Review: Aerosoft Discus X
Erstaunt habe ich mir die Produktseite von einem von Aerosofts neueren Flugzeugen durchgelesen. Da hat doch tatsächlich jemand eine Payware Repräsentation eines Segelflugzeuges für den Microsoft FSX herausgebracht; und das auch noch in einer angeblich sehr hohen Qualität! Der Segelflug spielte bis dato eine eher bescheidene Rolle in der simulierten Luftfahrt im Flugsimulator aus dem Hause Microsoft. Genauer gesagt bekam erst der FS9 ein Segelflugzeug, wobei man damit nicht wirklich real fliegen konnte. Erst im FSX bekam das lautlose Fliegen mehr Beachtung geschenkt. Jetzt waren echte Flugzeugschlepps und durch ein kleines Freeware Programm auch Windenstarts möglich. Was vorher nur in reinen Segelflugsimulatoren wie Condor möglich war, ist nun auch hier möglich. Eine Reihe anderer kostenfreier Programme ergänzt die Auswahl und macht das Fliegen realistischer. Dennoch gab es noch nie eine richtig gute Auswahl an zusätzlichen Seglern. Diese Lücke soll nun durch den Aerosoft Glider Discus X gestopft werden.
Der reale Discus:

Die Bilder wurden freundlicherweise von Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH zur Verfügung gestellt.
1984 wurde der Discus 2, der uns als Simulation dient, als Nachfolger des Standard-Discus vom Segelflugzeughersteller Schempp-Hirth aus Kirchheim/Teck als Hochleistungssegler auf den Markt gebracht. Er besitzt eine Spannweite von 15 Meter, wiegt leer ca. 235 kg, fliegt höchstens 250 Stundenkilometer und besitzt eine Gleitzahl von 1:43 (in der B Version 1:45) bei einer Geschwindigkeit von 84 km/h. Doch was bedeutet "Gleitzahl 1:43"? Es bedeutet, dass das Segelflugzeug in einer Höhe von 1 km GND mit der Geschwindigkeit des besten Gleitens 43 km segeln kann, bis es den Boden berühren würde. Schon der erste Discus war ein Erfolgsprodukt, da er allein über 800 Mal verkauft wurde, damals über ein Jahrzehnt lang die Standardklasse (maximal 15 Meter) der Segelflieger beherrschte und in seiner Laufbahn insgesamt sechs nacheinander errungene Weltmeistertitel errang. Hut ab! Trotz dieser hohen Leistungsfähigkeit wird er auch gerne für den Vereinsbetrieb benutzt, weil er gutmütige Flugeigenschafen besitzt.
Die zweite Generation des Discus bekam im Vergleich zum Standard-Discus hochgepfeilte Flügelspitzen, wurde im Rumpf verstärkt und hat eine neue Flügelkonstruktion. Aber auch dem einzigen Piloten gab man in der Version B mehr Raum in der engen Kabine. Somit hatte man eine völlig neue Konstruktion für den Discus gebaut, die vom Ventus abstammt.
Bei der Version 2T bzw. 2cT (18m Spannweite) kann man auch noch auf ein 15,3 kW starkes Hilfstriebwerk zurückgreifen, der sich hinter dem Cockpit im Rumpf befindet, der bei Bedarf ausfährt und bei verlorener Thermik dazu dienen kann, den Segler zum nächsten Flugplatz zu bringen. Dabei kann man bei einem vollen Tank von 12,5 l 300 km fliegen, sodass man nicht freiwillig auf dem Acker landen muss. Gerade bei diesem Motor setzt Schempp-Hirth auf den sogenannten Windmühleneffekt. Dabei braucht man weder Anlasser noch Gashebel! Das Triebwerk springt bei ca. 120 km/h von alleine an und bringt sofort die maximale Leistung. Das spart Arbeit, sodass sich der Pilot eher auf das Fliegen konzentrieren kann. Bei ca. 90 – 100 km/h kann das Triebwerk wieder ausgeschaltet werden, wenn auch die Zündung ausgeschaltet ist.
All das wird auch erstmals im FSX unser Discus haben!
Kauf, Installation und Handbuch:
Unseren schicken Kunststoffsegler kann man, wer hätte es gedacht, beim Publisher Aerosoft sowohl als Box, als auch als Download beziehen. Für den Download legt man 27,95€ hin. Die Pappschachtel kostet 29,99€. Ein normaler Preis für die Größe des Flugzeuges und die Ausstattung. Sind die Daten durch das Setup, welches wie gewohnt äußerst bequem und schnell geht, auf des Simmers Festplatte, kann man sogleich auch die Handbücher bestaunen. Insgesamt liefert uns Aerosoft neun PDF-Dokumente: Ziemlich viel für den kleinen Segler. Aber schnell kennt man den Grund dafür.
Das „eigentliche“ Handbuch wird nur in Englisch geliefert und umfasst 21 Seiten. Darin wird besonders auf technische Daten der drei verschiedenen Modelle gelegt oder den Startvorgang des Triebwerks, das bei einigen Modellen vorhanden ist, beschrieben. Aber auch Instrumente wie das Variometer, das eine zentrale Bedeutung des Segelflugs darstellt oder „der Faden“ und dessen Nützlichkeit, werden beleuchtet. Jeder, für den das Segelfliegen Neuland ist, sollte einen Blick ins Manual werfen.

