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Review: Captainsim Pro Line B727 FSX

Briefing

Bereits im Sommer 2009 ist ein weiteres Flugzeug aus der berühmten Designwerkstatt Captain Sim in den Verkauf gestartet: Die Captain Sim 727 Pro Line für FSX. Für flugsimulation.com habe ich herausgefunden, ob sie flügge ist.

Bei meiner ersten Recherche für diese Review habe ich festgestellt, dass Sascha Gräfe für die große Schwester Legendary 727 (FS9-Version) von Captain Sim seinerzeit einen Award of Excellence Aircraft vergeben hat (Klick). Für den FSX hat Captain Sim die Braut nochmal schön gemacht. Kann sie den heutigen Erwartungen der Flugsimulation gerecht werden?

Clearance Delivery

...gab es im August 2009 laut einer Erhebung des englischen Magazins Flight International noch regelmäßig für 442 Flugzeuge der 727er-Serie von Boeing. Diese Flugzeugserie hat ihre besten Tage unter anderem im Dienste der Lufthansa mit einer eigenen Variante (727-30C, später 727-130C respektive -230C) als Eurojet der 70er-Jahre erlebt. Hapag-Lloyd flog die B727 von Hannover und Stuttgart aus nach Mombasa (Kenia, Ostafrika). Die Flexibilität und Werthaltigkeit dieses Fluggefährts gelten mithin unstrittig als bewiesen; betagte 727er finden bei Logistikunternehmen große Begehrtheit: Diese rüsten Passagevarianten auf Frachtmaschinen um. 1963 fand der erste Flug der 727 statt. 1984 wurde die letzte der 1.832 produzierten Maschinen - ein Frachter - von Boeing an FedEx ausgeliefert. Gegen Produktionsende hat Boeing deren 757-Flugzeugserie stärker als Ablösevorschlag zur 727 beworben und verkauft. Mittlerweile gilt die 737 der Next Generation Serie laut Boeing als Nachfolger der 727 im Passagiergeschäft.


Before Start Checklist

Die 727 Pro Line für FSX gibt es als Download direkt von Captain Sim über die eigene Webseite (Regulärer Preis: ca. 60 €, aktueller Preis ca. 30 €; Paypal oder Kreditkarte) oder als Box von Just Flight (Preis: ca. 43 €; Kreditkarte).

NOTAM

Captain Sim verfolgt bei der Veröffentlichung ihrer Produkte eine von mir bereits ausführlich in dieser Review kommentierte Modulstrategie: Neben einem Base Pack (Grundausstattung) mit der 727-100 für ca. 30 € gibt es zwei Modellerweiterungen: Die 200er- und Frachtvariante können jeweils separat für ca. 10 € nach Einrichten des Base Pack nachinstalliert werden.

Route Restrictions

Da sich manche Piloten einfach nicht von ihrem Fluggerät (genauer: PC) trennen wollen oder können, ist es ratsam, sich mit den Systemanforderungen dieses Add-ons vertraut zu machen. Captain Sim teilt auf deren Webseite mit, dass technische Unterstützung nur dann angeboten wird, wenn der Kunde einen PC benutzt, der den Mindeststandards genügt. Um später nicht davon überrascht zu werden sind deshalb folgende Anforderungen an das eigene System geboten:


- 3.0 GHz CPU (oder Quad-2+ GHz-Prozessor)
- 2 Gb Arbeitsspeicher (RAM)
- 128 Mb Grafikkarte (DirectX-9-kompatibel)
- 2.9 Gb freier Speicherplatz auf der Festplatte mit der FSX-Installation
- Windows® XP SP2 oder Vista SP1
- MS Flight Simulator X + SP2 oder Acceleration
- Internetverbindung (Aktivierung/Installation)

Ohne Internetverbindung ist die Aktivierung des Produkts nicht möglich. Allerdings kann man das Produkt auch manuell auf einem nicht mit dem Internet verbundenen FSX-Computer aktivieren - dafür braucht man allerdings einen anderen Computer mit Internetverbindung, um einen Offline Code zur Verifizierung an Captain Sim zu senden. Die antworten in der Regel kurzfristig mit einem Bestätigungscode, welcher in diesem Fall wiederum auf dem FSX-Computer für die Installationsfreigabe eingegeben werden muss. Wesentlich einfacher ist die Installation, wenn direkt eine Internetverbindung auf dem FSX-Computer verfügbar ist. Captain Sim kann die Installation dann automatisch über deren Verifizierungslogik freigeben, sodass man in Kürze startklar ist.

