Review: Australian Simulation Piper Warrior

Die Piper PA-28 ist die Nachfolgerin der PA-22 (Tri Pacer und Colt) und wurde
1961 eingeführt. Der erste Prototyp hatte eine 160PS-Maschine und flog zum
ersten Mal im Januar 1960. Seitdem wurden ca. 5000 Warriors gebaut.
Seitdem gab es viele unterschiedliche Versionen der PA-28, u.A. die Warrior,
welche in erster Linie als robustes Schulflugzeug ausgelegt ist. Die Warrior
wurde seit Ihrer Einführung mehrfach umgestaltet, besonders im
Instrumentenbrett. Das Paket von Aussim enthält zwei Versionen, die Warrior II
und die Warrior III.
In Australien scheint es einen große Fan dieser Flugzeugfamilie zu geben, in
jahrelanger Arbeit hat er den Flieger detailliert umgesetzt und Ende 2004 als
Payware veröffentlicht. Aber genug der Geschichte, los geht's!
Kauf&Installation:
Wie gewohnt kann der Kauf im
Simmarket abgewickelt werden. Nach der Bezahlung
von ca. 22€ kann man 2 Versionen herunterladen: eine Deutsche und eine
Englische. Wo genau der Unterschied liegt, konnte ich nicht herausfinden. Die
Installation verläuft problemlos, sofort kann die Warrior geflogen werden. Den
Key braucht man nur, wenn man das Configtool verwenden möchte.
Insgesamt absolut problemlos.

Aussenmodell:
Dieser Flieger ist das erste große Projekt von Australian Simulation, von
Anfängerfehlern jedoch keine Spur. Das Modell ist sehr schön und weist keine
Ecken oder Kanten auf. Auch auf die meisten Systeme, wie z.B. Bremsen wurde Wert
gelegt, leider fehlen die Bremsschläuche. Andere Details, wie z.B. die
Klappenanlenkungen, ein kleiner Haltegriff zur Einstiegshilfe oder Trimmruder,
wurden sehr schön umgesetzt. Besonders auffällig ist auch das Design des
Motorraums, hier sind alle möglichen Feinheiten zu erkennen. Die Variationen
unterscheiden sich kaum, nur durch die Anzahl der Radverkleidungen. Außerdem
kann man von außen sehr schön ins Innere des Fliegers blicken, auch dort wurde
an alle Details gedacht.
Die möglichen Effekte des FS2004 wurden angemessen eingesetzt, die Warrior II
hat weniger Reflexionen und dynamischen Schein als die Warrior III, was auch
sehr realistisch ist.
Die Texturen sind eher durchschnittlich und könnten bei einem derart kleinen
Flugzeug ruhig etwas detaillierter sein. Bei genauerem Hinsehen pixeln sie
etwas. Insgesamt sind die Texturen trotzdem nicht schlecht, kleinere Details wie
Nieten, Sensoren, usw. sind gut erkennbar. Auch hier sticht wieder der Motorraum
ins Auge.
Einige bisher unbekannte Features erwarten uns bei den Animationen. Neben allen
üblichen Dingen wie Querruder, Höhenruder, Klappen, etc.. wurde auch der
Motorraum animiert. Nach dem Start des Motors vibriert dieser deutlich sichtbar,
ein überflüssiges aber lustiges Feature. Mit unterschiedlichen
Tastenkombinationen lassen sich am Aussenmodell und im virtuellen Panel noch
diverse Gimmicks steuern, beispielsweise de Sonnenblenden oder das Sturmfenster.
Eine Sache ist noch erwähnenswert, nämlich das Schadensmodell. Es wurde bei
allen Warriormodellen relativ detailliert umgesetzt, Flügel und Heck können
abbrechen, dabei fliegen auch Kleinteile herum.
Insgesamt ist das Aussenmodell sehr schön gelungen.

Panel:
Da das Paket ja aus zwei unterschiedlichen Versionen der Warrior besteht, sind
auch zwei vollkommen unterschiedliche Panelversionen dabei. Zuerst möchte ich
das altertümliche Instrumentenbrett der Warrior II anschauen.
Tatsächlich fühlt man sich in die 70er Jahre zurückversetzt wenn man die Warrior
II lädt. Das Panel zeigt deutliche Abnutzungsspuren und ist in der typischen
dunklen Bauweise dieser Zeit ausgelegt. Alle Instrumente wurden speziell für
dieses Addon gestaltet, nichts kommt aus dem Standart FS. Alle Gauges wurden mit
digitalen Anzeigen ausgestattet, klickt man also auf die entsprechenden
Instrumente wird der aktuelle Wert auch digital angezeigt. Besonders im 3D
Cockpit verbessert dies die Ablesbarkeit deutlich. Besonders hier in dem alten
Panel zeigt sich die Detailverliebtheit des Autors, beispielsweise das uralte
ADF System wurde mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt und funktioniert
hervorragend, genau das lässt sich auch über den einachsigen Autopiloten sagen.
Die Navigation in dem Panel ist gut gelungen, über sinnvoll angebrachte
Klickspots kann man die Unterpanels aufrufen. Bei mehr Sichtbedarf kann in eine
Anflugsicht mit weniger Instrumenten gewechselt werden.
Insgesamt gefällt mir das Panel der Warrior II sehr gut.