Doch schauen wir uns die verbleibenden acht Handbücher an. Dabei fällt jeweils die Hälfte auf deutsche und die andere Hälfte auf englische Texte. Dabei legte Aerosoft großen Wert auf die Benutzung von Handbüchern des echten Vorbilds, bzw. Flughandbücher. Es gibt für die Discus Version A/B, aber auch für die Version BT ein eigenes Flughandbuch.

Beide Dokumente sind schon etwas älter. Das ist auch der Grund, warum sie noch mit Schreibmaschine geschrieben worden. Also, nicht wundern, was das für eine komische Schrift ist! Die Unterschiede beider Versionen sehen wir später. Ein weiteres Handbuch ist das des sogenannten „C4“, ein Segelflugrechner, der im Cockpit eingebaut ist und digital die Flughöhe oder das aktuelle Steigen/Sinken angibt. Auch dessen Funktionsweise sehen wir später.
Zuletzt gibt es noch das Handbuch von „WinchX“. Ich habe schon in der Einleitung geschrieben, dass durch ein kleines Programm Windenstarts im FSX durchgeführt werden können. Normalerweise kann man es auch separat downloaden, doch hier ist es schon dabei.
Das Außenmodell des Discus:
Zugegebenermaßen, besonders viel kann man an einem Segelflugzeug nicht bestaunen. Keine komplexen Klappensysteme, Kabel, Lichter oder sonstige Accessoires. Doch insgesamt muss ich sagen, dass die Entwickler gute bis sehr gute Arbeit geleistet haben. Ich habe vorher noch nie einen Discus in der Realität gesehen, geschweige denn ihn fliegen zu dürfen. Anhand von Bildern des Vorbilds lassen sich kaum Differenzen zum virtuellen Modell finden. Blickt man von Oben auf die Flügel, kann man als dünne schwarze Linien die Steuerungsorgane auf den Flügeln erkennen. Auch die Winglets, die bei manchen Modellen ausmodelliert sind, sind wohl proportioniert und entsprechen den echten Gegebenheiten. Das am Seitenleitwerk befestigte Pitot-Rohr, dass zur Spitze hin einen Knick nach unten oder oben besitzt, wurde ebenfalls der Realität nachempfunden. Schön wäre es noch gewesen, wenn es bei Turbulenzen wackeln würde. Aber das wäre wirklich der „i-Punkt“.


Besondere Beachtung findet sicherlich das kleine Triebwerk, das sich hinter der Kabine im Rumpf befindet und den Weg zurück zum Flugplatz erleichtern soll, wenn die Thermik abreißt. Außer vier Modellen, sind alle Segler mit eben diesem ausgestattet. Man erkennt die Segler mit Hilfsmotor leicht, da deren Registrierung nun Buchstaben hat und keine Zahlen mehr aufweist. Aber zurück zur Simulation.
Der Motor plus den Propellern sind das wahrscheinlich detaillierteste Teil vom ganzen Flugzeug. Hier sieht man den Ehrgeiz der Entwickler. Schraube um Schraube wurde umgesetzt. Man muss aber wirklich sehr nahe heranzoomen, um auch Kabel, kleinste elektrische Geräte oder Abgasrohre zu erkennen. Beim Zweiblattmotor sieht man sogar das Kabel, dass der ganze Geräteschaft mehr Stabilität geben soll. Vielleicht wäre aber ein wenig mehr Schmutz und Abnutzung ganz schön. Insgesamt erscheint mir das Ganze zu sauber.