Die Installation per se dauert wenige Minuten und hat keine Auffälligkeiten bzw. Komplikationen verursacht. Diese Review bezieht sich auf die seit Februar 2010 verfügbare Download-Version 2.4; Bugs und Probleme der Erstversionen bleiben auch für die Endbewertung unberücksichtigt.

Manuals... check

Mit diesem Add-on liefert CS ein dreigeteiltes Manual, welches separat von der Webseite der Entwickler heruntergeladen werden kann. Dafür wird die Bestellnummer sowie die Emailadresse benötigt, welche beim Einkauf verwendet wurde. An die Handbücher kommt man im Übrigen nur, wenn dieses Produkt bei CS online gekauft wurde. Kunden der Box-Version müssen sich an die entsprechenden Vertreiber - bspw. JustFlight - wenden, um diese zu erhalten, wenn sie nicht schon auf der CD mitgeliefert werden. CS bietet diesen Kunden im Grund nur eingeschränkten Support an.

I. Benutzerhandbuch (User's Manual)

Das Benutzerhandbuch ist recht rudimentär gehalten und nur in Englisch verfügbar. Es enthält einen Teil zur Geschichte der B727 sowie Hinweise zur Installation des Add-ons. Darüber hinaus werden die Steuerungspanels für die Anzeige respektive Steuerung der (hauptsächlich Außen-)Animationen im Detail erläutert (mehr hierzu im Abschnitt Modell, weiter unten).

II. Aircraft and Systems

Dieser Teil der Manuals ist wesentlich umfangreicher (100 Seiten), benennt im Wesentlichen die einzelnen Instrumente des Cockpits und beschreibt, wo sich die Clickspots für deren Bedienung befinden. In wenigen Sätzen wird hier jedes Instrument respektive Panel durchmustert, sämtliche Anzeigehinweise und Flaggen sind hierin ihrer Bedeutung nach umschrieben. Einen Gesamtzusammenhang der einzelnen Instrumente im Arbeitsablauf eines Flugs vermitteln diese Hinweise hingegen kaum.

III. Operations Manual

Das Operations Manual ist zwar um einiges kürzer (Umfang 30 Seiten), enthält jedoch mit seinen Checklisten und Ablaufschemata sofort verwertbare Informationen für den Flusipiloten. Vergeblich habe ich ein Tutorial gesucht - Captain Sim verpflichtet den Simmer dahingehend, sich selbst die Anwendung der Theorie zu schulen.

Taxi Checklist

Der erste Blick aus dem virtuellen Cockpit. Welcome back to the past! In der Tat berührt man als Flusipilot mit diesem Add-on ein Stück Fluggeschichte. Das eindrucksvolle Iron Cockpit ist bekanntlich durch die EFIS-Systeme (Glascockpit) ersetzt worden. Captain Sim hat das einigen aus der FS9-Version bekannte 2D Panel mit dieser Erweiterung für den FSX aufgegeben.

Cleared for Takeoff

Zu Beginn drehe ich mit dem Flieger eine Platzrunde über dem Frankfurter Flughafen, um einen ersten groben Überblick über die Flugeigenschaften dieser Legende zu erhalten. Position 07 L, Klappen auf 15 Grad, Trim auf 5 Grad Up, Throttles Takeoff: Kurz nach dem Einstellen der Schubhebel auf Startkraft erreiche ich bei geringem Ladegewicht Rotationsgeschwindigkeit und hebe die Nase an. Gefügig bohrt sich das Fluggerät in die Höhe. Linkskurve Richtung Norden über die Frankfurter Innenstadt; sukzessives Einfahren der Klappen mit steigender Geschwindigkeit. Via Taunus VOR geht es zurück zum Flughafen; Landeanflug auf 07 L.


Cockpit- und Kabinendesign

Wie oben erwähnt liefert Captain Sim mit diesem Add-on nur die Variante "virtuelles Cockpit". Die 2D-Panels der Vorgängerversion für den FS9 sind damit aufgegeben worden. Mithilfe von Clickspots werden die einzelnen Instrumente des von alten Hasen etwas spöttisch als Uhrenladen bezeichneten Cockpits bedient. Für den Komfort bei der Bedienung im virtuellen Cockpit ist diese Hardware empfehlenswert, welche die eigene Kopfbewegung im Simulator zur Orientierung berücksichtigt. Die B727 wurde standardmäßig von einer dreiköpfigen Crew bedient. Die Bedienelemente im Cockpit sind entsprechend zwischen der Kapitän- und Kopilotenseite sowie dem Flugingenieurpanel verteilt. Letztlich ist es für den Flusipiloten unerlässlich, in kurzer Zeit alle Aufgaben der gedachten drei Besatzungsmitglieder im Alleingang zu bewältigen. Dafür hat Captain Sim glücklicherweise eine Reihe von unterschiedlichen Blickwinkeln voreingestellt. Mit dem Tastaturkürzel Umschalttaste+A lässt sich aus der Perspektive des virtuellen Cockpits jeder Blickpunkt darstellen. So wird das kurzfristige Erreichen sämtlicher Bedienelemente sichergestellt.

