Review: Flight1 Commander 112A
Rockwell ist vor allem für ein Flugzeug bekannt: Für den überschallschnellen Bomber B1B "Lancer". Aber es gibt auch eine Abteilung für Allgemeine Luftfahrt, die unter anderem einen kleinen aber feinen Viersitzer entwickelte, die Commander 112A. Bereits 1970 wurde der Flieger angekündigt und flog zum ersten Mal am 4. Dezember 1970. Mit dem Rumpf gab es zunächst Stabilitätsprobleme und ein Exemplar ging verloren, was die Auslieferung der ersten 112A bis 1972 verzögerte. 1974 erschien dann eine verbesserte Version und zwei Jahre eine aufgeladene Variante.
Flight1 veröffentlichte dann ohne große Vorankündigungen eine Umsetzung dieses Flugzeuges, ausgestattet mit einer Menge interessanter Avionik.
Kauf, Download und Installation:
Bisher ist der Flieger nur als Downloadversion verfügbar. Der Preis liegt bei ca. 30$, bezahlt wird mit dem Flight1 Wrapper, der alle gängigen Kreditkarten akzeptiert und nach der Zahlung sofort eine Installation ermöglicht. Der Download ist mit 105MB nicht ganz klein, dafür sind aber auch eine Menge unterschiedlicher Varianten dabei.
Der Ablauf der Installation selbst kommt dann ohne Abfrage von Lizenzschlüsseln aus und läuft vollkommen problemlos und automatisch ab. Nach wenigen Minuten steht der Flieger also im Simulator bereit.
Außenmodell
Betrachtet man das Modell zum ersten Mal aus größerer Entfernung könnte man meinen, dass die größte Aufmerksamkeit bei der Entwicklung dieses Addons nicht gerade auf das äußere Erscheinungsbild gerichtet wurde. Viel zu glatt und sauber schaut es aus. Geht man aber etwas näher heran, erkennt man eine große Fülle an Details, die man so eigentlich nur von den hervorragenden Umsetzungen, beispielsweise aus dem Hause Dreamfleet, kennt. Sogar das kleine Blech an der Flügelvorderkante, das die Strömungsabrisswarnung aktiviert, ist dreidimensional modelliert. Hinzu kommen Details wie der Türgriff, die Türscharniere, die Klappenanlenkungen, mehrere Antennen und noch einiges mehr. Wollte man den Detailgrad noch mehr anheben, müsste man die Nieten dreidimensional umsetzen, aber das ginge wohl zu weit.
Die Commander hat einen wunderschön verchromten Spinner vorne am Propeller und der glänzt auch im Flugsimulator wunderbar in der Sonne, dankt sinnvoll platzierter Effekte. Auch auf den anderen Flächen der Commander wurden diese gut eingesetzt und verhelfen dem Flitzer zu einem realistischeren Auftritt.
Einen Ansatzpunkt für Kritik bieten jedoch die Texturen. Sie vermitteln ein Bild, als sei der Flieger gerade erst produziert worden. Das erscheint etwas unrealistisch. Dafür ist aber die Qualität der Bemalung hervorragend: auch kleinere Details lassen sich gut erkennen. Das Paket bringt eine große Anzahl Texturen mit, weitere sind im Internet vorhanden und lassen sich, dank der Text-o-Matic, leicht installieren.
Bei den Animationen hielt man sich wohl etwas zurück. Zwar bewegen sich Steuerflächen, Klappen und Fahrwerk flüssig, es fehlen aber Gimmicks, die man von anderen Addons kennt. Bis auf die Tür und den Gepäckraum sind keine weiteren Animationen vorhanden.
Insgesamt präsentiert uns Flight1 ein sehr gutes Außenmodell, es könne nur etwas mehr nach einem Arbeitspferd aussehen.
Instrumentenbrett:
In der Vergangenheit beeindruckte Flight1, beispielsweise bei der PC-12 oder bei der Piper Meridian, mit hervorragender Avionik. Ebenso ist es bei der Commander: Das kleine Instrumentenbrett ist vollgestopft mit überaus komplexer Avionik. Dabei gibt es zwei Varianten des Instrumentenbretts. Eine ist klassisch ausgestattet mit normalen Rundinstrumenten, ein Uhrenladen jedoch ausgestattet mit einem digitalen Transponder, einem digitalen Autopiloten sowie einem GNS530 und einem GNS 430. Die andere Version des Panels kommt mit einem ganzen Glasspanel daher, bestehend aus 2 großen Chelton-Bildschirmen. Beginnen wird jedoch mit dem äußeren Erscheinungsbild des Instrumentenbretts, denn es ist für beide Versionen etwa gleich. Die Hintergrundbitmap ist eher einfach gehalten, nicht fotorealistisch aber dennoch sehr gut. Die Instrumente sind sehr gut eingebettet, es lassen sich keine Übergänge erkennen. Auch die Ablesbarkeit der Instrumente ist hervorragend, de grafische Qualität entsprechend gut.
