Interview mit Thorsten Loth
Thorsten Loth, Chef von Simwings ist mit Sicherheit einigen Simmern ein Begriff.
Spätestens beim Kauf von Szenerien Spaniens oder Frankreichs kommt man kaum am
von ihm gegründeten Team herum. Flugsimulation.com sprach mit Thorsten über den
Flugsimulator, die neusten Projekte und die Zukunft des Flugsimulators.
Thorsten, bevor sich später dann alles um den Flugsimulator dreht, erzähle uns
und unseren Lesern doch erst einmal etwas Persönliches über dich.
Geboren bin ich 1966 in Essen (somit also jetzt 39 Jahre alt). Ich bin nie
wirklich weit aus dem Ruhrgebiet weggezogen, nach ein paar Jahren in
Mülheim-Mintard und Bochum wohne ich jetzt in Ratingen-Hösel (links aus dem
Flightdeck zu sehen, wenn man in Düsseldorf auf die 23L zuhält).
Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne. Nach dem Abitur habe ich in Düsseldorf
eine Ausbildung als „Druckvorlagenhersteller, Fachrichtung Mediendesign“, (heute
„Mediengestalter“) gemacht. Daran anschließend ein Berufs begleitendes Studium
als Kommunikationswirt an der Werbeakademie Essen. Schon früh habe ich mit
Computergrafik beschäftigt und 1989 bereits den ersten Grafikcomputer gekauft,
der dank spezieller Grafikkarten von ATT damals unglaubliche 16,7 Millionen
Farben darstellen konnte. Trotz der werblichen Ausbildung habe ich es bis heute
geschafft, den in dieser Branche üblichen Apple Computern zu widerstehen. Seit
der Prüfung zum Kommunikationswirt bin ich selbstständig unter dem Namen MediaDesign, Marketing & Communication Services tätig. Wir erstellen unter
anderem Broschüren über Kraftwerksanlagen und Umweltsimulationen der Kunden
Bewag, Berlin und Siemens. Hierfür habe ich auch schon früh mit 3D-Grafik
gearbeitet und ganze Kraftwerke als 3-D Querschnitt am Computer erstellt. Auch
heute noch nutze ich die 3D Computergrafik zur verständlichen Visualisierung
komplexer technischer Prozesse, wie z.B. Gasturbinen, Rauchgasreinigungsanlagen
etc. Außer 3D-Grafiker und Gestalter bin ich zudem Industriefotograf. Der
Schritt vom 3-D Kraftwerk zum 3-D Flughafen war also nicht allzu weit.
Wann hat dich die Faszination Flugsimulator gepackt und wie bist du dazu
gekommen Szenerien zu gestalten?
Irgendwann hatte ein Bekannter mal den FS3 (oder4?) mitgebracht und auf meinem
brandneuen 386er mit 20Mhz installiert. Ich erinnere mich hauptsächlich an die
knallgrünen Wiesen und daran wie alle von der Performance des Rechners schier
begeistert waren. Nach ein bisschen Spielerei habe ich aber aus grafischen
Gründen schnell das Interesse verloren. Das kam erst wieder, als ich im Kaufhaus
den FS für Windows 95 entdeckte, der mit Texturen arbeitete. Aber genau wie der
später erschienene FS98 wurde dies ausschließlich zum „rumfliegen" benutzt. Erst
mit Erscheinen des FS2000 und dem Release von FSDS (FS Design Studio) begann ich
ernsthaft über das Bauen von Szenerien nachzudenken, da es sehr nah zu meinen
anderen 3-D Grafiktools war. So fing ich also an als erstes Projekt den
Flughafen von Ibiza für den FS2000 zu machen, vor allem aber weil es ihn nicht
gab und mich mit Ibiza viel verbindet, wie später zu lesen ist. Aber schon
während der Erstellung erkannte ich, dass es für mich keinen Sinn machte, solche
Szenerien als Freeware anzubieten, weil mein Anspruch und der damit verbundene
Zeitaufwand einfach zu hoch waren. (Ich will hiermit nicht sagen, dass Freeware
unbedingt schlecht sein muss, ich meine vielmehr damit meine persönliche
Lebenssituation als Selbstständiger, der eh immer zu wenig Zeit hat.) Nach Ibiza
folgte dann schnell Menorca und Mallorca. Irgendwann zwischendurch nahm Manfred
Spatz, der in Madrid lebt, Kontakt mit mir auf, da er auch spanische Szenerien
baute. Sofort beschlossen wir die Sache zukünftig gemeinsam anzugehen, zumal wir
uns auch qualitativ und konzeptionell sehr gut ergänzten. Im kommenden Jahr
lernte ich dann Cornel Grigoriu kennen und wir beschlossen (nach seinen
Scandinavian Airports) zu dritt zu agieren.
Bist du der Fliegerei ausschließlich virtuell verbunden oder hast du auch etwas
mit der realen Fliegerei zu tun?