Die Cockpittexturen sind prima vista von guter Qualität. Das Ablesen der Instrumente funktioniert einwandfrei aus der Sitzperspektive der Crew (Zoomfaktor 0.60 bis 0.70). Zur leichteren Bedienung der Instrumente via Clickspots ist ab und an geboten, an das jeweilige Element heranzuzoomen. Dabei wirken die Panels etwas unscharf. Im ganzen Cockpit finden sich Gebrauchs- und Verschleißmerkmale, welche den optischen Eindruck abrunden.

Über diverse Schalter lassen sich mehrere Lichtquellen einzeln wahlweise ein- oder ausschalten. Nachts ist das Cockpit damit schwach bis stark erleuchtet. Auch die Umsetzung der Nachttexturen im Cockpit kann mithin als gut gelungen bezeichnet werden.

Captain Sim hat die gesamte Kabine inklusive Toiletten und Bordküche umgesetzt, sodass die Möglichkeit besteht, mit separat erwerblichen Tools wie bspw. Walk and Follow auf Erkundungstour durch das Flugzeug zu gehen. Die Texturen der Kabine sind hochauflösend und dem Original gut nachempfunden. Einige der Overhead Compartments lassen sich per Mausklick öffnen bzw. schließen; ebenso sind einige der Tray Tables und Window blinds per Klick verstellbar. Gut umgesetzt ist insbesondere die Deckenbeleuchtung der Kabine. Schade nur, dass die Exit-Signs nicht bei Betätigung der entsprechenden Cockpitfunktion "Emergency Lights" aufleuchten.

In der Gesamtschau überzeugt die Qualität der Cockpit- und Kabinentexturen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht im Sinne einer Performance-Optimierung gewesen wäre, die Kabine wahlweise ausschaltbar zu machen. Technisch möglich wäre dies ohne großen Aufwand. Da die Auswirkung der Kabine auf die Performance nur vermutet werden kann - es mithin nicht möglich ist, das Add-on nach Beeinflussungsfaktoren der Performance zu atomisieren, bleibt es dahingestellt, ob dadurch die Performance tatsächlich verbessert werden könnte (siehe Kommentar im Abschnitt Performance, weiter unten).

Instrumente, Autopilot und Benutzerfreundlichkeit

1. Ein Autothrottle-System kennt die Captain Sim 727 nicht. Hier muss die Crew selbst Hand anlegen. Und das über die gesamte Flugzeit. Das bedeutet ständiges Überwachen der Geschwindigkeit und des ANU-Winkels (Aircraft Nose UP) etc. Bei eigenhändigen Landungen habe ich mich in der Vergangenheit immer wieder ertappt, auf die Autothrottle-Funktion zurückzugreifen, um mich auf die Landung konzentrieren zu können. Deshalb wird in Aktivphasen wie der Landung ohne Autothrottle-Unterstützung besondere Aufmerksamkeit für die Einhaltung der (Lande-)Geschwindigkeit vom Simmer verlangt. Eine echte Herausforderung über einen längeren Flug - selbst bei einfacher Simulationsgeschwindigkeit, da sich ggf. Windstärke und -richtung im Reiseflug kontinuierlich verändern.

2. Laterale Navigation entlang eines vom Computer konstruierten Navigationspfades wird man hier vergeblich suchen. Bei der Captain Sim 727 muss mehr für das Erreichen des Ziels geleistet werden. Das Betätigen von einer Hand voll Schaltern reicht in der Regel nicht aus. Die Flugnavigation funktioniert im Wesentlichen mit VORs, das sind Drehfunkfeuer. Um von A nach B zu kommen, muss die Crew sich je nach Flughöhe via Punkt-zu-Punkt-Navigationsführung mithilfe von VORs ans Ziel steuern.

