn der Start bis dahin ohne besondere Vorkommnisse verlaufen ist, so brauch
man lediglich noch VR abzuwarten, um den Flieger mit einem leichten Zug am
Steuerhorn in die virtuellen Lüfte zu heben.
Und das positive Feeling setzt sich auch dort fort: Der ERJ lässt sich sehr
angenehm und präzise fliegen; er reagiert zwar schnell, aber keineswegs nervös,
sodass das Fluggefühl des realen Vorbildes sehr gut nachempfunden werden kann!
Ebenso hervorragend wie die Flugeigenschaften selbst wurde auch der Autopilot
umgesetzt: Er fliegt sämtliche eingestellten Parameter präzise und mit sanften
Steuerflächen-Ausschlägen ab.
Eine Schubkontrolle in dem Sinne gibt es in diesem Flugzeug – wie in der
Realität eben - allerdings nicht; eine Speed-Hold-Function, die die Steig- bzw.
Sinkrate anpasst, um eine voreingestellte Geschwindigkeit zu halten, ist
allerdings schon vorhanden!
Selbst ILS-Anflüge sind für den Autopiloten – bei entsprechender Planung – kein
Problem. Das Einfangen des Localizers läuft einwandfrei und auch der Übergang
zwischen dem AP-gesteuerten und dem manuellen Flug ist extrem sanft und kaum
spürbar, sodass dem virtuellen ERJ-Kapitän an dieser Stelle wohl keine bösen
Überraschungen drohen!
Nach dem Aufsetzen fahren die Spoiler automatisch aus – während der Ausrollphase
sollte man wieder sehr „behutsam“ mit dem Seitenruder umgehen, da sich der ERJ
auf einer Wiese einfach nicht so gut steuern lässt wie auf Asphalt ;)
Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Flugeigenschaften einen hervorragenden
Eindruck bei mir hinterlassen haben! Und so sollte es sein.

Performance
Da man die Anzeigequalität des Cockpits individuell einstellen kann und es
darüber hinaus doch tatsächlich vier (!) Flugzeugvarianten in unterschiedlich
detaillierter Ausführung gibt, sollte es mit der Performance keine Probleme
geben!
Aus Testgründen habe ich mich jedoch für die Version mit virtuellem Cockpit und
virtueller Kabine entschieden, da diese die Bildwiederholrate am meisten
beeinflussen soll; und trotzdem erhielt ich beim Anflug auf den Flughafen von
Seattle noch recht passable Frameraten!
Genaue Informationen und Daten zur Performance finden sich in der detaillierten
Bewertung!
Zusatztools
Wie ich eingangs schon geschrieben habe, so hat man dem ERJ auch ein Programm
zur Konfiguration diverser Parameter beigefügt. Unter anderem kann man durch
geschicktes Einstellen verschiedener Cockpit-Parameter und Instrumenten-Grafiken
auch eine verbesserte Bildwiederholrate erreichen (beispielsweise durch das
Begrenzen der Cockpit-Display-Wiederholraten oder das Ausschalten des
Line-Antialiasing).
Weitere Funktionen dieses Programmes sind beispielsweise auch die Regelung der
Cockpitansagen-Lautstärke und die Auswahl eines Ladezustandes, wobei sich der
User hier zwischen „cold and dark“, „ready to start engines“ oder „engines
running“ wählen kann.
Das Beladen der Maschine ist mit diesem Tool leider nicht möglich – allerdings
ist diese relativ leicht über das FS-Menü zu regulieren.

Dokumentation
Die Frage, ob Feelthere eine ausreichende Dokumentation mitgeliefert hat, kann
an dieser Stelle mit ja beantwortet werden. Allerdings ist die Aufteilung in 13
(!) einzelne Handbücher nicht sehr vorteilhaft – hier hätte man besser ein
großes „Universal-Handbuch“ erstellt. Aber jede Methode hat ihre Vor- und
Nachteile, sodass ich mich nicht länger daran aufhalten möchte. Aufteilen lassen
sich die Handbücher wie folgt:
a) Quick Start
b) Quick Reference Handbook
c) Aircraft Overview
d) Performances and Speeds
e) First Flight
f) Air Conditioning and Pneumatic
g) Anit-Icing System
h) APU
i) Autoflight
j) FADEC
k) FMS Guide
l) Fuel System
m) RMU
Alle Handbücher weisen eine gute Qualität auf, auch wenn jeweils ein
Inhaltsverzeichnis fehlt. Man muss sich die geeigneten Seiten also selbst
heraussuchen – aber das ist auf Grund der Aufteilung in viele kleine Handbücher
nicht wirklich tragisch.
Die Frage nach einem Tutorial kann ich nicht eindeutig beantworten: Es gibt zwar
kein ausführliches Tutorial in dem Sinne, aber wenn man QUICK START, FIRST
FLIGHT und QUICK REFERENCE HANDBOOK analog abarbeitet, so kann man sich für den
Anfang ein relativ gutes Bild über den ERJ machen.
Insgesamt werden 99 Seiten Dokumentation mitgeliefert, was eigentlich vollkommen
ausreichen sollte. Was mir allerdings gefehlt hat, waren Flugvorbereitung und –Durchführung
betreffende Angelegenheiten: Wo ist beispielsweise die Fuel Planning Chart? Die
einzige Alternative hierzu war dann doch, das beliebte Freeware-Tool „Keroplan“
von Mario Fiebig zu Rate zu ziehen…

Support
Support findet man – wie es ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten war –
auf der Homepage beziehungsweise im Forum von Feelthere:
http://www.iemit.com/forum.
Fragen und Anregungen werden dort freundlich und ohne um den „heißen Brei“
herumzureden beantwortet. Besonders freundlich empfand ich die Anfrage von
Feelthere, ob ich noch Hilfe oder Informationen über das Produkt benötigte! :)
Endbewertung
Das Produkt erreicht 9 von 10 Sternen. Das genaue Ergebnis liegt zwar „nur“ bei
circa 8,5; jedoch sind 9 Sterne in Anbetracht der hervorragenden
Flugeigenschaften mehr als gerechtfertigt!

Detaillierte Bewertung
Pro & Contra
Pro:
- schönes Außenmodell
- mehrere Varianten
- viele Liveries erhältlich
- hervorragendes & komplexes Cockpit
- voll bedienbares 3D-Panel
- virtuelle Kabine
- guter Sound
- hervorragende Flugeigenschaften
- ausführliche Dokumentation
- relativ gute Performance
- Configuration Editor
Contra:
- Texturen manchmal unscharf
- kein Fuel Planner
- keine 360°-Rundumsichten
- …
Wie man sieht, so überwiegt auf jeden Fall der positive Eindruck; auszusetzen
gibt es an diesem Produkt fast nichts – und wenn doch, so handelt es sich nur um
Kleinigkeiten!
Fazit
Feelthere hat mich einmal mehr beeindruckt; dieses Flugzeug kann sich wirklich
sehen lassen! Natürlich sind – wie in fast allen Produkten – noch kleinere
„10-Sterne-Bremsen“ vorhanden; allerdings dürften diese in Anbetracht des
Gesamtumfangs kaum ins Gewicht fallen! Freunde von Regionalflugzeugen dürfen
also getrost zugreifen. Dieser Vogel ist ein Grund mehr, ins
Regionalflug-Business einzusteigen!
Sascha Gräfe für flugsimulation.com |
Sascha im Impressum
Informationen zur Downloadversion unter
www.feelthere.com , die
CD-Version gibt's bei
www.wilcopub.com
| Bin absolut deiner Meinung! Ich finddie Maschine auch voll genial! |