Selber fliegen tue ich leider nicht, obwohl ich es gerne würde. Vielleicht
schaffe ich es ja irgendwann mal einen UL-Schein zu machen. Mich verbindet mit
der Fliegerei eher, dass ich schon als Kind mit meinen Eltern sehr oft im Jahr
als Passagier nach Ibiza geflogen bin. Immer mit LTU ab Düsseldorf, am Anfang
mit Fokker 27 und Caravelle, später mit Tristar. Ich empfand damals den Flug
immer als das beste am Urlaub. Heute fliege ich nat. auch noch oft als
Passagier, ob beruflich und privat.
Im Jahre 1999 wurde Simwings von dir gegründet. Wie kam es dazu?
Nach der Fertigstellung von Ibiza brauchte ich quasi einen Markennamen, als fest
stand, dass wir (Manfred und ich) noch weitere Szenerien machen werden.
Ihr verkauft eure Szenerien über den Simmarket oder Aerosoft. Was heut euch zu
diesem Schritt veranlasst? Warum übernehmt ihr den Verkauf nicht selbst?
Am Anfang haben wir unsere Szenerien neben Simmarket durchaus als Download und
CD-R selber vertrieben. Wir haben aber schnell erkannt, dass der Vertrieb neben
dem Hauptjob zu viel Zeit bündelt, die man besser in die Entwicklung neuer
Szenerien investieren kann. Daher haben wir mit Aerosoft einen renommierten
Publisher gefunden der unsere Szenerien als boxed Produkte und neuerdings auch
als Download vertreibt. Somit bilden Simmarket und Aerosoft unsere
„Vertriebssäulen“.
Das Erstellen eines neuen Flughafens stellt eine äußert zeitintensive und
aufwendige Arbeit dar. Wie gehst du von Grund auf vor, was für Programme benutzt
du und wie muss sich ein Laie deine Arbeit vorstellen? Bereist ihr die Flughäfen
gar selbst oder greift ihr auf Kontakte zurück?
Die Programme, die wir benutzen sind im Wesentlichen: FSDS (früher), GMax,
Photoshop, SCC, AFCAD2 sowie ein paar Tools von Arno aus scenerydesign.org.
Neben der Fotorecherche im Internet benutzen wir Flugkarten um uns einen ersten
Überblick zu verschaffen. Danach besuchen wir den Flughafen persönlich(!) um
Fotos zu machen. Es gibt keinen Flughafen von uns, der nicht vorher selber
besucht wurde. Dies ist auch unabdingbar, ansonsten könnten wir einen Flughafen
nicht in der Qualität und Realität bauen. Teilweise, wie in CDG, gehen wir sogar
den „langen Dienstweg“ und machen offizielle Fotos auf der Apron Seite des
Flughafens, was natürlich recht kostspielig ist. Aber zusätzlich bekommen wir
nat. auch Material von „Insidern“, also Piloten oder welche, die an den Airports
arbeiten oder in der Nähe wohnen.
Wie viel Stunden pro Woche arbeitest du durchschnittlich an den Szenerien?
Da ich quasi zwischen Werbung und Flughäfen „pendel" kann ich es nicht genau
sagen. Insgesamt arbeite ich sicher zu viel, eine 40-Stunden-Woche wäre der pure
Luxus.
Woher stammt deine Motivation stets wieder bei null anzufangen und einen Airport
in mühevoller Kleinarbeit zu gestalten?
Ich lasse mich gerne „gefangen nehmen" von den ganz speziellen Details und
Besonderheiten eines Flughafens. Spätestens, wenn ich vor Ort war, wird im Kopf
schon alles vorgeplant und gebaut, dann wird losgelegt. Das ist wie bei einem
Modellbauer: Wenn das Modell fertig ist, wird das nächste angefangen.
Werdet ihr für die lange Arbeit gut belohnt, bzw. entspricht es Deinen
Vorstellungen?
Durch die technischen Möglichkeiten (wie z.B. Fotountergründe) und Ansprüche,
die es heute an Szenerien gibt, ist der Zeitaufwand im Verhältnis zum Einkommen
ins Missverhältnis geraten. Wenn man dann noch Reisekosten, evtl. Lizenzkosten
und Kosten für Fotoaufnahmen berücksichtigt, denke ich, dass Szenerien
mittelfristig teurer werden müssen um die Erstellung finanziell zu
rechtfertigen. Da sind wir aber nicht alleine, dass wird sich bei Payware von
selber entwickeln. Vielleicht wird sich auch das Vertriebskonzept ändern müssen.
Viel Schaden verursachen auch die Schwarzkopien. Ich würde Keinem empfehlen nur
aus Geldgründen Szenerien zu bauen, es muss auch ein bisschen „Kerosin im Blut“
dabei sein. Bei mir war halt die Affinität zwischen Hauptjob und Szenerien bauen
sehr groß, daher kann ich Leerläufe und Wartezeiten bei Projekten gut mit den
jeweils anderen Projekten überbrücken.
Seit der Gründung von Simwings erschienen zwei neue Flugsimulator-Versionen. Als
Designer muss man sich bei jeder neuen Version auf neue Gegebenheiten
einstellen. Wie kommst du damit zu Recht?