3. Die Captain Sim 727 verfügt des Weiteren über ein Category II Instrument Landing System, kann also Localizer erfassen und in der Theorie Glideslope-Pfaden folgen. Im Ergebnis ist die Durchführung einer automatischen Landung bei diesem Add-on jedoch ein Glücksspiel. Bei mehreren Anflugtests wurde der Localizer zwar erfasst, die Flugzeugposition relativ zum Glidslope-Pfad durch den Flight Director neben dem künstlichen Horizont angezeigt. Allerdings ist die träge Reagibilität des Autopiloten bei Näherung an die Piste fatal: Das Flugzeug schlängelt auf und ab - quasi über und unter dem Glideslope - und will dem eigentlichen Anflugpfad nicht folgen. In geringer Höhe kurz vor dem Aufsetzen hat der Autopilot das Flugzeug im Tiefflug einer solchen Welle um den Glideslope herum nicht mehr selbständig korrigieren können. Zum Glück sind wir im Simulator. Und wenn es dann doch klappt, ist der virtuelle Pilot gut beraten, den Autopiloten während der Flarephase auszuschalten und das Aufsetzen von Hand zu übernehmen, um ein unerwünschtes Ausscheren des Flugzeugs aufgrund der dann noch aktivierten Navigationsführung zu vermeiden.

3. Bei der Landung fahren die Speedbrakes - also die Störklappen - nicht automatisch aus. Das ist in der Tat kein Fehler von Captain Sim: Die B727 kennt diesen Luxus nicht. Allerdings ist mir bei meinen Touch & Go Flügen aufgefallen, dass die Störklappen in Kombination mit dem Umkehrschub eine fast schon unglaublich starke Bremskraft entfalten. Ob dies realistisch ist, kann nur ein echter 727-Kapitän beurteilen. Ich wage es, die Realitätsnähe in dieser Sache zu hinterfragen.

4. Seltsamerweise gibt das Ground Proximity Warning System (kurz GPWS, Bodennähewarnsystem) bei Start und Landung den akustischen Warnhinweis "Dont Sink" aus. Eigentlich sollte diese Meldung nur während der Startphase bei negativer Steigrate zu hören sein. Selbst in der aktualisierten Version von Captain Sims 727 (Version 2.4, Februar 2010) kommt die Meldung noch während der Landephase bei normaler Sinkrate. Die Meldung wird in kurzen Abständen wiederholt, hat Ablenkungspotenzial und wirkt befremdlich. Abhilfe haben sich einige geplagte Kunden im Forum von Captain Sim verschafft. In der Aircraft.cfg-Datei des Fliegers müssen die Schwellenwerte, bei denen die akustischen Warnmeldungen kommen, manuell nach oben korrigiert werden (Bsp.):


(...)
[GPWS]
max_warning_height = 1200
sink_rate_fpm = -1500
excessive_sink_rate_fpm = -2000
climbout_sink_rate_fpm = -1000
flap_and_gear_sink_rate_fpm= -1000
(...)

5. Captain Sim hat ab Version 2.4 deren ursprünglich separat kostenpflichtig zu erwerbendes Wetterradartool in dieses Add-on eingearbeitet, sodass mit einer Neuinstallation neben der Behebung einiger kleinerer Probleme mit dem Autopiloten auch das Wetterradar ohne zusätzliche Kosten für Bestandskunden integriert wird. Die Funktion und Abbildung des Wetterradars ist - wie bereits ausführlich in anderen Reviews diskutiert - nach herrschender Meinung umstritten. Einige böse Zungen behaupten, diese Tools würden nach einem Random Walk Modell im Zufallsmodus ein Abbild der Wetterumgebung darstellen. Der Knackpunkt scheint Microsofts Wettermodul im FSX zu sein, welches nicht ausreichend genug Daten über die Distanz im dreidimensionalen Kontext zwischen Flugzeugposition und (Regen-)Wolken liefert. Wenn dieses Tool vermutlich wenig für die Vermeidung schlechten Wetters bringt, so ist es doch ein optischer Blickfang.

6. Anstatt eines automatischen Autobrake-Systems, welches sich bspw. beim Aufsetzen des Flugzeugs auf die Piste oder beim Abbruch eines Starts aktiviert, arbeitet die Crew in der 727 mit einer pneumatischen Handbremse, welche je nach Einstellung schwache bis starke Bremskraft gleichmäßig auf alle Räder verteilt. Wie bereits in Ziffer 3) ausgeführt, wird bedingt durch die Starke Widerstandskraft des Umkehrschubs und der Störklappen wenig Bedarf für das Benutzen dieser Funktion bestehen. Die Bremsdruckanzeige gibt die über den Handpotentiometer eingestellte Bremskraft entsprechend der gewählten Leistung wieder.

7. Obwohl ein Altitude-Window auf der Kapitänsseite angezeigt wird, dient dieses in der B727 nur zur Ausgabe eines Pfeiftons als Referenzwert für die Crew. Der Autopilot lässt sich vertikal nur in einen Altitude Hold-Modus einrasten. Das spezielle Auswählen einer Flughöhe ist nicht vorgesehen. Dafür kann man mithilfe eines Pitch-Rades den Steig- oder Sinkwinkel des Flugzeugs per (Halb-)Automatik und Autopilot steuern, bis die gewünschte Referenzflughöhe erreicht ist. Sodann muss die Crew den Schalter "Altitude Hold" umlegen, um die Flughöhe vom Autopiloten halten zu lassen.