Als nächstes fällt mir die Scheibe auf. Durch verschiedene Kamerapositionen und je nach Lichteinfall erkennt man sie entweder als bläulich oder eher durchsichtig. Doch bei beiden Varianten kann man dezente Spiegelungen sehen. Auch aus der Kabine heraus, doch dazu später mehr.

Doch warum der Pilot immer nach links schaut, ist und bleibt ein Rätsel. Entweder er schaut nur geradeaus, damit er auch sieht, wohin er fliegt, oder er bewegt den Kopf. Eigentlich schade, dass Aerosoft durch ein Schönheitsfehler Punkte abgeben muss.
Ein ebenfalls gelungener Punkt ist der der sich biegenden Flügel. Segelflugzeuge besitzen sich sehr stark biegende Flügel, die ja auch bei großen Verkehrsflugzeugen durch die Länge der Tragflächen vorkommen. Also wundert Euch bitte nicht, wenn ihr zur Flügelspitze blickt und sie schon längst über dem Rumpf ist. Beim Start und der Landung kann man das besonders gut sehen.

Besonders wichtig sind die Klappen bei Anflügen, die aus der Flügeloberseite herausfahren und die Luftströmung unterbrechen. Beim Discus ist das ein zwei-geteiltes System. Der eine Teil sitzt versetzt über dem anderen und fährt auch erst nach dem tieferen aus. Die Entwickler haben dieses wichtige Steuerorgan wirklich super nachgestellt. Die Animation ist schnell und flüssig. Man sieht auch die Schrauben, die Klappen mit der Steuerung verbindet. Hier wurde wiederum Wert auf Detailgenauigkeit gelegt. Die Textur ist gut. Es wirkt nicht zu sauber. Man sieht aber genauso gut einzelne Streifen, die normalerweise auch auf Blechstücken sind.


Das Herz des Discus – das Cockpit:
Habt ihr schon mal in einem Segelflugzeug gesessen? Der eine oder andere kennt das sicherlich. Beim Ein- und Ausstieg muss man ständig aufpassen, dass man nicht an irgendeinem Hebel hängen bleibt. Für die Größeren unter uns stellt sich wiederum eine Gefahr da. Die Kabinenhaube kommt dem Kopf bedrohlich näher. Keine großzügigen Sitze oder Einstige, wie in Jets und Co. Und dazu kommt sowieso die allgemeine Enge. Der simulierter Discus lädt uns ein, auch mal im begrenzten Maße diese Atmosphäre zu spüren. Aerosoft hat dies gut gelöst.


Besitzer von TrackIR brauchen z.B. ihren Kopf gar nicht so hoch heben, um den Fahrtwind des Simulator „zu spüren“. Auch eine kurze Kopfbewegung auf die Seite reicht aus, den Kopf durch das Luftfenster zu halten.

Zurück in „Normalposition“ fällt der Blick natürlich auf das Instrumentenbrett. Eingefleischte IFR- und Jetflieger werden lachhaft über das, nach ihren Maßstäben spartanisch aufgebaute Cockpit blicken. Gerade das ist aber ein Plus. Weniger Stress, mehr Spaß!

Eines fällt mir beim Anblick der Instrumente sofort auf: Insgesamt sind alle „Uhreninstrumente“ mit den richtigen Maßeinheiten ausgestattet, doch der Fahrtmesser tanzt aus der Reihe. Kein Segelflugzeug und auch kein realer Discus – zumindest keiner in Europa – misst seine Geschwindigkeit in Knoten. Obwohl sich die Luftfahrt an Knoten, Nautischen Meilen und Fuß gewöhnt hat, bleibt man in der Segelfliegerei bei der „Km/h“, „Km“ und „m“. Das ist eigentlich sehr schade, da die Entwickler die restlichen Einheiten richtig gesetzt haben. Meter/Sekunde beim Variometer oder m (km) beim Höhenmesser. Wenn ihr nun das Triebwerk in den Versionen BT und BM starten wollt, werdet ihr durch das Manual auf eine Geschwindigkeit in Km/h stoßen, die vorhanden sein muss. Durch die Instrumentierung schafft ihr das aber nicht, es sei denn ihr habt ständig den Taschenrechner parat, um umzurechnen.