Ich komme damit sehr gut zurecht, durch meinen Hauptberuf bin ich es eh gewohnt
mich ständig weiter zu entwickeln und u. a. neue Programme zu erlernen. Die
Zeiten, dass man einen Beruf erlernt und den dann 40 Jahre lang ausübt sind eh
vorbei.
Wie wichtig sind dir persönlich Reviews und Meinungen der Käufer? Achtest du
beim Erstellen einer neuen Szenerie explizit auf die Kritikpunkte derer?
Natürlich hören wir sehr genau hin, was Reviews und Kunden urteilen. Wir bemühen
uns auch gerechtfertigte Kritikpunkte zu beseitigen. Leider können aber auch wir
nicht zaubern und Simulation ist immer nur eine Abstraktion der Wirklichkeit.
Daher wird man es nie allen recht machen können, zumal es unterschiedliche
Ansätze, wie z.B. VFR- oder IFR-Fliegen gibt.
Was kann der Käufer beim Kauf einer Szenerie von Simwings erwarten?
Eine Szenerie, die auf dem neusten Stand der Technik und Grafik zum Zeitpunkt
der Erstellung ist. Wir bemühen uns mit jeder Szenerie noch besser zu werden.
Auch intern gibt es so eine Art Qualitätswettbewerb zwischen uns sim-wings
Entwicklern. Zudem sind unsere Szenerien so real wie möglich, und die spezielle
Atmosphäre des Ortes kommt auch im Simulator gut rüber.
Simwings Szenerien sind ihr Geld wert, weil sie … sind.
Real, atmosphärisch, detailgetreu und interessant gelegen.
Wie bekannt ist, sind derzeit die Szenerien von Paris Charles-de-Gaulle,
Toulouse und Granada in Entwicklung. Wie ist der derzeitige Stand der Dinge? Von
Paris und Granada sind ja bereits schon viel versprechende Bilder gezeigt
worden.
CDG ist schwer in Arbeit, Granada soll noch vor Ostern bei Simmarket
erscheinen. Toulouse wird noch etwas dauern, die Fotos etc. sind aber schon
gemacht.
Kannst du uns verraten, auf was wir uns danach freuen können? Im mediterranen
Raum gibt es ja freilich noch genug bisher eher stiefmütterlich behandelte
Airports.
Natürlich haben wir gewisse Projekte, vor allem in Frankreich angedacht. Wir
wollen aber erst mal abwarten, wie die französischen Szenerien am Markt
angenommen werden um zu entscheiden in welche Richtung wir gehen, vielleicht
öfter auch mal von Paris in östliche Richtung. Es muss ja nicht immer am
Mittelmeer sein, wie z.B. CDG. Spanien, unsere virtuelle Heimat, werden wir aber
auf keinen Fall verlassen. Bevor ich lange um den heißen Brei rumrede: Nach
Paris CDG werde ich Zürich machen (Release: diesen Sommer). Ich weiß, dass da
zufällig so eine Art Abstimmung bei FlyTampa lief, wo sich alle Zürich von ihm
gewünscht haben, aber Martin Brunken kommt vorläufig nicht dazu. Wir haben das
also soweit mit FlyTampa abgesprochen, dass wir Zürich machen. Da ich ohnehin
demnächst öfter in der Ecke von Zürich bin bot es sich an. Hochaufgelöste
Luftaufnahmen vom Flughafen habe ich auch schon :-). Ich hoffe nicht, dass jetzt
allzu viele enttäuscht sind, weil es nicht Fly Tampa macht :-).
Wie wird intern entschieden, welchen Flughäfen ihr euch widmet?
Jeder von uns macht Vorschläge was er gerne machen würde und wir diskutieren
darüber.
Manchmal geben auch Aerosoft oder User den Anstoß, wie bei Marseille.
Der Flugsimulator hat in den vergangen Jahren enorme Veränderungen erlebt. Was
wünschst du dir für die zukünftigen Versionen?
Ich wünsche mir: Bessere Möglichkeiten das Meshterrain zu beeinflussen (feinere
Flattenmöglichkeiten für Hoch und Tiefbau), die Möglichkeit hochauflösende
Terraintexturen zu verwenden (als Landclass), die Möglichkeit zu mehr
Wettereffekten, wie z.B. Schneeverwehungen auf der Runway und Taxiways. Eine
bessere und schnellere Grafikengine, besseres ATC und einen Erscheinungsrythmus von 3 statt 2 Jahren.
Vielen Dank, Thorsten für diese äußert informative Interview. Das Team von
flugsimulation.com wünscht dir für die Zukunft viel Glück und weiterhin viel
Erfolg und Spaß mit Simwings!
Gerne geschehen. Ich wünsche euch noch weiterhin viel Erfolg mit eurer Website
und noch viele schöne Stunden vor dem FS!
Mehr Infos zu der Arbeit von Thorsten Loth gibt es bei www.sim-wings.de
Das Interview führte Sven Scharr | Sven im Impressum