8. Die Flugingenieurpanels beherbergen Gauges zur Einstellung respektive Steuerung für Pneumatik/Hydraulik, Stromgeneratoren, Treibstoffpumpen sowie Fuel Dump als auch Fuel Heat, das Klimatisations- und Sauerstoffsteuerungssystem, die APU sowie verschiedene Warnanzeigen. Während meiner Testflüge unter normalem Betrieb konnte ich keine Abweichungen der Systeme von der erwarteten Funktion feststellen.

9. Captain Sim liefert zur Konfiguration ihrer Add-ons stets einen sogenannten Aircraft Configuration Editor (kurz: ACE). Damit kann bspw. der Spiegeleffekt per Mausklick im Cockpit entfernt werden, sofern dieses Feature stören sollte. Des Weiteren lässt sich das Flugzeug über dieses Tool beladen. Bedauerlicherweise sind damit auch schon die Grenzen dieses Tools erreicht. Dabei bleiben viele Fragen im Kontext mit dem Ladegewicht unbeantwortet: Gewichtsverteilung (CG) und Trimsetting werden nicht von dem Programm ausgerechnet bzw. zusammengeführt. Ganz zu schweigen vom Treibstoffverbrauch für die geplante Route. Dafür muss man sich im Manual bzw. im Internet diverser Quellen bedienen. Die Benutzerfreundlichkeit bleibt dahingehend zu wünschen übrig, dass die Flugvorbereitung im Vergleich zu anderen Add-on-Flugzeugen wie bspw. Leonardos Maddog MD-82 wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Es sei denn, man fliegt aufs Geratewohl mit einer geschätzten Menge Treibstoff los Richtung Ziel. Das kann aber nicht Sinn und Zweck eines komplexen Add-ons sein.

Die Entwickler haben sich unter anderem auch anhand von Erfahrungen der Erstversionskunden mit der B727 mit der jüngsten Version 2.4 dieses Add-ons an eine im Ergebnis überzeugende Cockpitsimulation herangearbeitet. Das Cockpit der Captain Sim Pro Line 727 bietet dem versierten Simmer umfangreiche Möglichkeiten, dem realen Prozedere des echten Vorbilds nachzuahmen. Neben einer optisch einwandfreien Grafik bietet dieses Add-on in Sachen Cockpit größtenteils funktionierende Instrumente. Eine Lösung für die Problematik mit dem Unter- bzw. Überschreiten des Glideslopes beim Anflug ist mir bisher nicht bekannt, sodass dieses Add-on in allen Situationen eine Herausforderung bleibt. Der unerfahrene Anwender wird sich aufgrund der angemessenen Systemtiefe vermutlich nicht ohne Selbststudium der Handbücher zurechtfinden, gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Modell

Captain Sim ist bekannt für deren professionelle Designwerkstatt. Selbst bei Erstversionen anderer Produkte hat das Außenmodell in der Regel von Anfang an aufgrund der sehr guten Umsetzung des Originals und liebevoller Detailarbeit überzeugt. Das Ergebnis von Captain Sims 727 ist am besten in Bildern zu vermitteln. Die Designer haben sich erfolgreich bemüht, keine Ecken, Kanten oder unschnittige Übergange am Rumpf und mit den Verbundteilen zu hinterlassen.

Wingtips
Über den im vorigen Abschnitt beschriebenen Aircraft Configuration Editor von Captain Sim lassen sich bei einigen Varianten wahlweise Wingtips hinzufügen.

Bemalungen / Texturen

Wie eingangs skizziert, weist das größtenteils durch Dritte kostenfrei angebotene Flottenrepertoire ca. 100 Bemalungen aus; Captain Sim wirbt offiziell mit 300 verfügbaren Bemalungen, die dem Simmer zur Verfügung gestellt werden - in der Tat gilt dies für die ursprüngliche FS9-Version. Ob diese Texturen auch für die FSX-Variante taugen, habe ich nicht überprüft - davon ist aber nicht auszugehen, da CS für FS9- bzw. FSX-Liveries jeweils eigene Downloadrubriken auf deren Webseite eingerichtet hat. Captain Sim hostet fremderstellte Livery-Dateien meist nicht auf eigenen Servern. Vielmehr haben die Entwickler auf einer speziellen Subseite ihres Internetauftritts eine Linktabelle hinterlegt. Da die Quellen extern liegen, ist es gegebenenfalls möglich, dass die ein oder andere Quelle entweder zeitweise oder gänzlich nicht mehr vorhanden, soll heißen die Bemalung nicht mehr zu haben ist.