Kommen wir zu den Funktionen der Avionik, denn sie sind das absolute Highlight dieses Addons.
Zu den analogen "Uhrenladen" der einen Version lässt sich nicht viel sagen. Die Bedienbarkeit der Instrumente ist sehr einfach und die Anordnung ist übersichtlich. Damit man alles gut erkennen kann, wurde das Panel recht groß dimensioniert, sodass man nur schlecht nach draußen sehen kann. Klickt man aber auf den oberen Rand des Panels, wird es auf eine Landesicht reduziert, die nur die wichtigsten Instrumente zeigt und einen guten Blick auf die Landebahn erlaubt. Viele Funktionen sind auf Unterpanels realisiert, die man mit einem Klick auf die Icons rechts auf dem Panel, aufrufen kann.
Kommen wir zu dem spannenderen Teil: dem Glasspanel. Es besteht, wie bereits erwähnt, aus 2 großen Bildschirmen der Firma Chelton. Das System gibt es auch in real und heißt FlightLogic. Man kann sich bei Chelton darüber informieren. Es lässt sich mit allerhand Sensoren zu einem sehr umfangreichen Informationssystem kombinieren. Von GPWS über Wetterradar und TCAS lässt sich alles anschließen. Für den FS war natürlich eine Umsetzung all dieser Funktionen nicht möglich, es ist aber erstaunlich, was das System alles kann. Beginnen wir mit dem linken der beiden Bildschirme, dem EFIS. Hier werden alle Infos zur Lage des Flugzeuges angezeigt. Also Geschwindigkeit, Höhe, Kurs, Vertikalgeschwindigkeit und der künstliche Horizont. All diese Infos lassen sich schnell und auf einen Blick ablesen. Hinzu kommen Informationen, die normalerweise nur ein Pilot eines Verkehrsflugzeuges angezeigt bekommt, z.B. unterschiedliche Grenzgeschwindigkeiten. Auch die Flugrichtung nach GPS wird angezeigt. In einem gewissen Umfang lassen sich die Anzeigen auch konfigurieren. Insgesamt ein geniales System.
Noch besser wird es beim PFD, dem rechten Display. Es ist mit dem Garmin GPS verbunden und zeigt dessen Informationen auf einer Moving Map an. Bei Bedarf lässt sich sogar ein GPWS zuschalten, dass die Landschaft unterhalb des Flugzeuges grob darstellt. In unterschiedlichen Kartenmodi lassen sich eine Menge unterschiedlicher Informationen anzeigen. Auch Werte zu Windgeschwindigkeit, aktuelle Navigationshilfen, Geschwindigkeiten und Außentemperatur stehen dem Piloten zur Verfügung.
Bei beiden Bildschirmen ist die Wiederholrate ausreichend gut, sodass man auch schnellere Lageänderungen beobachten kann. Die Bedienung ist einfach und der Funktionsumfang ist sehr groß. Ein tolles Glasspanel für ein so kleines Flugzeug im FS.
Mit dem hochkomplexen FlightLogic-System ist es aber noch nicht genug. Das Instrumentenbrett ist weiter mit einem Garmin GPS 530 und einem weiteren GPS 430 ausgestattet. Die Funktion dieser Systeme entspricht dem realen Vorbild beinahe ganz. Um die Bedienung zu lernen, kann man problemlos das Originalhandbuch nehmen, das es auf der Garminseite zum Download gibt. Im Unterschied zu anderen Umsetzungen dieses Systems anderer Addonhersteller, basiert dieses System nicht auf dem Trainer von Garmin, sodass im Hintergrund keine weitere Anwendung geladen werden muss, was natürlich der Framerate zugute kommt.
Und noch mehr realistische Avionik hat Flight1 dem Paket spendiert: Ein JPI 800 Motoreninformationssystem, einen Chelton Autopiloten, ein Garmin Transponder sowie Co Guardian 552 Warnsystem. An dieser Stelle werde ich nicht mehr ganz ins Detail gehen, denn über alle Systeme lässt sich eines sagen: Die Umsetzungen sind im Rahmen der Möglichkeiten des FS überaus realistisch. Das JPI Motoreninformationssystem ist eine Neuigkeit im Simulator: für jeden einzelnen Zylinder des Motors zeigt es unterschiedliche Betriebsdaten an. Der Autopilot kann Höhe und Richtung steuern, Gas muss der Pilot weiterhin selbst geben.
