NewsReviewsArtikelRubrikenAirlinersearchForumImpressum
flugsimulation.com - Artikel - Oneway-Runway Interview mit Stefan Rausch


- Stefan, einige Worte zu dir, von wo bist du, was machst du beruflich
und privat?


Ich komme aus Mödling, Niederösterreich. Ich bin von meiner Ausbildung her Bautechniker, und wie bekannt ist - mache ich auch Flightsim Szenerien.

Meine Hobbies sind (ohne dass die Reihenfolge eine Priorität anzeigen würde):
Tauchen (ich mag speziell Haie sehr gerne, und beschäftige mich viel mit dem Thema Elasmobranchien).
Ich zeichne und male gerne (unten z.B. ein Bild dass ich vom Blauberg-Strand in Kapstadt gemalt habe, Öl auf Leinwand).

Ausserdem noch Skifahren (fast jeder Österreicher fährt gerne Ski, so auch ich), ich bin ein leidenschaftlicher Hobbykoch, ich reise gern.


- Wie sah dein Bildungsweg aus - Welche Schritte hast du genommen?

Keine besonderen. Ich besuchte die Volksschule, danach das Gymnasium und danach die HTL. Im Gymnasium war ich ein relativ mässiger Schüler, in der HTL dafür sehr gut.


- Welches Erlebnis verbindet dich mit dem Fliegen? Gibt es da ein Schlüsselerlebnis welches dich zu Aviatik gebracht hat?

Also mit dem realen Fliegen nicht wirklich viel, ich bin kein Pilot. Ich glaube den ersten Kontakt den ich bewusst mit einem Flugzeug hatte und wie es geflogen wird, hatte ich als ich ein kleines Kind war (vielleicht war ich fünf oder so...). Da hat mich der Bruder meines Vaters zum Flughafen Schwechat mitgenommen, und mir am Vorfeld eine neue MD-80 vorgeführt. Ich habe mir damals die Kabine und das Cockpit in allen Einzelheiten angesehen, und ich erinnere mich dass mich die Vorführung der Triebwerksfeuerwarnung besonders beeindruckt hatte (die leuchtete so schön bunt und es gab ein "tolles" Geräusch dazu). Mir wars als Kind unbegreiflich wie mein Onkel sich merken konnte wofür die ganzen Zeiger und Schalter gut sind. Später hat sich mein Onkel einige Male die Flüge eingeteilt, mit denen unsere Familie auf Urlaub flog, und so konnte ich im Cockpit (auf dem jumpseat) von MD-80ern und A310ern Platz nehmen, was mir immer gut gefallen hat.
Ich habe mich allgemein schon lange für Flugzeuge und Luftfahrt interessiert, und dementsprechend verschiedene Bücher und Zeitschriften geschmökert. Es gibt da drei "Arten" an Jungs. Die einen interessieren sich für Autos, die anderen für Eisenbahnen und die dritten für Luft u. Raumfahrt. Und ich bin da Kategorie 3.
Ich hatte einfach immer die Neugier zu wissen wie das Ding dass da über mein Haus fliegt funktioniert (ich wuchs in einer Einflugschneise von Schwechat auf...). Das führte allerdings nie dazu, dass ich am "realen" Fliegen irgendwie anders teilnahm als als Passagier. Ich habe also noch nie ein Flugzeug gelenkt. Also auch kein Segelflugzeug oder einen Gleitschirm. Das kam für mich (nicht nur, aber hauptsächlich) aus Kostengründen nie in Frage.
Das einzige was ich (mehr schlecht als recht) lenken kann ist ein Auto (ich habe einen B-Führerschein), wenn ich auch selbst kein Auto besitze.


- Kannst du dir vorstellen beruflich in die Aviatik zu wechseln?

Nein, nicht weil ich es ablehnen würde, sondern ich wüsste nicht als was man mich in dem Bereich verwenden könnte. Ich kann weder fliegen, noch besitze ich irgendeine andere aviatische Fähigkeit die mir bewusst wäre. Ich glaube also nicht dass mich irgendeine Fluglinie oder ein anders Unternehmen in dem Bereich einstellen würde...


- Wie kamst du zum virtuellen Fliegen?