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit. Nutzt das C4, der „Bordcomputer“ und dreht am rechten Rad so lange, bis ganz unten vom C4 eine zwei- aber meist dreistellige Zahl (z.B. GS 100) steht. Das ist dann eure richtige Geschwindigkeit. Nutzt den C4 aber bitte nicht, um Höhen abzulesen; auch das kann er. Hierbei werden die Höhen über MSL in Fuß angegeben.
Die Hintergrundtextur ist im Großen und Ganzen gut gelungen und entspricht der Realität. Die darauf liegenden Schrauben gefallen mir besonders wegen ihrer vorhandenen Abnutzung und dieser Art weißer „Schimmer“ gut, obwohl sie nur Texturen und 2D sind.
Die Instrumente selbst sind, wie schon bei anderen Add-Ons, sehr gut getroffen. Man kann gut die Scheibe mit ebenfalls vorhandenen Spiegelungen erkennen. Die Gauges sind trotzdem glasklar. Auch hier finden sich an den Rändern dezente bis gut sichtbare Kratzer und Abnutzungen.

Leider kann man das nicht von allen Dingen in der Kabine behaupten. Scheinbar nichtige Steuerorgane oder sonstiges wurden von einer einfachen Textur überzogen. Klappenhebel, Steuerknüppel oder der Ausklink-Hebel für das Schleppseil sehen weniger hübsch aus. Doch insgesamt haben die aller meisten Dinge eine gute bis hervorragende Qualität. Was war noch mal mit dem unrasierten Piloten? Richtig, auch den kann man im Cockpit sehen, respektive seinen Körper. Die Kamera des Stubenfliegers ist zugleich sein Kopf – ergibt Sinn. Ein Klick auf ihn und er kann ebenso schnell verschwinden, wie er beim Klicken auf den Anschnallgurt wieder auftaucht. Schade, dass er so oder so in der Außenperspektive da ist, obwohl er aus Cockpitsicht schon beim Feierabendbier sitzt.
Der Pilot macht einen guten Eindruck. Ecken und Kanten kann man fast nicht mehr erkennen. Die Hände sind sogar fast perfekt. Auch seine Kleider sind gut texturiert, wobei man genauso Streifen oder Aufdrücke erkennen kann.

Doch leider leidet unser Pilot Mustermann unter einem bösen Syndrom. Er kann das Seitenruder bewegen, ohne die Beine zu bewegen. Nur die Füße, bzw. seine Schuhe wackeln auf- und ab. Bewegt er dann den Steuerknüppel, kann es bei zu großem Ausschlag dazu kommen, dass sich einfach mal die Hand vom Arm verabschiedet und der zu sehende rechte Ärmel frei in der Luft schwebt. Sieht zwar komisch aus, doch nun wissen wir auch, dass er an der Hand etwas behaart ist. Alles aber nicht weiter schlimm.

Des Weiteren gibt es neben dem C4 einen zweiten „Bordcomputer“. Auf der rechten Seite befindet sich ein kleines GPS, was dem Piloten immer die aktuelle Position und weitere Daten über z.B. die aktuelle Windrichtung anzeigt. Leider ist alles sehr klein geraten. Man kann es auch nicht in einem Popup vergrößern. Hier hilft wirklich nur TrackIR. Aerosoft muss an der Stelle sicherlich nacharbeiten, dass dieses Gerät eine große Hilfe sein kann.
Wie schon vorher erwähnt, darf sich der Simmer auch in der Kabine über tolle Spiegelungen freuen. Insgesamt ein hübsches Gimmick, was den Atmosphäre realer wirken lässt, jedoch kann man nur einige Striche und nur mit viel Fantasie den Umriss der Kabine erkennen.