Liveries müssen nach dem Download über das ACE Modul für Captain Sims 727 hinzugefügt werden - manuelles Basteln an Konfigurationsdateien ist nur noch mit einigen von Usern erstellten Bemalungen notwendig.

Die Qualität der Liveries ist bestechend. Regelmäßig finden sich genau wie im Cockpit natürliche Gebrauchsspuren, welche in der Summe stimmig sind.

Animationen

Passagiermodell

Alles ist möglich, mögen manche denken, wenn die Liste der animierten Elemente dieses eisernen Vogels vorgeführt wird. Captain Sim hat sich bemüht, nichts unversucht zu lassen:

• Stewardessen am vorderen und hinteren Eingang des Flugzeugs
• Cockpitfenster öffnen / schließen
• Passagiertüren öffnen / schließen
• Cargo-Türen öffnen / schließen
• Notausgänge (Flügel/Overwing) öffnen /schließen
• diverse Servicetüren für Wartungszwecke öffnen / schließen
• Treppen (vorne und am Heck) ausfahrbar
• Notrutsche vorn anzeigen
• Staubfänger (für Pitot Tubes)
• Staubschutz für Triebwerke
• Triebwerks- bzw. Motorhauben öffnen / schließen
• Wheel Chocks (d. h. Rollschutz)
• Animierte Scheibenwischer
• Innen- und Außenmodell mit selbst erstelltem, an das Modell angepassten Schatteneffekt
• Wing Flex
• Spiegeleffekt auf den Glasinstrumenten (optional)

Frachtermodell

Sound

Captain Sims 727 Produkt wird von einigen Rezensoren im Bereich Sound getadelt; einige Simmer schwören sogar auf ein Soundset von Turbine Sound Studios als Ersatz. Captain Sims Soundset der Turbinen ist meines Erachtens einwandfrei gelungen. Beim Anlaufenlassen der Triebwerke bekommt man zu hören, weshalb dieses Flugzeug insbesondere wegen des hohen Lärms berühmt wurde. Im Direktvergleich mit seinen jüngeren Nachfolgern hat Boeing damit geworben, dass die B727 lauter und unökonomischer als ihre junge Schwester, die B737 sei. Beim Hochfahren der Leistung heulen die Triebwerke authentisch auf. Das Resultat ist beeindruckend.

Im Gegensatz zu den Turbinensounds habe ich bisher ausnahmslos Probleme mit fehlenden Cockpitsounds bei Captain Sim Produkten gehabt. Bei der B757 habe ich mehrere Jahre gewartet, bis ein findiger User einen Trick in Captain Sims Forum gepostet hat, wie man dieses Problem angeht. Der Schlüssel zur Lösung lautet, eine Datei (msvcr71.dll) herunterzuladen und jeweils einmal in den FSX-Ordner sowie in den system32-Ordner zu platzieren. Plötzlich wurden dann alle Cockpitsounds einwandfrei abgespielt.

Obwohl dieser Trick für die B757 geholfen hat, habe ich bei der B727 zunächst wieder das gleiche Problem feststellen müssen. Ein von Captain Sim veröffentlichter Rat (Knowledge Base Artikel Nr. 2930) auf Basis von Kundenangaben läuft darauf hinaus, eine Anpassung in der Sound.ini Datei im Captain Sim > 727-Ordner des FSX-Ordners vorzunehmen:

SoundOffWhenSimIsSlew=1
- ändern in -
SoundOffWhenSimIsSlew=0

Diese Fehlerbehebung durch den Kunden ist auch nach mehreren Versionen und verschiedenen zwischenzeitlich veröffentlichten Produkten nicht durch eine Anpassung der Installations- respektive Updatedateien seitens Captain Sim erfolgt. Das gleiche Problem trat auch in Captain Sims 767 auf und musste hier ebenfalls manuell behoben werden. Captain Sim schreibt dennoch seit langer Zeit, dass die Entwickler den Fehler im nächsten Update berücksichtigen würden. Das wäre zu begrüßen. Dieser halbfertige Zustand, bei welchem der Kunde das neue Produkt vor Inbetriebnahme erst noch reparieren muss, ist nicht tragbar; von anderen Add-on-Herstellern ist die Fortpflanzung gleicher Fehler über mehrere Produkte hinweg auch nicht bekannt und daher bei Captain Sim Produkten eine echte Abweichung von der Norm.