Die Nachtbeleuchtung des 2D Panels ist nicht so gut gelungen, lediglich die Instrumente werden leicht hintergrundbeleuchtet, die Hintergrundbitmap bleibt einfach dunkel.
Insgesamt präsentiert uns Flight1 ein geniales Instrumentenbrett. Die viele Avionik ist hervorragend umgesetzt und überaus realistisch. Hinzu kommt eine sehr gute grafische Gestaltung. Insgesamt hervorragend!
3D Panel:
Das 3D-Panel erinnert vom Design her durchaus an den zweidimensionalen Bruder. Bei der Modellierung hat man sich viel Mühe gegeben und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: Die Instrumente sind nicht einfach flach, sondern dreidimensional umrandet und mit allerhand dreidimensionalen Knöpfen ausgestattet. Auch die kleinen Stempelchen der Instrumentenbeleuchtung ragen aus dem Panel hervor. Schaut man sich aber weiter um wird man feststellen müssen, dass der Detailgrad nicht an vergleichbare Modelle wie das der A36 von Dreamfleet heranreicht. Dazu müssten die Texturen und die Modellierung noch weiter verfeinert werden.
Die Gauges selber sind ebenso gut eingebettet wie im 2D Panel und lassen sich auch hier leicht ablesen und einstellen. Flugsimulatorbedingt sind jedoch die Wiederholraten etwas geringer.
Richtig stimmungsvoll wird es dann in der Nacht: Das gesamte Interieur wird in ein gelbliches Licht getaucht und die Instrumente werden mit GMAX-Leuchten angestrahlt. Hinzu kommt die schöne Hintergrundbeleuchtung der GPS-Einheit. Insgesamt sehr schön.
Das dreidimensionale Cockpit der Commander eignet sich durchaus als Alternative zum 2D-Panel. Die Sicht nach außen ist besser und die Darstellung der Instrumente ist keinesfalls schlechter.
Flugdynamik:
Die Flugdynamiken kleiner Flugzeuge sind auch in der Realität relativ ähnlich. Die Unterschiede liegen in Feinheiten, die man wohl im FS nicht so gut spüren kann. So unterscheidet sich das Gefühl, die Commander zu Fliegen, nicht allzu sehr davon, eine Piper oder Cessna ähnlicher Größe zu bewegen. Allerdings ist die 112A etwas agiler und mit ihren 200PS recht kraftvoll. Insgesamt stellt sie jedoch keine großen Ansprüche an den Piloten, einfach reinsetzen und losfliegen! Eine gut abgestimmte Flugdynamik.
Geräusche:
200PS hat die Commander in etwa. Power, die man natürlich auch hören möchte. Daher hat man dem Paket spezielle Geräusche hinzugefügt. Leider gibt es dabei aber keinen Unterschied zwischen der Version mit 2-Blatt-Propeller und der Version mit 3-Blatt-Propeller. Insgesamt sind die Motorengeräusche schön satt und kraftvoll.
Auch im Cockpit bleibt es während dem Flug nicht ruhig: Viele der Instrumente geben Geräusche von sich. Die Glasscockpitvariante verfügt sogar über ein GPWS mit Audioausgabe. Ein Ohrenschmaus.
Performance:
Normalerweise ist ein Kleinflugzeug nicht unbedingt leistungshungrig, was das System des Benutzers angeht. Ganz anders kann das aber schon aussehen wenn, wie hier, eine Menge hochkomplexer Avionik im Spiel ist. Offensichtlich hat man bei Flight1 jedoch darauf geachtet, dass die AVionik auch mit weniger Ressourcen zurecht kommt und so lässt sich die Commander auch auf weniger schnellen Systemen gut fliegen.
Zusatztools:
Flight1 war mit die erste Firma, die Konfigurationsprogramme für die Flugzeuge mitlieferte. Bei der Commander ist das nicht anders. Ein kleines, aber feines Programm erlaubt die Konfiguration unterschiedlicher Parameter. Für jede installierte Variante kann man dort einstellen, welchen Propeller die Maschine haben soll, ob der Motor turboaufgeladen sein soll, ob man das Glass- oder das Analogpanel haben möchte und ob man 2D Innenansichten benutzen möchte. Die Bedienbarkeit ist dabei intuitiv.