Gehen wir über zur Warrior III. Bei ihr nämlich wurde das Panel noch
detaillierter Umgesetzt. Es sieht aus als wäre der Flieger gerade erst
ausgeliefert worden, alles ist blitzblank. Die Instrumente sehen super aus und
funktionieren hervorragend, sie sind ebenfalls mit digitalen Anzeigen
ausgestattet. Besonders viel Wert wurde auch hier auf den Autopiloten gelegt, der
diesmal 2-achsig ausgelegt ist. Es handelt sich dabei um ein Kombiinstrument aus
Wendeanzeiger und Autopilot, dessen Bedienung gewöhnungsbedürftig ist. Die
Funktion ist aber auch dieses Mal hervorragend. Auch die Navigationseinheit
bekam gehörig Aufmerksamkeit ab, das Garmin GMA-340 Audiopanel, das SL30 NavCom,
der GTX-327 Transponder und das Becker 3500 ADF wurden wunderbar umgesetzt,
lediglich das Garmin GPS 500 kommt von Microsoft. Das Instrumentenbrett nimmt in
der IFR-Ansicht den gesamten Bildschirm ein, man kann aber in verschiedene
reduzierte Modi wechseln. Das geschieht über Clickspots, welche nicht 100%
logisch angelegt sind, man kommt aber bald damit klar.
Eine Besonderheit ist noch nennenswert: die Sicherungen haben einen Effekt,
nimmt man beispielsweise die Sicherung für die COM1-Anlage heraus, funktioniert
diese nicht mehr richtig, das ist sehr selten im FS-Bereich.
Nachts wird das Panel sehr schön erleuchtet, an jedem Instrument befinden sich 2
kleine Lichtquellen, die es in gelbliches Licht tauchen. Mit der rötlichen
Gesamtbeleuchtung sieht das super aus.
Es "gelingt" mir nicht, hier irgendwelche Probleme aufzudecken, ein schlicht
geniales Instrumentenbrett, das in dem Bereich momentan konkurrenzlos ist.
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Dies ist eine Fotomontage, normalerweise ist das Panel
zweigeteilt

3D Panel:
Auf die speziellen Funktionen der Instrumente werde ich hier nicht mehr
eingehen. Sie alle lassen sich genau so bedienen wie im 2D Panel. Die
Modellierung des 3D Panels ist an sich relativ schön, möchte man jedoch auf
einen der hinteren Sitze wechseln, muss man sich auf viele Grafikfehler
einstellen. Die Texturen könnten etwas detaillierter sein, die Performance ist
nämlich sehr gut im 3D Panel.
Auch mit ein paar schönen Animationen kann das 3D trumpfen, so kann man das
"Sturmfenster" öffnen oder die Sonnenblenden herunterklappen. Außerdem sind alle
Schalter flüssig animiert und sogar die Sicherungen springen sichtbar heraus.
Insgesamt also ist, bis auf die etwas ungenauen Texturen, nichts zu bemängeln.


Sound:
Selbstverständlich bringt die Warrior auch ein Soundpaket mit, welches
offensichtlich am realen Vorbild aufgenommen wurde. Die Geräusche klingen schön
"knatterig" und sind qualitativ sehr gut. Mehr gibt es hier eigentlich nicht zu
sagen.
Flugdynamik:
Allzu viel kann ich zur Flugdynamik natürlich nicht sagen. Es gibt aber ein
Problem, das uns von einem realen Warriorpilot bestätigt wurde: Man braucht sehr
viel Querruder um sie in der Kurve zu halten und sie rollt extrem schnell
zurück, wenn man das Querruder weg nimmt und dreht dann sogar über die
Horizontale hinaus. Für dieses Problem gibt es ein Update, welches man bei
Aussim
herunterladen kann. Im Konfigurationstool kann man die Stärke des Querrudereffekts
einstellen, leider ist von diesem beim Flug nichts zu bemerken.
An sonsten fühlt sich der Flieger recht harmonisch an. Eine Trudelfunktion wurde
ebenfalls integriert, auch wenn Trudeln mit dem realen Vorbild verboten ist.

Performance:
Die Performance ist insgesamt unproblematisch, in keiner Situation gab es
Probleme mit der Fliegbarkeit. Details in der Bewertung.
Handbuch/Zusatztools:
Das Handbuch hat 45 Seiten und die Informationen sind ausreichend ausführlich
und übersichtlich gestaltet. Auch Checklisten sind dabei. Leider fehlen
Informationen zum echten Vorbild und Leistungstabellen, bei einem Flieger dieses
Realitätsniveaus sollten sie nicht fehlen.
Das Konfigurationstool ist besonders schön geworden. Darin wird eine Webseite
mit aktuellen News geladen, auch einen Screenshot des Monats gibt es. Ganz
einfach kann man hier Beladungsdaten ändern, die Flugdynamik anpassen und neue
Bemalungen installieren. Die Funktionen dieses Tools sind auch ausführlich im
Handbuch erklärt, das man kostenlos herunterladen kann.
Das Handbuch also ist eher mittelmäßig, das Konfigurationstool ist perfekt.
Fazit:
Mit der Warrior II/III präsentiert uns Australian Simulation ein durchwachsenes
Paket. Alle Komponenten sind qualitativ sehr gut umgesetzt, von kleineren Dingen
einmal abgesehen.
Wer also noch ein kleines bisschen mehr sucht, als die bekannten Modelle aus dem
Hause Dreamfleet oder Carenado, kann getrost zur Warrior greifen. 9 von 10
Sternen.

Detaillierte Bewertung
Pro:
- super Aussenmodell
- schöne Panels
- gute Performance
- satter Sound
- praktisches Konfigurationstool
Kontra:
- eigentlich nichts
Jorin Bonney für flugsimulation.com | Jorin im Impressum
Weitere Bemalungen und Updates gibt es bei Aussim.
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