Das kann ich nicht mehr genau sagen. Ich glaube ich hatte so mit etwa 12 Jahren zum ersten mal ein Computer - Flug - Spiel gesehen und benutzt. Wobei ich zunächst hauptsächlich Kampfflugzeugspiele gespielt habe. Z.B mit dem "Amiga" diverse Fighterbomber und Navy Jet Spiele. Mit dem PC-Flusi intensiver beschäftigt hatte ich mich erst so richtig ab dem FS-5. Das erste Add On habe ich erst für den FS95 u. 98 gemacht, es handelte sich um ein A310 Panel, was aber fast keiner kennt. Es hat also nichts speziell den Anlass dazu gegeben dass ich mich mit PC Flugsimulation beschäftigt habe, ich habs einfach probiert und es hat mich interessiert.


- Als Hersteller der Austrian Airports und diversen weiteren Szenerien hast du einen hohen Bekanntsheitgrad in der Flusiszene erreicht, wie siehst du dich in der Flusiszene?

Das mit dem Bekanntheitsgrad ist eine Übertreibung. In Wirklichkeit kennt mich kein Mensch.
Ich habe es daher auch noch nie erlebt, dass mich Irgendwo (z.B. auf einem Flugplatz oder bei einem Flugplatzfest oder sowas) Irgendjemand erkannt hätte. Das wäre auch ganz unrealistisch zu erwarten. Die ganze Flightsimmerei ist im Grunde eine sehr spezielle kleine Randerscheinung, und was es da gibt ist den meisten Leuten (auch wenn sie Luftfahrt - interessiert sind) vollkommen unbekannt.
Ich habe es bei Recherche - Besuchen auf Flugplätzen immer wieder erlebt, dass ich auf völliges Unverständnis der dort Anwesenden gestossen bin, wenn ich meine Fotos knippste. Da hat eigentlich fast nie jemand überhaupt eine Idee davon gehabt was PC Flugsimulation überhaupt ist. Die meisten realen "Flieger", so schien es mir jedenfalls, rümpfen bei Erwähnung von "MS Flugsimulator" eher die Nase (es gibt auch Ausnahmen, aber selten)....
Aber vielleicht habe ich auch einfach meistens die falschen Leute angetroffen....
In der "Flusiszene" sehe ich mich daher an keinem speziellen Platz.

- Eine Szenerie zu erstellen gibt riesen viel Arbeit, kannst du uns sagen wie man dabei vorgeht, wie man ein solches Projekt angeht und wie
die einzelnen Arbeitssschritte aussehen?


Der erste Arbeitsschritt ist das Aussuchen und recherchieren des Flugplatzes. Da schaue ich dass ich Karten usw. bekomme. Dann fahre ich hin, und schaue mir alles möglichst genau an, und überlege mir schon vor Ort wie man das in etwa abstrahieren könnte.
Das ist eigentlich das wichtigste: Sich überlegen wie man das alles möglichst vereinfachen kann, so dass es dennoch erkennbar bleibt.
Dann mache ich ein paar Skizzen und fotografiere möglichst alles das durch, was ich basteln möchte. Ich tue mir dabei am leichtesten, wenn ich lange Brennweiten (ein Teleobjektiv, oder zoom) verwende, denn dann hat man meistens wenig Verzerrung in den Bildern. Dabei fotografiere ich oft einzelne Elemente einer Fassade, die ich später zusammenfüge und male.
Es bleibt einem natürlich überlassen was man sich herauswählt (aus einem real existierendem Ort) um es für den Sim zu basteln. Das ist Geschmacksache, und da hat jeder andere Schwerpunkte. Wenn ich alles habe, dann fahre ich heim und scanne die Bilde bzw. lade sie auf den PC. Dann erstelle ich aus den Bildern und den Skizzen eine neue Skizze, mehr oder weniger einen Plan dessen, was ich basteln möchte. Dh. welche Form und welche Abmessungen soll mein Modell haben. Dabei muss man schauen, dass man eine möglichst einfache Geometerie mit wenig Punkten plant. Dann erstelle ich für diese die Texturen. Das ist fast der arbeitsintensivste Schritt. Aus vielen Bildern fügt man je eine Fassade zusammen, retouchiert störende Dinge (wie z.B. Äste oder Laternenmasten usw.) weg, malt einige andere Dinge dazu (z.B. Schatten, Schmutzfahnen und andere Details usw.) die im Prozess des Fassadenerstellens verloren gehen. Die möglichst detaillierte Texturenpinselei macht eigentlich den wirklichen "Kick" aus. Die Texturen (die man zuerst sehr gross gemalt hat) verkleinert man dann, und formatiert sie. Dann macht man zu jeder Textur noch ein lightmap dazu. Dann bastelt man die einzelnen 3-D Modelle, dann setzt man diese zusammen. Dann kommen noch die Vorfelder dazu, die Linien und vieles andere was dann die Szenerie zur Szenerie macht.