Auf eine Nachtbeleuchtung wurde natürlich verzichtet, da wir schlecht in der Nacht ohne Thermik fliegen können.
Wie tickt der Discus? - Flugcharakteristika:
Besonders auf die Flugeigenschaften habe ich mich gefreut, da der Discus X von Aerosoft anscheinend die erste richtig gute Umsetzung eines Segelfliegers in dieser Komplexität bzw. diesem Umfang ist.
Wenn man in den Tiefen des Internets sucht, stößt man auf Ergebnis, wie „ausgewogene Flugeigenschaften“, „Handlichkeit“ oder agile „Wendigkeit“. Ich bin selber noch nie Discus geflogen, doch kann ich sicherlich durch Erfahrungen in anderen Seglern ein recht gutes Bild abgeben.
Doch wo fangen wir am besten an? Am besten beim Beginn des Fluges. Wir wählen einen F-Schlepp mit der Tastenkombination Strg+Umschalt+Y, um in die Lüfte zu kommen. Komischerweise ist der F-Schlepp nur bei den vier Nur-Seglern ohne Motor anwendbar. Diejenigen, die einen Motor besitzen, sind nur auf die Winde angewiesen, da ihr Motor zu schwach ist, um selber zu starten bzw. er erst bei 120 km/h anzuspringen scheint, wobei man im Flusi auch schon mit 110 km/h starten kann, obwohl das Handbuch einen anderen Wert angibt. Außerdem ist es falsch, dass das Schleppseil unterhalb des Rumpfes angeschlossen wird. Der Discus besitzt an der Nasenspitze eine Einklinkvorrichtung, die auch im Flusi sehr schön modelliert wurde.


Der F-Schlepp verläuft wie gewohnt. Anscheinend ist es aber von Seiten des FSX nicht möglich, dem Seitenruder mehr „Kraft“ zu geben. Hier steuert man hauptsächlich mit dem Querruder, was eigentlich falsch ist. Man bekommt aber schon jetzt einen guten Eindruck davon, wie wendig der Discus wirklich ist. Schnelle Richtungswechsel wären kein Problem. Vielleicht sind sie zu schnell, wobei ich das nicht genau sagen kann. Man merkt aber auch, dass bei zu heftigen Steuerbefehlen irgendwann Schluss ist und der Segler mit Gewackel und einem recht komischen Windgeräusch signalisiert, dass jetzt Schluss ist. Besonders gut kann das auch beim sogenannten negativen Wendemoment erkennen. Steuert man zu hastig mit dem Querruder in eine Richtung, bewegt sich die Nase für einen Moment lang in die entgegengesetzte Richtung. Das ist von den Entwicklern sehr gut umgesetzt worden, was vorher nur in Condor möglich war.

Die kritischsten Momente beim Segelflug sind sicherlich der Strömungsabriss und das Trudeln mit anschließender Steilspirale. Bei zu hohem Anstellwinkel, fällt (zum Glück) die Nase plötzlich wegen der abreißenden Strömung ab und es beginnt ein rapider Sinkflug. Auch hier muss ich loben. Besonders das Abkippen gefällt mir sehr gut. Auch kehrt das Flugzeug kurz darauf wegen der ansteigenden Geschwindigkeit wieder in die Normalposition zurück. Discus X bildet das schön nach. Das Trudeln plus die Steilspirale ist ebenfalls recht gut gelungen. Jetzt kommt auch mal das Seitenruder ins Spiel. Wenn man ein Seitenruder voll durchdrückt und dann zum Strömungsabriss kommt, fällt das Flugzeug zusätzlich auf die Seite ab und verfällt in eine nicht aufhörende Drehung - zumindest fast nicht aufhörende. So heftig ist es im Sim dann doch nicht. Auch kommt man zu leicht aus diesem Zustand wieder raus, obwohl doch ein Seitenruderausschlag entgegen der Drehrichtung erforderlich ist. Zudem sind wider der Realität die restlichen Steuerorgane ansprechbar. Da der FSX kein reiner Segelflugsimulator ist, kann man das auch gut verkraften.