Performance

Die Ergebnisse auf meinem Testsystem können nur als Datum festgestellt werden. Durch Vergleich meines Testsystems mit den Ergebnissen der Performanceauswertung finden sich Anhaltspunkte, um Captain Sims B727 leistungstechnisch einzuordnen. Bei meinen Testflügen habe ich im Mittel folgende Bildablaufraten gemessen:

I. Fenstermodus

a) Außenmodell: 13-20 fps
b) Virtuelles Cockpit: 7-14 fps
c) Kabine: 8-13 fps

II. Vollbildmodus

a) Außenmodell: 35-50 fps
b) Virtuelles Cockpit: 17-21 fps
c) Kabine: 10-17 fps

Zu bemerken ist abschließend, dass die Leistung um ca. 50% sinkt, wenn komplexe Add-on-Flughäfen angeflogen werden. In Kombination mit der Captain Sim 727 habe ich im FSX bspw. mit der aktuellen Version des Frankfurt X Add-ons von Aerosoft ein schwaches Ergebnis von 5-7 fps im virtuellen Cockpit gemessen. Dies entspricht nicht etwa der Erwartung aus Erfahrungen mit anderen Add-on-Fliegern: Mit der komplexen MD11 von PMDG erhalte ich mindestens 15-17 fps aus der Cockpitperspektive - ein viel satteres Ergebnis. Ist die schicke Kabine der Sündenbock? Wie im Abschnitt zur Kabinenmodellierung erwähnt habe ich die Vermutung geäußert, dass eine Option zum Ausschalten der Kabine die Performance positiv beeinflussen müsste. Ein solches Feature bleibt vor dem Hintergrund der hohen Systembelastung des Fliegers insbesondere beim Betrieb auf anspruchsvollen Add-on-Flughäfen wünschenswert.

Fazit

Das Entwicklerteam um Captain Sim hat mit der Umsetzung der B727 eine alte Legende der Luftfahrtgeschichte im FSX zum Leben erweckt. Der Flieger präsentiert sich mit einer bestechenden Optik und verleitet auf den ersten Blick allzu gerne zum Kennenlernen. Die große Vielzahl an verfügbaren Texturen und sehr gute Umsetzung von Design und Animationen wird von einigen nennenswerten Fehlern überschattet: Insbesondere bekannte und nach wie vor bestehende Schwierigkeiten mit dem Abspielen der Cockpitsounds bei vereinzelten PC-Systemen (siehe CS-Forum) hätten längst behoben werden müssen. Die als knapp ausreichend zu bewertende Umsetzung des automatischen Anflugsystems beweist Verbesserungsbedarf.

Der Umstieg auf dieses Add-on wird einigen Usern schwerfallen. Die meiste Arbeit in der B727 wird von Hand erledigt und stellt damit eine Herausforderung an das fliegerische und geschickliche Können (Multitasking) dar. Es wäre für die Erleichterung des Einstiegs neuer Simmer zweifelsohne von Vorteil gewesen, wenn Captain Sim ein Tutorial im Manual abgedruckt oder anderweitig veröffentlicht hätte. Stattdessen wird auf Selbststudium der Handbücher verwiesen. Dennoch: Das eigenständige Erkennen der Zusammenhänge zwischen Systemen und operativen Arbeitsschritten kann mit etwas Interesse und Geduld aus den Checklisten herausgearbeitet werden. Doch auch hier stoßt man schnell an Grenzen: Die Manuals weisen keine Berechnungsmethode für z. B. die benötigte Treibstoffmenge auf Basis des Startgewichts aus; eine Ermittlung der auf das Center of Gravity angepassten Trimeinstellung fehlt. Für diese Kalkulationen müssen externe Quellen herangezogen werden, die wiederum aller Voraussicht nach andere Datenbanken für ihre Berechnungen zugrunde legen, sodass diesbezüglich nur eine vage Annäherung an Real Operations stattfinden kann.

In der Gesamtschau hat Captain Sim mit diesem Add-on einen alten Hasen wieder flott gemacht. Die 727 fliegt sich ganz angenehm, ist etwas träge und laut, regt aber zum Auseinandersetzen mit den Systemen an und bietet sehr viel Freude an Design und Animationen. Unter Ausnahme der hierin geschilderten Probleme ist das Produkt grundsätzlich empfehlenswert und seinen aktuellen Preis wert.

Testsystem
FSX SP2, Vista 64bit, Intel Quad Core 2,84 GHz Prozessor, 8192 MB RAM, Sapphire Asus Radeon HD4870 mit 512 MB GDDR5 RAM 990 MHz Grafikkarte, IP35Pro Motherboard mit On-Board Soundkarte.