- Wie sieht deine Zukunft in der Flusiszene aus?

Im Moment sieht es so aus, als ob ich noch einige Sachen mit und für FlightXpress machen würde. Der Chefredakteur von FXP hat mich mehr oder minder "entdeckt", und mit viel Geduld mir gegenüber grosses Vertrauen und Loyalität bewiesen. Ich habe deshalb vor, Ihm (in aller Dankbarkeit) treu zu bleiben, solange es Ihm sinnvoll erscheint.


- Was für Projekte willst du umsetzten - Bezogen auf Szenerien?

Nach den neuen Austrian Airports wird für mich das nächste "Grössere" Projekt ein spezielles "Teamwork" sein, zu dem ich meine Arbeitskraft mit beisteuern werde, und worüber ich noch nicht viel sagen will (ich will niemandem vorgreifen).
Daneben wirds einzelne kleinere Projekte geben (so ähnlich wie das Capetown), von denen manches schon recht weit ist (im Bild unten ein Preview eines chinesischen Airports, Guilin).

Jedenfalls wird das weiterhin für FXP stattfinden (solange man mich dort haben will).


- Wie wichtig sind für Autoren von Flusi Add Ons Rezensionen wie wir sie machen?

Sie sind wichtig in dem Sinne in dem sie Produkte bekannt machen, und ein Mittel für die Benutzer und Kunden sind, mehr über ein Produkt zu erfahren. Die Leute sehen dadurch ob ein Produkt etwas für sie ist oder nicht. Schade ist es, wenn ein Produkt mutwillig verissen wird, was aber sehr selten vorkommt. Es gibt fast keine schlechten Flightsim Produkte glaube ich, sie sind eben alle ein bisschen anders.
Jedes Produkt hat Schwächen, und dafür auch an anderer Stelle Stärken. Ob jetzt für einen Tester die Stärken oder die Schwächen überwiegen ist oft Geschmacksache, und hängt stark davon ab wo der Reviewer selbst seine Schwerpunkte setzt. Je nachdem wird er dann enttäuscht sein, oder erfreut.
Es ist aber jeder Review etwas subjektives, und das muss man so akzeptieren, das ist kein Nachteil. Jedes Urteil ist subjektiv, aber deshalb nicht mangelhaft.


- Kann man mit dem Herstellen von Add Ons Geld verdienen?

Das kann man sicher bis zu einem gewissen Grad, je nachdem was für eine Art von Add Ons man macht (ob die wirklich international verkauft werden usw.) Generell glaube ich aber dass die meisten Leute hier weit übertriebene Vorstellungen haben. Ich hatte mir das selbst früher auch nie wirlich realistisch überlegt.
Denn erstens ist Umsatz ja nicht gleich Gewinn für den Produzenten (und von dem bekommen die Autoren ja wieder nur einen kleinen Anteil, der dann noch vertsteuert wird usw.).
Und zweitens ist der Flightsimmarkt ziemlich klein, viel kleiner als viele Leute glauben. Es gibt einige tolle und "bekannte" Produkte, die wurden übers Internet verkauft, und erreichten "tolle" Verkaufszahlen von 100-200 Stück (manche Produkte werden noch viel seltener verkauft).
Da kann dann der Autor mit seinen gesamten Einnahmen aus dem Produkt einmal mit der Familie essen gehen, und weg sind sie....
Bei Produkten die auch als Päckchen in Märkten verkauft werden siehts anders aus, weils da um grössere Stückzahlen geht (vielleicht 1000 - 5000 Stk., je nach Produkt) die insgesamt verkauft werden. Und da haben die jeweiligen Autoren dann schon gewisse Einnahmen, aber "reich" wird da keiner damit. Gemessen an der tatsächlichen Arbeitszeit ist der Verdienst sicher eher schwach....


- Was ist deine Motivation so viel Arbeit in ein solches Projekt zu stecken?