Die Einwirkung von einem ausgefahrenen Triebwerk oder den Bremsklappen auf die Geschwindigkeit und die damit verbundene Sinkgeschwindigkeit ist schön gemacht. Alles wirkt recht realistisch, wobei das Fahrwerk mehr Widerstand hätte produzieren können. Selbst der kleine Faden an der Kabinenhaube tut seine Arbeit mit bestem Gewissen. Man kann recht gut ablesen, ob eine Kurve der Windanströmung wegen sauber ist oder nicht, wobei er manchmal einfach nur in der Gegend rumspringt.
Zusammenfassend kann man zu dem Flugverhalten sagen, dass der FSX-Discus den Seglern aus Condor fast in nichts nachsteht. Es macht wirklich fast keinen Unterschied. Bravo!


Auch ein Segler macht Geräusche – Sound:
Was man in einem Motorflugzeug oder gar einem Jet hört sind die Triebwerksgeräusche. Der Segelflieger wird mit ähnlichen lauten Geräuschen konfrontiert. Und zwar die Einwirkung der Natur, der Wind. Ständig bläst einem sprichwörtlich der Wind um die Ohren. Bei höheren Geschwindigkeiten mehr, bei niedrigeren weniger; auch im Sim. Dieses Problem wurde gut gelöst. Auch das leiser werdende Geräusch ab abfallender Strömung (s. Strömungsabriss) wurde wunderbar umgesetzt. Wie eben schon erwähnt, lösen die Bremsklappen auf der Flügeloberseite Widerstand aus. Auch diesen kann man akustisch vernehmen, da mit dem Ausfahren ein lautes Zischen auftritt. Meinen Erfahrungen nach ebenso schön.
Was gibt es zum Triebwerk zu sagen? Hat man endlich herausgefunden, wie es anspringt, verrichtet es mit lautem Geräusch seinen Dienst. Da man sehr nahe an diesem sitzt, ist auch dementsprechend laut. Und da es ständig mit voller Leistung arbeitet, bleibt dieses Geräusch weitestgehend gleich.

Im Cockpit gibt es zudem links vom Piloten ein kleines Luftfenster. Man kann entweder nur in der Mitte einen kleinen Spalt aufmachen oder gleich das ganze Fenster, das durch entsprechenden Mausklick an die richtige Stelle geschieht. Hier ist die Geräuschkulisse wirklich super gelungen. Es hört sich wirklich wie im echten Leben an. Natürlich ist der Geräuschpegel höher, wenn man das ganze Fenster statt nur der kleinen Klappe öffnet.
Leider gibt es kein akustisches Anzeichen darauf, dass man gerade gelandet ist. Gerade das manchmal stärkere Aufsetzen macht den oder anderen Laut.

Performance:
Sicherlich erwartet man relativ viele Frames bei einem eher kleineren Flieger mit weniger Instrumente, die dargestellt werden müssen. Ich habe einen eher mittelmäßigen PC, auf dem der FSX bei mittigen Reglern bei Default-Flieger + -Szenerie um die 25 FPS habe. Der Discus schafft es da auf schwankende 18 – 20 FPS im Durchschnitt. Der vom FSX gelieferte Hochleistungssegler bringt es auf durchschnittliche 25. Ich denke, dass diese Werte trotzdem gut sind und der Discus eher minimal weniger Bilder/s über den Bildschirm bringt, als der Standard.
WinchX:
Wie bereits erwähnt ist es neben dem F-Schlepp auch möglich, seinen Flieger über eine Winde in die Lüfte zu bringen. Eine starke Trommelwinde zieht dabei ein Stahlseil auf und beschleunigt den Segler in drei oder vier Sekunden auf die erforderliche Rotationsgeschwindigkeit: Ein atemberaubendes Gefühl...
Durch das eigentlich als Freeware erhältliche Programm WinchX ist es möglich, diese, meist angewendete Startmethode, zu nutzen, um schnell in die Lüfte zu kommen. Dabei ist es aber wichtig, kurz beim Abheben den Steuerknüppel fast ganz zu Euch hinzuziehen, damit man so viel Höhe gewinnt, wie es geht.
Der lizenzierten Version liegt ein elf-seitiges Handbuch in Deutsch und Englisch vor und beschreibt FAQs, Anwendung, Seilrisse oder auch das Funktionsprinzip. Es ist sehr gelungenes und aufschlussreiches Manual für so ein kleines Programm. Dieses ist ja nicht mehr mehr als ein Modul, das sich beim Start vom Flusi selbst öffnet und Seillänge und Geschwindigkeit vorgibt, wobei man diese individuell verändern kann.
Die Darstellung des Windenfahrzeuges und des Seiles plus des dazugehörigen Fallschirms sind gut gelungen. Der Ausklinkvorgang, der auch automatisch abläuft, ist gut. Auch das Absinken ist gelungen. Schön ist ebenfalls, dass sich das Flugzeug langsam in den Horizontalflug und dann in einen kleinen Sinkflug geht, wenn es sich der Winde nähert.