Patrick Rizzo für flugsimulation.com

 

Bewertung

Facts & Figures Captainsim Pro Line B727 FSX  
     
Hersteller: Captainsim Minibild
Preis: 30
Veröffentlichungsdatum: 16.08.2009
Systemanforderungen gemäss Hersteller: 3.0 GHz CPU (oder Quad-2+ GHz-Prozessor), 2 Gb Arbeitsspeicher (RAM), 128 Mb Grafikkarte (DirectX-9-kompatibel), 2.9 Gb freier Speicherplatz auf der Festplatte mit der FSX-Installation, Windows® XP SP2 oder Vista SP1, MS Flight Simulator X + SP2 oder Acceleration, Internetverbindung (Aktivierung/Installation).
Link zur Produktseite: Captainsim Pro Line B727 FSX
FS-Version(en): FSX
   
Pro Contra  
     
- Design (innen + außen)
- Animationen
- Preis
- ILS-Anflug problematisch
- Performance nur mittelmäßig
- kein Tutorial
- Soundprobleme bei Erstinstallation müssen ggf. manuell behoben werden
 
     
Kriterium Kommentar
Bewertung
     
Kauf, Installation und Einbindung Preis-Leistungs-Verhältnis bei 30 € (aktuell, reduziert) ok! Installation idR einwandfrei (Ausnahme: Sound)
Handbuch/Beilagen Dreiteilige Manuals mit umfangreichen Informationen zum Selbststudium. Kein Tutorial
Außenmodell, Texturen und Animationen Die Texturen sind scharf, es gibt viele innovative Animationen und Bemalungen
Virtuelles Cockpit / Cabin Design des virtuellen Cockpits perfekt, komplette Kabine umgesetzt - Ergebnisse überzeugen
Instrumente / Autopilot Autopilot beim Landeanflug im ILS-Modus zu unsicher, ansonsten gute Umsetzung des Iron cockpit
Sound Immer wieder Probleme beim Setup der Cockpitsounds; ansonsten ist die Qualität ok
Performance Durchschnittliche Ergebnisse; bei Anflug auf komplexe Addon-Flughäfen gibt es Probleme!
Spaßbewertung/Langzeitmotivation Viel Handarbeit, fliegerisches Geschick und ein tolles Design laden immer wieder zum Flug ein!
     
Gesamtbewertung  
     
Auszeichnungen    
keine  
 


 

Patrick Rizzo für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 13.03.2010 | Counter: 3407 Besucher


Kommentare
von Ingo Voigt
geschrieben am 20.03.2010 um 14:12:59
Hallo zusammen,

eine nett geschriebene Rezension!

Schade finde ich allerdings, dass manche Fehler in der Simulation nicht angesprochen werden. Beispielsweise ist das angesprochene Handpotentiometer für die pneumatische Bremse kein Poti, sondern ein Ventil (warum den Umweg über ein Poti, wenn es eh eine pneumatische Bremse ist) und dann ist diese auch nur für den Notfall gedacht und nicht als "Alltags-Bremse".

Ferner wurde die Synchronisation der Generatoren nach dem Starten der Triebwerke von CS so gar nicht umgesetzt und die Flugdynamiken sind sehr weit daneben. Versucht mal mit der CS 727-200, wie sie aus der Packung kommt in Sucre (SLSU) zu starten - das funktioniert nicht. Auch wenn man einiges an Sprit zu Hause lässt, hat man keine Chance. Die Aerosur fliegt aber täglich mit einer 727-200 von dort aus und auch im Forum finden sich viele Hinweise, dass die 727 von CS ganz schön underpowered ist.

Das sind alles keine Dramen, aber wer mit "Extensive Systems Programming" wirbt, der sollte das auch einhalten.

Das GPWS ist so ein Fall, wo ich erstaunt, mit welcher Beharrlichkeit das GPWS bisher bei den letzten 4 bis 5 Releases am Anfang immer die gleichen Fehler hat.

Wer sich dieser Dinge im Klaren ist und eine sehr schön modellierte 727 sucht, der dürfte mit der CS727 glücklich werden. Wer erfahren will, wie die 727 tatsächlich funktioniert hat, muss nach dem Kauf noch etwas Phantasie investieren.

Viele Grüße,
Ingo
von Karlheinz Koch
geschrieben am 18.03.2010 um 22:37:12
Ich kann die Einschätzung im Artikel voll bestätigen. Die CS B727 ist inzwischen zu meinem Lieblingsflieger geworden. Habe allerdings das 2D-Panel der FS9-Version hineingebastelt - erleichtert die Bedienung etwas, denn man wird ganz schön gefordert, wenn man mit Ein-Mann-Bedienung eine Crew von 3 Mann ersetzen soll. Schade, daß die LH-Bemahlung nicht mitgeliefert wird!

 

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