Die Motivation ist, etwas zu machen was der Wirklichkeit ähnlich sieht und dennoch am PC spielbar ist. Das finde ich immer wieder toll, wenn das fertige Ding eine gewisse Stimmung erzeugt, die mich an die Realität erinnert (bzw. an meine subjektive Erinnerung an die Realität). Und das ist ja das, worum es beim Flightsim geht. Der ist kein Verfahrenstrainer. Wenns um das ginge, bräuchte man keine Flugzeugmodelle, keine schöne Landschaft, keine Lensflares, und auch keine schönen Flugplätze.
Wenns nur um das Üben von Flugmaneuvern ginge, und die Simulation der Flugzeugsysteme usw., dann würden Drahtmodelle und einfachste Grafiken reichen.
Aber der Flightsim ist ein Computerspiel (ich schreibe bewusst "Spiel"!), und da gehts auch darum den Eindruck von etwas "realem" zu erwecken, mit Grafik. Man soll beim Anblick von Gebäuden und Flugzeugen schon fast das Kerosin riechen. Davon leben Computerspiele. Man soll Spass daran haben können, und sich sagen - "schaut aus wie echt".


- Deine Szenerien waren früher Freeware, wieso verkaufst du sie heute?

Der Grund ist eigentlich ein Einfacher. Der Aufwand so etwas zu machen ist schon sehr sehr hoch. Für die Austrian Airports z.b. habe ich bis jetzt etwa 4000 Texturen gemalt, und mehrere tausend Modelle gefertigt und vieles andere mehr. Dazu noch die Recherche, die Planung, die Kompletierung, immer wieder testen und verwerfen, immer wieder ändern usw.
Da gehen etliche tausend Stunden an Arbeit drauf. Und das kann man eigentlich nicht mehr verschenken, wenn man ehrlich ist. Denn es kostet alles etwas.
Für eine Semmel beim Bäcker (für die einige Arbeitssekunden draufgehen) muss ich bezahlen.
Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, und da gehört Entlohnung dazu (so gering die vielleicht auch immer ist). Anders funktioniert unsere Welt nicht. Wer sich einbildet es könne gratis Dinge geben, in einer art gemeinschaftlichen Tausch - Solidarität, der irrt. Es gibt nichts ohne Kosten. Manches erscheint uns kostenlos, aber das ist immer nur ein Schein. Wannimmer wir den Eindruck haben es gibt etwas kostenlos, müssen wir nur nachdenken ob das wirklich so ist. Denn wenn man genau schaut, ist immer irgendwer, irgendwo, der die Kosten zu tragen hat. Hinter allem was scheinbar gratis ist, stehen auch Kosten, und hat etwas seinen Wert. Das ist das Grundprinzip nachhaltiger Wirtschaft.
Wenn wir Freeware downloaden, dann kostet sie uns nichts, aber sehr wohl z.B. dem Autor. Der gibt seine Arbeit, der lässt Fotos entwickeln, der kauft Programme usw.
Ich weiss, dass das viele anders sehen, aber in Wahrheit ist es so. Es geht auf Kosten eines anderen Menschen. Der mag natürlich so grosszügig sein, und das in Kauf nehmen. Das steht jedem frei. Aber kostenlos ist es deswegen nicht.
Ich bin der Meinung dass Dinge, die monatelange oder jahrelange Arbeit bedeuten, nicht gratis sein sollten. Weil sie sonst entwertet sind. Was nichts kostet ist nichts wert. Da entsteht ein seltsamer Eindruck: Wenn einer etwas kostenlos ins Internet stellt, dann kann er dafür doch höchstens ein paar Stunden gebraucht haben. Viele Leute sehen das so, und dementsprechend ist dann oft das Feedback bei Freeware. Da glauben dann Leute dass ein Freeware Flugzeug oder Flugplatz in einem Wochenende zu machen ist. Wenn man dem sagt dass das ein Irrtum ist, und in Wahrheit monatelang dauert (genausolange wie der Bau z.B. einer Modelleisenbahnanlage), dann wird das oft nicht geglaubt. Ich war früher ein Freund der Freeware, und habe das für eine tolle Idee gehalten. Mittlerweile denke ich anders, und das werden mir sicher auch manche Menschen übel nehmen. Aber jeder lernt halt dazu, und so habe ich dazugelernt: "There Ain't No Such Thing As A Free Lunch"
Würde man für jede Stunde die man an einem Add On bastelt einen Stundenlohn ansetzen wie ihn z.B. ein Waschmaschinen Monteur in Rechnung stellt, dann könnte man keine AddOns mehr erzeugen. Das würden auch die grosszügigsten Kunden nicht bezahlen können. Das kommt durch die geringen Stückzahlen von AddOns. AddOns sind eigentlich sehr billig, auch wenn sie manchen Leuten teuer vorkommen.


Bald erscheinen Stefan Rauschs neue Austrian Airports.

Das Interview führte Sales Wick | Sales im Impressum | Sales eine Mail schreiben