Zu empfehlen ist auch noch das Freeware Programm Cumulus X sowie Sim probe. Ersteres ist für die realistische Thermikbildung mit gleichzeitiger thermik-typischen Wolkendarstellung da. Sim probe erzeugt hoch realistische Hangwinde, die oft stärker sind, als normale Thermik und noch nicht durch den FSX darstellbar waren. Für beide Programme sind auf der Internetseite des Discus X bei Aerosoft entsprechende Links vorhanden; einfach nach ganz unten scrollen.
Das Fazit:
Wie ist also das Fazit dieser Review? Ganz klar ist es beachtlich, dass es ein Entwicklerteam geschafft hat, ein so realistisches und zugleich schönes Segelflugzeug für den FSX zu entwickeln. Mit den entsprechenden kleinen und sogar kostenlosen Programmen, steht dem spaßigen Segelflug im FSX nichts mehr im Wege. Wären noch mehr Entwickler bereit, und das hoffe ich, das lautlose Fliegen im Microsoft´schen Flugsimulator voran zu bringen, würde dieser sicherlich eine Konkurrenz zu Condor werden. Summa summarum erhält der Aerosoft Discus X eine Kaufempfehlung für jeden Segelflieger. Aber auch auch den Piloten, die mal eine andere, auch schöne Seite, des Fliegens kennen lernen wollen, sei er empfohlen, denn Segelfliegen war bis jetzt noch nie realistischer im FSX. Leider gibt es immer wieder kleinere Schönheitsfehler. Ohne sie, wären 10/10 Sternen auf jeden Fall drin.
Bewertung
| Facts & Figures | Aerosoft Discus X | |
| Hersteller: | Aerosoft | ![]() |
| Preis: | 29,99€ / 27,95€ | |
| Veröffentlichungsdatum: | 04.09.2009 | |
| Systemanforderungen gemäss Hersteller: | Microsoft Flight Simulator X (SP2 oder Acceleration) Windows XP / Vista 32bit oder 64bit / Windows7 inkl. der neusten Service Packs Microsoft .NET Framework Version 3.5 Redistributable Package Microsoft Visual C++ 2008 Redistributable Package (x86) Intel Core 2 Duo CPU (2x 2666Mhz) oder vergleichbares System (Core 2 Quad CPU empfohlen) 2 GB RAM DX9 Grafikkarte mit mind. 256 MB (512 MB empfohlen) |
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| Link zur Produktseite: | Aerosoft Discus X | |
| FS-Version(en): | FSX | |
| Pro | Contra | |
| -Super Außenmodell -Tolles 3D-Cockpit mit messerscharfen Gauges -Sehr realistisches Flugverhalten -viele informative Handbücher -langer Spass mit neuer Möglichkeit, zu fliegen -Preis völlig OK -viele Modelle |
-keine weiteren Liveries -Pilotenbewegungen fehlerhaft und Pilot zu starr -Fehler bei Startmöglichkeiten -Geschwindigkeitsmesser in Knoten |
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| Kriterium | Kommentar | Bewertung |
| Kauf, Installation und Einbindung | Der Preis ist vollkommen in Ordnung. Die Installation läuft gewohnt einfach und schnell |
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| Handbuch/Beilagen | Sehr viele Handbücher (D/E) mit Originalbeilagen. Die Handbücher sind gut aufgebaut und verständlich | ![]() |
| Außenmodell, Texturen und Animationen | Sehr realistisches Modell mit allen typischen Steuerorganen. Die Texturen sind etwas schlechter, aber noch ok. Animationen sind reichlich vorhanden und funktionieren flüssig und realistisch |
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| Virtuelles Cockpit / Cabin | Gute Gauges mit allen Anzeigegeräten. Abnutzung ist dezent vorhanden. Auch der Pilot ist gut erkennbar. Die Spiegelungen an der Kabinenhaube machen es noch schöner | ![]() |
| Flugeigenschaften | Super Flugeigenschaften. Alles wirkt realistisch. Besonders das negative Wendemoment oder der Strömungsabriss sind sehr gelungen |