Ein ebenfalls bekanntes Tool von Flight1 ist die Text-o-Matic, die bei diesem Addon ebenfalls zum Einsatz kommt. Schnell und einfach lassen sich damit neue Bemalungen installieren oder auch wieder löschen.
Der FS Startupmanager ist ein kleines Programm, mit dem man die Startsituation des FS mit einem Klickt von Seattle nach Meigs und zurück verschieben kann.
Diese drei Tools sind sehr zweckmäßig und einfach zu bedienen. Vorbildlich!
Handbücher:
Aufgrund der vielen komplexen Avionik dieses Addons, sind eine Menge Handbücher dabei: Eines für das GPS, eines für das FlightLogic-Glasspanel, eines für das JPI800 Motoreninstrument, eines für den Chelton-Autopiloten, eines für das Co Guardian Warnsystem und ein normales Betriebshandbuch. Das Betriebshandbuch ist als eine Windows Helpdatei, alle anderen Handbücher sind PDFs.
All diese PDF-Handbücher ähneln sich in Aufmachung und Informationsgehalt. Das Design ist dabei überaus schlicht gehalten, die Informationen sind dadurch sehr gut herauszulesen. Nur die Navigation innerhalb der Dokumente hätte noch verfeinert werden können.
Einen ganz anderen Weg geht man mit dem Betriebshandbuch. Die Informationen werden dort ähnlich wie auf einer Homepage präsentiert. Der Vorteil ist, dass man sehr schnell die Informationen findet, die man braucht. Die Texte sind leicht verständlich und durch zahlreiche Grafiken illustriert. Die Kapitel reichen dabei von den Instrumenten über Flugtipps bis zu den Performancetabellen. Das Format macht es etwas schwieriger, das Handbuch auszudrucken. Das ist zwar möglich, jedoch muss der Druckbefehl für jedes Kapitel einzeln gegeben werden. Gibt man einen solchen Druckbefehl, werden alle Seiten des Kapitels in eine htm-Datei zusammengefasst. Das Problem dabei ist, dass die Seitenumsprünge teilweise an sehr ungünstigen Stellen liegen. Für das Studieren des Fliegers am PC jedoch, ist das System optimal.
Fazit:
Ohne große Ankündigungen und großes Tam Tam entwickelte Flight1 diesen schicken Flitzer für die Lüfte. Die Modellierung ist dabei gut gelungen, auch wenn sie nichts besonderes ist. Besonders hingegen ist das Instrumentenbrett: Noch nie hat man ein so kleines Flugzeug im FS mit so viel hochkomplexer Avionik ausgestattet. Dabei bleibt der Preis vernünftig und der Spaß somit erhalten. Auch all die anderen Komponenten des Paketes vermögen zu überzeugen. Sicher kein Fehlkauf.
Bewertung
| Facts & Figures | Flight1 Rockwell Commander 112A | |
| Hersteller | Flight1 | ![]() |
| Preis | 28,95$ | |
| Veröffentlichungsdatum | 03.03.2006 | |
| Systemanforderungen gemäß Hersteller | ab 1,6 GHZ, 128MB Grafikkarte, 512MB RAM, Windows XP | |
| Link zur Produktseite | Flight1 Produktseite | |
| Pro | Contra | |
| + schönes Modell + tolles 2D Panel mit viel Avionik + stimmungsvolle Nachtbeleuchtung im 3D Cockpit + praktisches Handbuch + gute Zusatztools + guter Sound |
- Modell könnte noch etwas "verspielter" sein - 3D Panel könnte noch detaillierter sein |
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| Einzelkriterien | Kommentar | Bewertung |
| Kauf, Installation und Einbindung | absolut problemlos | |
| Handbuch/Beilagen | alle Informationen vorhanden | |
| Außenmodell, Texturen und Animationen | schönes Design, viele Details. | |
| 2D-Panel | viel tolle Avionik | |
| Virtuelles Cockpit | könnte noch detaillierter sein | |
| Flugeigenschaften | fühlen sich ausgewogen an | |
| Sound | voll & satt | |
| Performance | trotz der vielen Avionik erstaunlich gut | |
| Spaßbewertung/Langzeitmotivation | ein toller Flieger voller spannender Avionik | |
| Gesamtbewertung | ||
| Detailierte Bewertung | Klick >> | |
| Auszeichnungen: |
keine |
Die gezeigten Screenshots sind durch die Verwendung von Walk and Follow entstanden. Walk and Follow kaufen - Review lesen
Jorin Bonney für Flugsimulation.com | Jorin im Impressum | Veröffentlicht am 07.04.2006 | Counter: 4510 Besucher
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