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| Sound | Flugwind und Motorengeräusche sind gut gelungen. So klingt es wirklich im Segler | ![]() |
| Performance | Akzeptable Bildwiederholungsrate. Fürs Fliegen vollkommen ausreichend. |
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| Spaßbewertung/Langzeitmotivation | Wird nicht langweilig. | ![]() |
| Gesamtbewertung | ![]() |
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| Auszeichnungen | ||
| Bestes Segelflugzeug, das je für den Flugsimulator von Microsoft gemacht wurde. Es steht den Fliegern und dem Flugverhalten aus |
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David Stoitner für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 31.03.2010 | Counter: 2248 Besucher
| Hallo David, Vielen Dank für das sehr gute und ausfühlichev Review. Insgesammt sind mir ein Paar Fehler aufgefallen. Du bemängelst, dass der Piulot immer nach links schaut und in der Cockpitsicht die Animationen nicht ganz gelungen sind, und belegst dies mit einem Screenshot. Dies liegt aber daran, dass di "Erweiterte Animationen" nicht angeschaltet hast. Dies steht so im Manual. Wären die an, würde sich die Fläche biegen, der Pilot dahin schauen, so man hinfliegt und die Arme sich anständig bewegen. Der Instrumente zeigen je nach FSX Settings metrisch, imperial, oder gemischt an. Deine settings sind wohl gemischt. Im Handbuch ist beschrieben, wie man das einstellt. In dDeutschland sind Segelflugzeuge Metrisch. In anderen Ländern nicht. Das GPS lässt sich auch als 2D Panel anzeigen. Das Seitenruder verhält sich wi in der Realität. Man muss "automatisches Seitenruder" abschalten. Dass sich das Trudeln sehr einfach ausleiten lässt deckt sich mit meinen erfahrungen mit dem echten Discus. Der ist sehr gutmütig, und ich bin nicht der leiteste. Das ganze kommt immer auf die Schwerpunktlage an. Ach ja. Bitte beim Windenstart nicht nach dem Abheben voll durchziehen. Das endet bei einem Seilriss tödlich. Ansonnstes sehr schönes Review. Vielen Dank, Gruß Joachim |
| Hallo Max, dass die Seitenruder des Discus nur mit den Fußspitzen gesteuert werden, ist mir klar. Es ist ja nicht genug Platz in der Kabine, um wirklich die Beine zu bewegen. Habe mich falsch ausgedrückt. Da hast du Recht. Zu den Bremsklappen: Es verringert sehr wohl auch die Geschwindigkeit. Klar geht durch die gestörte Strömung die Gleitzahl zurück, aber beim Landeanflug wird durch den erhöhten Widerstand auch die Geschwindigkeit gesteuert. Sonst würde es nur Störklappen heißen. |
| Also mir sind einige kleine Fehler aufgefallen. Bei einem DIscus werden die Seitenruderpedale nur mit den Fußspitzen gesteuert, man muss die Beine nicht bewegen. Außerdem bewirken die Bremsklappen kein abbremsen der Fahrt sonder sie dienen nur dazu den Auftrieb des Flügels zu stören wodurch der Segler schneller sinkt. Der Discus mit "2-Blatt Propeller" ist ein Eigenstarter, die mit kleineren Motor sind Heimkehrhilfen. |
| Hallo, schön das man sich um den Segelflug im FS kümmert. EIn Fehler ist mir jedoch aufgefallen - Zitat: "1984 wurde der Discus 2..." Den Discus 2 habe ich 1998 das erste Mal auf der Aero in Friedrichshafen gesehen. Der Discus 1 bzw. der alte Discus wurde 1984 zum ersten Mal geflogen. Der Discus den Aerosoft nachgebildet hat, ist ein "alter" Discus. Das könnte man ja noch korrigieren. Gruß |